Lauffohr

Platz für Wasserfrosch und Fledermaus-Azurjungfer: Nassreis-Anbau fördert die Biodiversität

Nassreis-Pflanzung in Lauffohr

Nassreis-Pflanzung am Dienstag in Lauffohr.

In Lauffohr wurden 200'000 Reissetzlinge gepflanzt. Damit wächst die Anbaufläche im Aargau auf 5 Hektar. Das zieht Wasserfrösche und Libellen an, für die sogar extra Platz gelassen wird.

Flink packt Yvonne Fabian sanft eine Libelle an den Flügeln. Dem Insekt geschieht so nichts. Die Projektleiterin von Agroscope, dem Kompetenzzentrum der Schweiz für landwirtschaftliche Forschung, betrachtet das kleine Tier und sagt: «Das ist eine Fledermaus-Azurjungfer.» Es ist eine seltene Art, die sich beim Reisfeld im Brugger Ortsteil Lauffohr angesiedelt hat. Mit dem Anbau von Reis ist die Biodiversität gestiegen. Im Wassergraben neben dem Feld quaken Wasserfrösche, die Laubfrösche haben auch schon ihre Eier gelegt.

Das ist der Sinn des Nassreisanbaus im Norden der Schweiz. Einerseits geht es darum, Landwirten eine neue Anbaumöglichkeit für Felder, die oft überschwemmen, zu eröffnen, andererseits kann die Biodiversität gefördert werden. Denn in der Schweiz sind viele Nassflächen verschwunden und damit auch die Wassertiere und –pflanzen.  

Gleich bei der Vogelsangbrücke in Lauffohr baut die Max Schwarz AG aus Villigen seit letztem Jahr Risottoreis der Sorte Loto an. Dieses Jahr beträgt die Fläche eine Hektare und ist damit doppelt so gross als 2019. Zudem sind drei weitere Felder – zwei in Untersiggenthal und eines in Würenlingen – dazu gekommen. Insgesamt wächst im Aargau auf fünf Hektaren Nassreis.

Katja Jacot von Agroscope (links) und Judith Meier von der Max Schwarz AG betreuen den Nassreis-Anbau in Lauffohr.

Katja Jacot von Agroscope (links) und Judith Meier von der Max Schwarz AG betreuen den Nassreis-Anbau in Lauffohr.

Bis anhin hat die Max Schwarz AG auf das Aussäen des Saatguts aus der Poebene in Italien gesetzt. Gestern aber wurden auf der einen Hälfte des Feldes in Lauffohr zusätzlich 200‘000 Reissetzlinge eingepflanzt. Diese wurden von der Max Schwarz Jungpflanzen AG gezogen. Drei Arbeiter sorgen auf einer monoton ratternden Maschine dafür, dass die Setzlinge in den Boden gelangen.  

Hintergrund: «Letztes Jahr verbrachten wir viele Stunden auf dem Feld, um Unkraut zu jäten», erklärt Judith Meier, Produktionsleiterin Bio-Anbau bei der Max Schwarz AG. «Wenn wir Setzlinge pflanzen, können wir das Feld früher unter Wasser setzen und so verhindern, dass das Unkraut wächst.» Das Setzen der Jungpflanzen dauert zwar länger als das Sähen, das Jäten des Unkrauts allerdings braucht ebenfalls enorm viel Zeit. Zeit, die oft fehlt in dieser Jahreszeit. Dazu kommt, dass das Gemüsebau-Unternehmen in Lauffohr auf Bio-Anbau setzt.

Seltene Arten aufgetaucht

Ein Problem letztes Jahr waren die Enten, die sich auf dem Reisfeld niederliessen auf der Suche nach Futter. Die Folge: etliche Löcher im Reisfeld. Eine Sonaranlage wird auch dieses Jahr dafür sorgen, dass die Enten einen Bogen um das Feld machen werden. Dennoch war die Freude bei den Mitarbeitern der Max Schwarz AG gross über all die Tiere und Pflanzen, die mit dem Reisanbau wieder entdeckt wurden. «Wir haben letztes Jahr gestaunt, welche seltenen Arten aufgetaucht sind», sagt Meier. Erstaunlich sei auch gewesen, wie schnell sich der Boden an das neue Ökosystem angepasst hat. Auf einer kleinen Fläche wird nun getestet, ob das auch umgekehrt wieder der Fall sein wird. Darum wird dort konventionell Lauch angepflanzt. «Für Landwirte ist es wichtig zu wissen, ob sie nach einigen Jahren Reisanbau auch wieder auf Getreide wechseln können», erklärt Meier. 

Begleitet wird das Reisanbau-Projekt seit Beginn von Agroscope, finanzielle Unterstützung gibt es auch vom Kanton Aargau sowie vom Bundesamt für Umwelt. Seitens Agroscope zuständig sind Yvonne Fabian und Katja Jacot. «Die Kombination von Produktion und Biodiversität spricht für den Reisanbau», sagt Jacot. «Das Wasserschloss ist ideal, auch wegen des Auenschutzgebiets in unmittelbarer Nähe.» Im Reisfeld werden bewusst kleine Fenster ausgespart, um dort für Pflanzen und Tiere einen neuen Lebensraum zu schaffen. Einmal pro Monat wird die Entwicklung der Biodiversität kontrolliert. Gemeinsam mit Toni Suter, Bereichsleiter Gemüsebau bei der Max Schwarz AG, informiert sich Jacot zudem noch über kälteresistentere Reissorten und Maschinen, die auf einem bereits gefluteten Feld zum Einsatz kommen können.

Oktober 2019: Hier wird Reis aus Brugg geerntet

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