Thalheim

Pfarrfamilie möchte wegziehen, aber der Pfarrer soll bleiben

Durch den Wegzug der Pfarrfamilie aus dem Pfarrhaus soll sich für die Reformierte Kirchgemeinde Thalheim nichts ändern. Archiv az

Durch den Wegzug der Pfarrfamilie aus dem Pfarrhaus soll sich für die Reformierte Kirchgemeinde Thalheim nichts ändern. Archiv az

Stefan Huber amtet seit drei Jahren als Pfarrer mit einem Pensum von 80 Prozent in der reformierten Kirchgemeinde Thalheim. Erst im November wurde er wiedergewählt. Nun will er wegziehen – trotz Residenzpflicht. Die Kirchenpflege muss entscheiden.

Pfarrer Stefan Huber will aus Thalheim wegziehen. Doch erst im November wurde er von den Mitgliedern der reformierten Kirchgemeinde für weitere vier Amtsjahre wiedergewählt. Gemäss Kirchenordnung ist Huber verpflichtet, im kirchgemeindeeigenen Pfarrhaus zu wohnen.

Diese sogenannte Residenzpflicht wird nun infrage gestellt: Der Pfarrer hat in Schönenwerd ein Haus gekauft.

«Die Familie Huber möchte langfristig sesshaft werden und es ihren Kindern ermöglichen, die gesamte Schulzeit an einem Ort zu absolvieren», schreibt die Kirchenpflege in der jüngsten Ausgabe der «Thalner Dorfziitig». Der Umzug der Pfarrfamilie sei in den Sommerferien geplant.

An der Amtsführung durch Pfarrer Stefan Huber soll sich durch den Wegzug der Familie für die Kirchgemeinde nichts ändern. Allerdings stelle sich unter diesen Umständen die Frage, wie nachhaltig und sinnvoll eine Aufrechterhaltung der Residenzpflicht sei, so die Kirchenpflege weiter.

Versammlung entscheidet

Pfarrer Huber schlägt deshalb vor, ihn von der Residenzpflicht zu entbinden. Gemäss Dienst- und Lohnreglement für die ordinierten Dienste muss die Kirchgemeindeversammlung darüber entscheiden.

Die Kirchenpflege bedauert den Wegzug der Familie, will dem Pfarrer aber keine Steine in den Weg legen. Aufgrund der «guten Erfahrungen und der angenehmen Zusammenarbeit» unterstützt sie Hubers Vorschlag.

Mehr noch: Sie hat sogar beschlossen, am 24. April um 20 Uhr in der Kirche Thalheim einen Infoabend mit Gesprächsrunde durchzuführen. Über die Entbindung der Residenzpflicht wird dann an der offiziellen Versammlung der Kirchgemeinde am Freitag, 12. Juni, entschieden.

In einer Stellungnahme – ebenfalls in der «Thalner Dorfziitig» – weist der Pfarrer darauf hin, dass seine Familie vor allem über die beiden Kinder rasch Zugang zu anderen Familien in Thalheim fand. Auch über seine Arbeit sei es zu vielen schönen und guten Begegnungen gekommen, aus denen zum Teil tiefe Freundschaften entstanden.

Mit Kindern sesshaft werden

Die Pfarrfamilie habe mit der Zeit erkannt, wie wichtig es für Kinder sei, an einem Ort sesshaft zu werden. Vor allem die Schule sei ein Ort, der Kinder und Jugendliche in hohem Masse präge. Da entstehen soziale Netzwerke, Bindungen und Freundschaften. Aus beruflichen Gründen sei dieses Privileg für Kinder von Pfarrpersonen allerdings selten möglich, betont Stefan Huber.

Zusammen mit seiner Frau möchte er daher die Kinder vor einer Entwurzelung aus dem sozialen Gefüge bewahren, wie sie bei einem allfälligen beruflichen Wechsel und einem damit verbundenen Umzug aufgrund der Residenzpflicht geschehen würde. Stefan Huber bittet die Kirchgemeinde um Verständnis für seine neue Situation.

Gesprächsrunde Freitag, 24. April, um 20 Uhr in der Kirche Thalheim.

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