Brugg

Piccadilly-Betreiber über Corona-Auswirkungen: «Online-Zeugs kann Realität nie ersetzen»

Michaela Ortlepp und Oliver Badrzadeh hauchen dem Pic nun wieder Leben ein.

Michaela Ortlepp und Oliver Badrzadeh hauchen dem Pic nun wieder Leben ein.

Oliver Badrzadeh und Michaela Ortlepp leiten das Jugendhaus Piccadilly in Brugg. Sie sagen, was Corona bewirkt hat und wo sie Hilfe brauchen.

Michaela Ortlepp ist froh, dass nach der Lockdown-Lockerung auch der Mittagstisch für die Oberstufenschüler im Jugend- und Kulturhaus der Stadt Brugg wieder stattfindet. Die 28-Jährige arbeitet seit Oktober 2018 als Jugendarbeiterin im Piccadilly, kurz Pic genannt. Zusammen mit Oliver Badrzadeh blickt sie an diesem Nachmittag im Aufenthaltsraum auf die vergangenen Wochen zurück.

Der Lockdown habe das ganze Pic-Programm durcheinandergebracht, erzählt das Leitungsduo. «Das Pic lebt stark von den Konzerten, den Events, dem Jugendtreff und dem Mittagstisch», sagt der 34-Jährige. Nach der Jugendfest-Absage wurde dann auch allen klar, dass das beliebte Open Air Lauschallee nicht stattfinden kann. Im Pic selber gebe es aber trotzdem immer viel zu tun. Ortlepp und Badrzadeh waren während des Lockdowns deshalb fast jeden Tag im Jugendhaus. «Verschiedene Leute kamen vorbei, einige nur, um ‹Hallo› zu sagen», erzählt Ortlepp. Die Jugendarbeiter haben die Zeit genutzt, um neue Konzepte, etwa für ein Ferienprogramm, zu schreiben.

Jugendliche durften sich nicht mit Freunden treffen

Ein Plan für die Erneuerung der Audiotechnik wurde erarbeitet. Der Tontechniker erledigte die Revision, die er normalerweise im Sommer macht. Doch der Kontakt zu den Jugendlichen brach fast vollständig ab.

Über E-Mail, Instagram und Whatsapp-Gruppen – eine davon nur für Mädchen – versuchte Michaela Ortlepp, mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten, was nur ansatzweise gelang. «Das Online-Zeugs kann die Realität nie ersetzen», wirft Oliver Badrzadeh ein. Die Jugendlichen seien durch das Homeschooling schon mit dem Computer beschäftigt gewesen. «In der offenen Jugendarbeit versuchen wir ja auch, die Jugendlichen vom Handy abzuhalten.» Die Beiden haben mitbekommen, dass es einigen Kindern zu Hause langweilig war und diese sich teilweise von den Eltern aus nicht mit Freundinnen oder Freunden treffen durften.

Offene Jugendarbeit ist mit maximal fünf Personen und entsprechenden Schutzmassnahmen jetzt zwar wieder möglich. Das heisst aber auch, dass Cliquen noch nicht ins Pic kommen können, weil das gegen das Versammlungsverbot verstösst. Das Jugendarbeiter-Duo freut sich deshalb über die angekündigten weiteren Lockerungen, führt aber jetzt schon kleine Aktionen im Garten durch. «Wir sind für die Jugendlichen und Freiwilligen da. Die Kontakte zu ihnen habe ich schon sehr vermisst», hält Ortlepp fest. Badrzadeh fragt sich, was im Unterbewusstsein bei den Jugendlichen abgeht, wenn sie so viel Zeit zu Hause verbringen und das öffentliche Leben stillsteht. «Es ist wichtig, dass wir dort genau hinschauen, wie es ihnen geht, wo es nicht auf Anhieb klar ist.» Um sich künftig in der Region noch besser zu vernetzen, ist ein Austausch mit den Jugendarbeitern in Windisch geplant. Besonders viel Arbeit steht für das Pic-Team dann zu Beginn des neuen Schuljahrs an, wenn die Schulkinder für den Mittagstisch eingeteilt und auf das Angebot der offenen Jugendarbeit aufmerksam gemacht werden.

Ohne Unterstützung durch Zivi würde es schwierig

Um das Pic-Team zu vervollständigen, hoffen Ortlepp und Badrzadeh sehr, dass sie die freie Zivi-Stelle ab August wieder besetzen können. «Ohne die 100%-Unterstützung eines motivierten und flexiblen Zivildienstleistenden können wir die Jugendlichen nicht optimal betreuen», sagen die beiden Teilzeitangestellten. Der Zivi-Einsatz dauert mindestens sechs Monate. Die abwechslungsreiche Arbeit umfasst unter anderem die Mitarbeit am Mittagstisch, die Mitgestaltung und Betreuung der Jugendarbeit, die Mitorganisation von Konzerten und anderen Events sowie verschiedene Unterhaltsarbeiten.

Badrzadeh kann es kaum erwarten, bis mit Parties, Künstlern und Konzerten wieder überall im Pic Leben einkehrt. Ortlepp freut sich besonders auf die Beziehungsarbeit und die steigende Nachfrage nach dem Mittagstisch. Denn nach der Lockdown-Lockerung sind noch nicht alle 55 Kinder an den Mittagstisch ins Pic zurückgekehrt.

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