Region Brugg
Pflegeheim-Neubau auf grüner Wiese ist in Region Brugg vom Tisch

In der Region Brugg fehlen rund 100 Pflegeplätze. Nun kommt von einem Neubau auf grüner Wiese ab. Das hätte bis zu 35 Millionen Franken gekostet. Welches sind nun die Alternativen?

Claudia Meier
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Pflegeheim in der Schweiz (Symbolbild)

Pflegeheim in der Schweiz (Symbolbild)

Keystone

«Vom Neubau eines Pflegeheims auf der grünen Wiese sind wir im Moment abgekommen», sagt Stefan Wagner, Mitglied der entsprechenden Arbeitsgruppe beim Regionalplanungsverband Brugg Regio. Rückblick: Noch im Herbst 2013 ging man bei Brugg Regio davon aus, dass in den nächsten Jahren in der Versorgungsregion Brugg rund 150 Pflegeplätze fehlen werden.

Die Beratungsfirma Sensato AG hatte den Auftrag, ein Konzept für ein Haus mit 100 modernen Pflegeplätzen zu errichten. Sie schlug einen Neubau auf dem Reichhold-Areal in Hausen vor. Der zügigen Planung dieses 30 bis 35 Millionen Franken teuren Vorhabens stimmten die Mitgliedergemeinden von Brugg Regio im November 2013 zu. Das Projekt kam ins Stocken, bevor es richtig lanciert wurde.

Gemeinde Hausen intervenierte

Weil die Nutzung des Reichhold-Areals für ein Pflegeheim weder zonenkonform noch vereinbar mit den weiteren – teils immisionsintensiven – Nutzungen sei, intervenierte der Gemeinderat Hausen beim Planungsverband Brugg Regio. Dessen Vorstand habe nach Abwägen aller Vor- und Nachteile sowie der noch einzuholenden Bewilligungen beschlossen, das Projekt auf dem Reichhold-Areal nicht mehr weiterzuverfolgen, heisst es in der «Hausenaktuell»-Ausgabe vom letzten August.

Seither blieb es ruhig um dieses Thema. Was bedeutet das? Der Kanton habe in der Zwischenzeit den Bedarf an zusätzlichen Pflegeplätzen nach unten korrigiert, so Stefan Wagner aus Windisch. Will heissen: Für 2015 habe der Kanton in der Versorgungsregion Brugg ein Defizit von 97 Pflegeplätzen eruiert. «Mit dem Neubau durch die Sanavita AG beim Lindenpark in Windisch sowie mit dem Projekt Akkord der Stiftung Gesundheit Region Brugg beim Süssbach in Brugg sind genug Pflegebetten vorhanden», präzisiert Verena Rohrer, Geschäftsstellenleiterin von Brugg Regio. Intern seien die Arbeiten trotzdem weitergegangen und verschiedene Varianten geprüft worden.

Von der Beraterfirma Sensato AG habe sich der Regionalplanungsverband Brugg Regio nicht getrennt, so Rohrer weiter. Derzeit bestehe aber kein weiterer Beratungsbedarf. Die bestehenden Unterlagen könnten mit aktuellen Anpassungen weiterverwendet werden. Denn die Grundsatzüberlegungen, respektive der komplette Analyseteil, seien eine grosse Arbeit und verlören nicht so schnell an Gültigkeit, fährt Verena Rohrer fort.

Langfristig fehlen Pflegeplätze

Auch wenn aktuell kein akuter Bedarf an zusätzlichen Pflegebetten besteht, bleibe die Arbeitsgruppe – bestehend aus Irene Ulmann Werder, Gemeinderätin aus Lupfig, und Stefan Wagner, Gemeindeschreiber aus Windisch – aktiv und beobachte den mittelfristigen Bedarf bis 2020 sowie die Marktbedürfnisse und treffe sich bei Bedarf, betont die Geschäftsstellenleiterin. Sollte sich zeigen, dass doch neue Pflegebetten benötigt werden, suche man mit den bestehenden Institutionen in der Region nach einer Lösung, so Rohrer weiter.

Stefan Wagner sagt, dass man sich in der Arbeitsgruppe Gedanken mache, ob und wo bei bestehenden Heimen eine Erweiterung möglich wäre. Angedacht sei zum Beispiel, eine solche Option beim Haus Eigenamt in Lupfig zu prüfen. Es gehe aber auch darum, kein Überangebot zu schaffen. Vielmehr gelte es, einen optimalen Mix mit Pflegeplätzen, betreutem Wohnen für Senioren, der Pflege zu Hause und Alterswohnungen zu finden, so Wagner zur komplexen Ausgangslage.