Thalheim
Pfarrfamilie wohnt wieder in Thalheim

Die vierköpfige Familie von Pfarrer Stefan Huber ist letzten Sommer in ein Haus in Schönenwerd gezogen. Während der Sportferien kamen sie wieder ins Schenkenbergertal zurück. Es sei ein Fehler gewesen, die Aufhebung der Residenzpflicht zu beantragen, sagt er. Und: «Wir sind sehr glücklich, zu wissen, wo wir hin gehören.»

Claudia Meier
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Pfarrer Stefan Huber wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern wieder im Pfarrhaus (im Hintergrund)

Pfarrer Stefan Huber wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern wieder im Pfarrhaus (im Hintergrund)

Aargauer Zeitung

Pfarrer Stefan Huber nimmt kein Blatt vor den Mund. «Hinter uns liegt ein Jahr der Irrungen und Wirrungen, das für mich und meine Familie sehr schwierig war. Wir sind sehr glücklich, unseren Weg jetzt klar und deutlich vor uns zu sehen sowie wieder zu wissen, wo wir eigentlich hin gehören – nämlich nach Thalheim», sagt er. Die vierköpfige Pfarrfamilie zog im letzten Sommer in ein Haus in Schönenwerd und kehrte während den Sportferien wieder ins Schenkenbergertal zurück.
Zur Erinnerung: Stefan Huber wollte im letzten Juni von der Residenzpflicht im Pfarrhaus Thalheim entbunden werden, weil er und seine Familie in Schönenwerd ein Haus gekauft hatten und in den Sommerferien aus dem Schenkenbergertal wegzogen. Als Grund gab er die Schwierigkeit an, Beruf und Privatleben zu trennen sowie den Wunsch, längerfristig sesshaft zu werden. Damals glaubte er, dass nur ein Wechsel der Wohnsituation Abhilfe schaffen würde. Obwohl die Kirchenpflege mit seiner Arbeit sehr zufrieden war und hinter seinem Anliegen stand, lehnten die Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Thalheim die Aufhebung der Residenzpflicht mit 42 Nein- zu 35 Ja-Stimmen ab. Der Pfarrer war enttäuscht und kündigte an, sich beruflich neu zu orientieren. In den folgenden Monaten ging er seiner pfarramtlichen Arbeit von Schönenwerd aus nach. Das Pfarrhaus war oft verwaist. Seine Frau engagierte sich weiterhin in der Sonntagsschule.

Berufung neu erlebt

Nun ist die Familie zurück. Stefan Huber räumt ein, dass der Wegzug ein Fehler war. «Für meine ganze Familie war die Ablösung aus Thalheim zu Beginn aus persönlichen Gründen sehr schwierig.» Aufgrund verschiedener Weiterbildungen, Einzel- und Gruppengesprächen sowie zahlreicher persönlicher Begegnungen habe er sich intensiv mit sich selber und seinem Amt auseinandergesetzt. Die Unterstützung seiner Familie und das Gebet waren ihm dabei eine grosse Hilfe. Das alles habe dazu geführt, dass er seine ursprüngliche Berufung und die vielen schönen Seiten seines Amts heute wieder neu erleben darf. «Beides hatte ich in der Vergangenheit ein Stück weit aus den Augen verloren», sagt Huber.
Zusammen mit seiner Frau kam er schliesslich zur Überzeugung, dass der Weg als Pfarrer und als Pfarrfamilie in Thalheim noch nicht zu Ende ist. «Ich bedaure meinen damaligen Entscheid und die Unruhe, welche damit in meine Familie und in die Gemeinde eingekehrt ist. Dies alles tut mir aus heutiger Sicht leid», schrieb Huber in einem Brief an die Kirchgemeindemitglieder. Vielleicht sei es aber nur so möglich gewesen, eine Antwort auf die persönlichen Lebensfragen zu erhalten sowie seine Berufung als Pfarrer und die Beziehung zu Gott mit neuem Leben zu füllen, heisst es im Schreiben weiter.

Verständnisvolle Rückmeldungen

Seit der Rückkehr ins Thalner Pfarrhaus geht es mit Huber wieder aufwärts. «Wir haben aus der Gemeinde ausschliesslich wohlwollende, verständnisvolle und positive Rückmeldungen auf unseren Entscheid erhalten. Auch von denen, die unserem Anliegen vor fast einem Jahr sehr kritisch gegenüber standen», betont Stefan Huber. Dass er die Beweggründe für diesen Schritt so persönlich und ehrlich kommunizierte, sei ihm hoch angerechnet worden, sagt Huber. Das 6-Zimmer-Haus in Schönenwerd will die Familie Huber vorläufig behalten. Sie ist auf der Suche nach geeigneten Mietern.
Über Hubers Entscheid habe sich die Kirchenpflege sehr gefreut, sagt Präsidentin Silvia Schneider-Roth. «Stefan Huber ist ein ausgezeichneter und beliebter Pfarrer. Er und seine Familie wurden in Thalheim wieder herzlich aufgenommen.» Auch nach dem Wegzug sei das Verhältnis immer gut gewesen. Die Kirchenpflege habe immer zu ihm gehalten, so Schneider. Im Nachhinein sei es sogar gut, dass die Residenzpflicht nicht aufgehoben wurde. «Sonst hätten wir das 10-Zimmer-Haus in der Zwischenzeit vermutlich vermietet und es wäre für die Pfarrfamilie nun nicht mehr zur Verfügung gestanden.»

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