Brugg
Plötzlich ein Model – aber von den grossen Laufstegen träumt sie nicht

Die Bruggerin Maria Schmidli wurde an einem Konzert unverhofft aufgefordert, zu einem Shooting zu erscheinen. Nun nimmt sie an einem Model-Wettbewerb teil. Doch eigentlich hat sie ganz andere Pläne.

Janine Müller
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Maria Schmidli hat sich beim ersten Foto-Shooting wohlgefühlt.

Maria Schmidli hat sich beim ersten Foto-Shooting wohlgefühlt.

HO/Martin Walder

Seine Tochter findet jeder Vater die schönste Frau der Welt. Diese Erfahrung hat kürzlich Maria Schmidli gemacht. «Papa-Krankheit» nennt sie das. Ihr Papa jedenfalls hat seine 20-jährige Tochter einfach bei einem Model-Wettbewerb in Deutschland angemeldet. Nein, nicht bei «Germanys next Topmodel». Aber immerhin bei einem Topmodel-Wettbewerb in Germany. In Waldshut, um genau zu sein. Bei einem Wettbewerb der süddeutschen Zeitung «Südkurier».

Auf dem Online-Portal hat Marias Vater das Bewerbungsformular ausgefüllt, kurz vor dem Abschicken hat er seine Tochter zu sich gerufen. Kaum hat sie es gesehen, da hat er schon auf «abschicken» geklickt.

«Er hat mich damit völlig überrumpelt», sagt Maria Schmidli, streicht sich ihre langen blonden Haare aus dem Gesicht und schaut ihr Gegenüber mit ihren grünen Augen etwas unsicher an. Im Mosers Kafi in Brugg bestellt sie sich eine Latte macchiato und erzählt, wie sie so unverhofft zu einem Model-Shooting gekommen ist.

Passiert ist es an einem Konzert der Band Pegasus. Ein Kollege, ein Fotograf, meinte unvermittelt, sie solle doch zu einem Shooting kommen. Ein anderes Model habe ihm kurzfristig abgesagt. Dann war der Tag da und Maria Schmidli ziemlich nervös. Kleider sollte sie mitnehmen, hatte es geheissen. Sie hat dann einfach mal alles, war ihr gefällt, in ihren Koffer gepackt. Dazu fünf oder sechs Paar Schuhe. Sie lacht, als sie sich erinnert. «Es sah aus, als würde ich mindestens drei Wochen in die Ferien gehen.»

Der Moment war da, als sie das erste Mal vor die Kamera stand. «Ich habe nie gedacht, dass ich mal modeln werde», sagt sie. «Es hat dann aber schon Spass gemacht.» Wobei es zu Beginn doch ein komisches Gefühl gewesen sei, so vor der Kamera zu posieren. Mit Musik ging es dann wesentlich besser.

Denn die 20-Jährige, die im letzten Sommer die Kantonsschule in Aarau abgeschlossen hat, ist auch leidenschaftliche Tänzerin. Die heissen Rhythmen des Salsas haben es ihr angetan. Bereits im Alter von 15 Jahren hat sie mit dem Tanz begonnen, den andere normalerweise erst in reiferem Alter für sich entdecken. In Wettingen unterrichtet sie seit einem Jahr in der Tanzschule Mambosà. Sportliche Betätigung für ihre schlanke Figur hat Maria Schmidli folglich genug.

Obwohl sich mit dem Model-Wettbewerb eine neue Welt für die Bruggerin auftut, lässt sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Nur den wenigsten Freunden hat sie bisher von ihrer Teilnahme erzählt. Es sei ihr unangenehm, wenn sie in der Öffentlichkeit stehe. Und sie wolle nicht arrogant wirken, indem sie Werbung für sich selber macht, beispielsweise auf Facebook.

So richtig forcieren will sie also – ganz im Gegensatz zum Brugger Topmodel Manuela Frey (18) – eine allfällige Modelkarriere noch nicht. «Ich schaue mal, was aus diesem Voting herauskommt», sagt sie. «Dann schaue ich weiter.» Natürlich reize es sie auch, sich bei einer Modelagentur mal zu melden, um zu schauen, was allenfalls möglich wäre. Vorbilder aus der Modelwelt hat die 1,73 Meter grosse Frau, die ohne Fernseher aufgewachsen ist, keine. «Ich habe noch keine einzige Staffel ‹Germanys next Topmodel› gesehen», erzählt sie. «Und beim Coiffeur lese ich den ‹Beobachter› und keine Klatschheftli.»

Trotzdem hat sie eine Ahnung davon, was im Leben eines Models abgehen kann. «Der Druck, ständig top auszusehen, das kann es doch nicht sein», findet Maria Schmidli. Von den Laufstegen in New York, Paris und Mailand träumt sie nicht. Wenn, dann eher von einem Tanzstudio eines berühmten Tänzers in New York, wo sie Unterricht nehmen könnte. Oder von einem Vorlesungssaal an der Fachhochschule in Brugg-Windisch. iCompetence will sie da studieren. Eine Mischung aus Informatik, Design und Marketing. Zwar eine Männerdomäne, aber Maria Schmidli traut sich zu, diese Welt zu erobern.