Flugzeugabsturz Birrfeld

Pilot († 66) musste 2016 notlanden: Lob vom Flug-Kollegen – Unfallexperten übten Kritik

August 2016: Das Flugzeug von Walter K. nach der Notlandung in Bad Ragaz.

August 2016: Das Flugzeug von Walter K. nach der Notlandung in Bad Ragaz.

Walter K. († 66) hatte vor drei Jahren mit der Maschine, die im Birrfeld abstürzte, einen Schreckmoment. Danach kritisierten Unfallexperten die unzweckmässige Ausführung von Wartungsarbeiten.

«Notlandung infolge Leistungsverlust des Antriebs»: So lautet der Titel des Schlussberichts der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) zu einem Flugunfall im August 2016 in Bad Ragaz. Betroffen war damals ebenfalls Walter K. († 66) aus Niederweningen, der am Dienstag auf dem Birrfeld abgestürzt ist. Der Hobbypilot war vor drei Jahren auch mit demselben Flugzeug unterwegs, in dem er nun den Tod fand.

Am Vormittag des 24. August 2016 flog Walter K. mit seiner HB-Flugtechnik Alfa HB 207 VRG vom Flugfeld Neuchâtel zum Regionalflugplatz Birrfeld und weiter zum Regionalflugplatz Samedan. Dort tankte er die Maschine auf und startete nach einer rund 40-minütigen Pause wieder.

Rund eine halbe Stunde später geriet Walter K. in eine heikle Situation: Kurz vor Schiers hörte er um 16.02 Uhr plötzlich ein hell klingendes, metallisches Geräusch aus dem Motorraum. Zugleich nahm die Drehzahl des Motors sprunghaft zu. Das Flugzeug befand sich zu diesem Zeitpunkt rund 16 Kilometer vom Flugfeld Bad Ragaz entfernt.

Der Pilot erkannte, «dass der Motor über den sich weiter drehenden Propeller keine Leistung mehr abgab». Er meldete per Funk eine Luftnotlage (Mayday) und versuchte, im Gleitflug nach Bad Ragaz zu kommen und dort zu landen.

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Notlandung kurz vor der Piste

Rund acht Kilometer vor dem Flugfeld fuhr Walter K. das Fahrwerk und die Landeklappen aus. Etwas später, rund 3,5 Kilometer vor dem Pistenbeginn, fuhr der Pilot das Fahrwerk und die Landeklappen wegen der zu geringen Flughöhe wieder ein. Doch er schaffte es nicht ganz bis zum Flugfeld, die Maschine setzte rund 250 Meter vor der Piste in einem Acker auf. Das Flugzeug wurde bei dieser Notlandung an Fahrwerk, Propeller, Motorverkleidung und den beiden Flügeln schwer beschädigt. Der Pilot konnte das Wrack der Maschine dennoch selbstständig und unverletzt verlassen.

«Das war eine brenzlige Situation, in der Walter sein fliegerisches Können und seine Fähigkeiten als Pilot unter Beweis gestellt hat», sagt sein Kollege Werner Maag, der den Verein Experimental Aviation of Switzerland (EAS) präsidiert. Gut ein Jahr vor dem Unfall in Bad Ragaz, am 21. Juli 2015, hatte Walter K. seinen letzten Trainingsflug mit einem Fluglehrer absolviert. Dabei wurde gemäss dem Sust-Bericht auch eine Notlandeübung durchgeführt.

Nicht ganz so positiv wie Werner Maag beurteilen die Unfallexperten die Reaktion des Piloten auf die brenzlige Situation. «Eine ungeeignete Flugtaktik führte zu einer Landung in ungünstigem Gelände, was das Schadenausmass des Zwischenfalls vergrössert hat», heisst es im Bericht. So kritisiert die Untersuchungsstelle, der Pilot habe die Landeklappen und das Fahrwerk zu früh ausgefahren. Deshalb sei das Flugzeug zu langsam geworden und habe es nicht bis zur Piste geschafft.

Kritik an der Flugzeugwartung

Doch warum fiel mitten im Flug der Antrieb der HB-Flugtechnik Alfa HB 207 VRG aus? Hauptgrund dafür ist laut dem Untersuchungsbericht, dass beide Antriebszahnriemen des Propeller-Getriebes gerissen waren. Die beiden Riemen versagten aufgrund von Reibungsverschleiss und übermässiger Erhitzung. Zudem stellten die Experten des Bundes fest, dass der Querträger des Propellerträgers und eine der Befestigungsschrauben einen Ermüdungsbruch erlitten hatten.

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Beim Absturz eines Kleinflugzeugs auf dem Birrfeld ist am Dienstagabend der 66-jährige Walter K. aus Niederweningen ums Leben gekommen. Werner Maag, Präsident des Vereins der Flugzeug-Eigenbauer der Schweiz, trauert um seinen Kollegen. Dieser sei ein erfahrener Pilot und sehr gewissenhaft beim Unterhalt seiner Maschine gewesen.

Hat der Pilot und Flugzeugbesitzer den Unterhalt vernachlässigt? Laut den Unfallexperten ist dies nicht der Fall, so habe Walter K. am 11. Mai 2016 eine Kontrolle an Zelle, Motor und Propeller ausgeführt. Die Bewilligung für die Kontrollarbeiten hatte er nach einem Kurs bei der Experimental Aviation of Switzerland und einer Prüfung beim Bundesamt für Zivilluftfahrt erlangt. Walter K. hatte sein Flugzeug also kontrolliert, die Sust kritisiert jedoch eine unzweckmässige Ausführung der Wartungsarbeiten. So sei das Vorgehen für das Spannen der Antriebszahnriemen in den Wartungsunterlagen nicht klar definiert gewesen. Und für die Spannkraft der Zahnriemen, die später versagten, habe es unterschiedliche Werte gegeben.

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