Sie haben sich Anfang Jahr im «Contact» kennen gelernt – dem Treffpunkt für Asylsuchende, Flüchtlinge und Interessierte aus der Region im Jugendkulturhaus Piccadilly (Pic) in Brugg: der Sozialpädagoge aus Scherz sowie die Kindergärtnerin und Lerntherapeutin aus Brugg. Jürgen Podlass und Doris Gautschi ist es ein wichtiges Anliegen, die Asylsuchenden bei der Integration zu unterstützen. Deshalb engagieren sie sich regelmässig am Montagnachmittag zwischen 14 und 17 Uhr, wenn sich Dutzende zum Deutschlernen im Pic versammeln. Die drei Stunden mit Schule und Cafeteria-Betrieb verfliegen jeweils im Nu. Danach beginnt für die meisten Asylsuchenden, die ausserhalb des «Contact» kaum Leute kennen, das lange Warten auf den nächsten Montagnachmittag. Das soll sich bald ändern.

Podlass und Gautschi haben gemeinsam ein neues Projekt auf die Beine gestellt, das noch in der Pilotphase steckt. Gesucht werden sogenannte Paten und Patinnen, die bereit sind, sich regelmässig mit Asylbewerbern zu treffen, sich auszutauschen oder etwas zu unternehmen. «Damit wollen wir die Asylsuchenden aus ihrer Isolation herausholen», sagt Doris Gautschi zur Motivation. Podlass ist gebürtiger Deutscher und lebt seit sieben Jahren in der Schweiz. «Ich wurde hier so gut aufgenommen. Jetzt möchte ich gerne etwas weitergeben», sagt er. Der 58-Jährige erzählt mit strahlendem Gesicht von einem Eritreer, der gerne Velo fährt und Fussball spielt und mit dem er sich schon mehrmals privat getroffen hat. Podlass ist überzeugt, dass solche Patenschaften für beide Seiten eine Bereicherung darstellen.

Vereinbarung wird unterzeichnet

Damit der Kontakt möglichst einfach hergestellt werden kann, werden in erster Linie Paten aus der Region Brugg gesucht. Die Intervalle und Intensität der Treffen kann jeder Pate oder jede Patin selbst definieren. «Nach einem gemeinsamen Gespräch bemühen wir uns, je nach persönlichen Interessen die passenden Asylsuchenden für unsere Paten zu finden», sagt Gautschi. Da sei auch Fingerspitzengefühl gefragt, denn viele Asylsuchende sind von den Kriegswirren in ihrer früheren Heimat oder von der Flucht traumatisiert, sagt die 48-Jährige. Die beiden Projektverantwortlichen empfehlen, nach Möglichkeit gleich mit zwei Asylsuchenden eine Patenschaft zu vereinbaren. «Das hat den Vorteil, dass sie sich nicht so verloren vorkommen oder sich auch mal in der Landessprache unterhalten können», fährt Podlass fort. Und Gautschi betont: «Auf der anderen Seite wollen wir sie aber auch nicht verwöhnen.»

Kommt eine Patenschaft zustande, wird von den Paten und den Asylsuchenden eine einfache Vereinbarung, die in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Asyl Aargau entstand, unterzeichnet. Damit bezeugen die Beteiligten, den Leitfaden – respektive die Spielregeln – zu akzeptieren und allfällige Kosten selber zu tragen. Doris Gautschi versteht sich in diesem Projekt primär als Koordinatorin. In dieser Funktion hat sie einem Asylbewerber kürzlich auch ein Keyboard vermittelt.

Nach drei Monaten gibts Bilanz

Jürgen Podlass kann sich gut vorstellen, selber auch als Pate im Einsatz zu stehen: «Es kostet nichts, mich selber einzubringen und ich lerne dabei auch viel über unsere Gesellschaft.» Er berichtet von einem jungen Asylbewerber, der sich wunderte, warum hier so viele Leute rauchen, obwohl doch alle über eine gute Bildung verfügen. Gleichzeitig gehe es auch darum, den Asylbewerbern unsere Kultur und Gepflogenheiten beizubringen, beispielsweise wie man sich in der Schweiz an Abmachungen hält, oder nicht unangemeldet weitere Kollegen mitnimmt.

Möglich ist bei diesem Projekt grundsätzlich ebenfalls, dass Paten zu zweit ein Tandem begleiten. Oder statt eines Tandems kann auch nur eine Person oder eine Familie betreut werden. Podlass und Gautschi vermitteln und stehen bei Fragen und Problemen zur Verfügung. Nach drei Monaten erfolgt eine Standortbestimmung mit allen Beteiligten und der Projektgruppe. Je nach Bedürfnis und Möglichkeit, wird die Patenschaft dann weitergeführt oder aufgelöst.