Flugplatz Birrfeld
Piloten fliegen regelmässig deutsche Spezialisten ein – für Migros-Verteilzentrum

Das grösste Flugzeug, das derzeit regelmässig auf dem Flugplatz Birrfeld landet, ist eine PC-12. Die Business-Maschine gehört einem deutschen Privatunternehmen, das deutsche Spezialisten ein- und ausfliegt.

Claudia Meier
Drucken
Teilen
Birrfeld
4 Bilder
Blick ins Cockpit der PC-12
Die PC-12 fällt auf durch ihre Grösse auf dem Flugplatz Birrfeld
Blick ins Cockpit der PC-12

Birrfeld

Michael Hunziker

Es ist kurz vor 15 Uhr: Wir treffen die beiden Flugkapitäne Thomas Wingrich und Julian Anhalt auf dem Flugplatz Birrfeld. Auf dem Tablet schliessen sie gerade die Flugplanung ab. Erst vor wenigen Minuten sind sie mit der Pilatus PC-12 NG, Baujahr 2009, der Firma Witron im Birrfeld gelandet. Das deutsche Privatunternehmen fliegt mit seiner Business-Maschine seit rund einem halben Jahr ein- bis zweimal pro Woche das Eigenamt an.

Grund dafür ist ein Logistikanlagen-Projekt beim Migros-Verteilzentrum in Suhr, bei dem Witron-Softwareingenieure und -Manager im Bereich Lagertechnologie tätig sind. Konkret gehe es um eine Kommissionierungsanlage für Migrolino-Lebensmittel, bei der absolute Spezialisten gefragt sind, so Thomas Röck, Bereichsleiter Management Services bei der Migros.

Das Projekt soll in den nächsten zwei Monaten abgeschlossen werden. Witron-Chefpilot Thomas Wingrich sagt: «Wir standen vor etwa vier Jahren auf einer anderen Baustelle in der Nähe im Einsatz und flogen damals sogar sechs Mal pro Woche ins Birrfeld. Dreimal am Montag, um die Mitarbeitenden zu bringen, und dreimal am Freitag, um sie abzuholen.» Ausgangspunkt der Reise ist jeweils der Flughafen Hof in Oberbayern unweit des Witron-Hauptsitzes Parkstein.

Tiefe Gebühren und zentrale Lage

Die PC-12 bietet auf drehbaren Sitzen viel Platz für sieben Passagiere. Ein Sessel wurde herausgenommen, damit mehr Stauraum fürs Gepäck bleibt. Nach nur einer Stunde Flugzeit sowie ein paar Schritten zu Fuss steigen die Mitarbeitenden in der Regel beim Flugplatz Birrfeld ins Auto und treffen kurze Zeit später beim Verteilzentrum in Suhr ein.

Die zentrale Lage im Mittelland, die tiefen Gebühren und die Flexibilität sprechen aus Sicht der Firma Witron für einen Aufenthalt im Birrfeld. «Der grosse Nachteil ist, dass der Flugbetrieb stark wetterabhängig ist. So auch heute Morgen: Wegen Nebel konnten wir weder hier noch auf dem Flughafen Grenchen landen und mussten nach Zürich ausweichen», sagt Wingrich. Als sich der Nebel nach dem Mittag verzog, war für die Piloten klar, dass sie ins Birrfeld fliegen, damit sich die Witron-Mitarbeitenden gegen Abend nicht mit dem Auto bis nach Zürich durch den Stossverkehr quälen müssen.

Doch ausgerechnet an diesem Tag geht die Rechnung nicht auf: Um 16 Uhr kommt Nebel auf und die PC-12 kann nicht mehr starten. Die Passagiere müssen eine sechsstündige Busfahrt in Kauf nehmen und die Piloten übernachten in einem Hotel. Das ist eine Ausnahme. Denn: Noch immer sei vielen Leuten nicht bewusst, dass man mit privaten Geschäftsflügen sehr viel Zeit und unter dem Strich auch Geld sparen kann, betont der 46-jährige Chefpilot. Das habe der Witron-Gründer und Firmeninhaber Walter Winkler zum Glück schon früh erkannt. Für ihn zähle jede Minute. Wingrich präzisiert: «In Europa können wir mit unseren Flugzeugen jede beliebige Destination innert zwei Stunden erreichen. Es gibt keine Wartezeiten. Das ist mit Linienflügen oder im Strassenverkehr undenkbar.»

Birrfeld ist eine Herausforderung

Seit der Firmengründung im Jahr 1971 ist Witron kontinuierlich gewachsen und beschäftigt mittlerweile rund 2300 Mitarbeitende. Thomas Wingrich und Julian Anhalt sind die einzigen festangestellten Piloten. Beide fliegen sowohl mit der PC-12 wie auch mit dem firmeneigenen Düsenjet und wechseln sich ab. Bei Bedarf werden Co-Piloten dazugemietet. Der Flugplatz Birrfeld ist für Wingrich und seinen 25-jährigen Kollegen in fliegerischer Hinsicht jedes Mal eine Herausforderung, weil die Piste relativ kurz ist und der Start sowie die Landung immer handgesteuert erfolgen müssen. Auf dem hochfrequentierten Sportflugplatz sind viele kleine Flugzeuge anzutreffen. «Das ist für uns nicht ganz ohne», betont der Chefpilot. Ihm gefällt das Ambiente im Birrfeld.

Als Linienpilot hätte Wingrich nie arbeiten wollen. In der Geschäftsfliegerei wird kurzfristig geplant. Das passt ihm: «Ich weiss heute nicht, wo ich in einer Woche sein werde.» Die Arbeit sei vielseitig. Der Pilot kümmert sich nicht nur um den Flug, sondern um die ganze Planung, das Flugzeug sowie um Hotelreservationen oder andere administrative Arbeiten. Julian Anhalt ist froh, dass er mit der anspruchsvollen Arbeit auf dem kleinen Flugplatz Birrfeld in fliegerischer Hinsicht fit bleibt. Deshalb wünscht er sich immer schönes Wetter.

Aktuelle Nachrichten