Brugg

«Piccadilly»: Selbst Andreas Vollenweider kam – für 800 Fränkli

Am Wochenende feiern Jung und Alt im «Pic».Emanuel Freudiger/Archiv

Am Wochenende feiern Jung und Alt im «Pic».Emanuel Freudiger/Archiv

Das «Pic» – eines der ältesten Jugendkulturhäuser der Schweiz – feiert seinen 50. Geburtstag. Ursprünglich richtete sich das Forum an 17- bis 24-Jährige. Das «Pic» hat in der Zwischenzeit zusätzlich einen Jugendarbeitsauftrag für 12- bis 16-Jährige.

Schon vor der 68er-Bewegung hatten fünf Brugger das «Forum 63» gegründet. Ihr Ziel war es, einen Raum für politische und kulturelle Diskussionen zu schaffen – nach dem Motto «philosophieren statt politisieren».

In den Gründungsstatuten hiess es denn auch: «Die Einmischung ins öffentliche politische Leben ist dem Forum untersagt.» Die Stadt Brugg hatte also nichts zu befürchten und stellte den Jugendlichen für ihre Aktivitäten den Keller der Liegenschaft am Törlirain und ab 2000 das ganze Haus zur Verfügung.

Seit der Gründung sind 50 Jahre vergangen und das Jugendkulturhaus «Piccadilly» – kurz «Pic» genannt – ist zu einer festen Institution geworden.

Wenn das «Pic» am Wochenende seinen runden Geburtstag feiert (siehe Box), werden sich viele Brugger wieder in ihre Jugendzeit zurückversetzt fühlen. Fredy Bill ist Präsident des Trägervereins Piccadilly, der das Jugendkulturhaus im Auftrag der Stadt führt.

Zeitdokumente ausgestellt

Er hat mit viel Leidenschaft die Geschichte des «Pic» aufgearbeitet.

In mehreren Räumen werden die Jubiläumsbesucher unzählige Dokumente von den Anfangszeiten bis zur Gegenwart entdecken und sich ein Schmunzeln kaum verkneifen können: So findet man unter anderem ein Foto von Stadtammann Daniel Moser als Mitglied der Jazzheimer anlässlich eines Konzerts im Jahr 1999, ein Protokoll aus dem Jahr 1979 des früheren Aktuars und heutigen Gesamtschulleiters Peter Merz, die Korrespondenz mit Behörden und Polizei sowie eine Bilderserie des «Pic Folk Club» beim Surfen auf der Aare.

«Aus den 70er- und 80er-Jahren haben wir nur wenige Bilder, dafür waren die Protokolle origineller abgefasst», sagt Bill mit einem Augenzwinkern. Im Café werden mit dem Beamer Fotos aus der neueren Zeit gezeigt und in einer anderen Ecke wird ein alter Film die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen.

Bill war es bei der Auswahl ein Anliegen, die Personen und ihre Aktivitäten ins Zentrum der Ausstellung zu rücken. Die Besucher sollen unter dem Motto «Weisch no?» in der Vergangenheit schwelgen.

Es sind diese kleinen Geschichten, die das Leben schrieb: Der Auftritt von Andreas Vollenweider, der 1979 für 800 Franken ein Konzert im «Pic» gab, oder die begeisterten Jugendlichen, die eine Pantomime-Gruppe gründeten.

Die Suche nach historischen Dokumenten sei am Anfang etwas harzig verlaufen, dann habe man im Estrich des «Pic» aber eine Kiste mit vielen Unterlagen entdeckt, erzählt Bill. Im Herbst sollen die Dokumente sauber archiviert werden.

«Gewisse Fragen beschäftigen die Gesellschaft immer wieder», sagt Bill mit Blick auf die Gründungsstatuten. «Wer ist die Jugend? Irgendwie sind sie bis heute nicht greifbar», so Bill.

Roter Faden durch die Geschichte

Ursprünglich richtete sich das Forum an 17- bis 24-Jährige – «auch Ausländer». Das «Pic» hat in der Zwischenzeit zusätzlich einen Jugendarbeitsauftrag für 12- bis 16-Jährige.

«Themen wie Konsumverhalten versus eigene Angebote und der Clinch zwischen jugendlicher Dynamik und Verbindlichkeit ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte», sagt Bill.

Auch die Themen Disco, Drogen und Geld sind aktuell geblieben. Die Jugendlichen haben die Bands für die kostenlosen Jubiläumskonzerte selber ausgesucht und gebucht. «Mit Drogen haben wir aktuell keine Probleme», sagt Bill und ergänzt: «Wir sind aber nicht blauäugig, das ‹Pic› ist keine drogenfreie Zone.»

Am Jubiläumswochenende sollen nun alle auf ihre Kosten kommen. «Wir wollen nicht primär Nachwuchs generieren. Vielmehr geht es uns darum, dass die Leute spontan vorbeikommen und in der Vergangenheit schwelgen», so Bill.

Weitere Infos www.p-i-c.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1