Er sei weder kriminell noch habe er böse Absichten gehabt, versicherte Bekim (Name geändert).

Der schlanke 25-Jährige mit den kurzen Haaren und dem modischen Bart erschien mit blauen Jeans und ebensolchen Turnschuhen sowie einem schwarzen Kapuzenpullover vor dem Bezirksgericht in Brugg. Etwas angespannt schien er zu sein – «ich stand noch nie vor dem Gericht».

Er versuchte aber, ruhig und bereitwillig Auskunft zu geben. Beschuldigt war der junge Mann aus dem Bezirk wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz.

Im Sommer des letzten Jahres erwarb Bekim von einem Kollegen für 160 Franken eine Gasdruckpistole. Diese führte er in der Folge in seinem Auto mit. Als serbischer Staatsangehöriger war ihm dies aber verboten. Auch bemühte er sich nie um eine Bewilligung. An einem Sonntagabend im August 2015 gab Bekim auf dem Parkplatz einer Tankstelle in Windisch ein paar Schüsse in Richtung einer Hecke ab. Ein Beobachter meldete dieses Tun der Polizei.


Er hat nicht viel überlegt


Gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft erhob der Beschuldigte Einsprache. Deshalb hat er nun gestern vor Bezirksgericht antraben müssen. Auf die Frage von Gerichtspräsidentin Franziska Roth, weshalb er die Gasdruckpistole überhaupt gekauft und später mit ihr geschossen habe, zuckte Bekim mit den Schultern. Die Waffe habe gut ausgesehen und ausserdem habe er zu diesem Zeitpunkt etwas Geld übrig gehabt. Bei der Tankstelle habe er die Pistole seinem Kollegen zeigen wollen. Die drei bis vier Schüsse habe er ohne bestimmten Grund abgegeben, habe dabei nichts überlegt und niemanden erschrecken wollen. «Ich habe nicht gewusst, dass dies verboten ist.» Sowieso lasse sich mit dieser Waffe nicht wirklich etwas anstellen, betonte er. Mitgeführt habe er die Pistole im Kofferraum seines Autos, weil dort eine Ablage vorhanden sei.

«Die Bewährung von vier Jahren hat mich belastet», nannte Bekim den Grund, weshalb er gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben hat. Die Tat, so seine Meinung, sei ja nicht so schlimm gewesen. Vier Jahre seien eine lange Zeit und wenn etwas vorfalle, werde ihm das zum Verhängnis. Werde er beispielsweise in einen Autounfall verwickelt, könne ihm sogar das Autobillett abgenommen werden, habe ihm jedenfalls ein Polizist erklärt, sagte er. Die Busse, fügte er an, könne er schon bezahlen, auch wenn er derzeit etwas knapp dran sein.

Gerichtspräsidentin Franziska Roth konnte den Beschuldigten aufklären: Ein Zusammenhang mit dem Autobillett bestehe nicht. In der angesetzten Probezeit dürfe er sich aber nichts zuschulden kommen lassen, was mit Waffen zu tun habe, führte sie aus. «Ich rate, nichts anzustellen», hob die Gerichtspräsidentin hervor. Denn werde er erneut straffällig, müsse er damit rechnen, die Geldstrafe zusätzlich zur neuen Strafe zahlen zu müssen.


Probezeit und Busse reduziert


Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 140 Franken bei einer Probezeit von vier Jahren sowie eine Busse von 2100 Franken gefordert. Das Gericht beurteilte das Verschulden als nicht sehr gravierend, überdies sei der Beschuldigte nicht vorbestraft. Trotzdem habe das unüberlegte Handeln Konsequenzen, sagte Franziska Roth, denn: «Nichtwissen schützt vor Strafe nicht.»

Verurteilt wurde Bekim schliesslich zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie einer Busse von 1100 Franken. Die eingezogene Gasdruckpistole wird vernichtet.