Die Zukunft der Liegenschaft «Alte Post» sowie die Pläne für eine Überbauung des Areals zwischen Annerstrasse und Schulthess-Allee beschäftigen in Brugg. Mitten in der Stadt wird, so lautet die Absicht des Stadtrats, eine zentrale Verwaltung realisiert mit Stadtbüro. Überdies entstehen sollen Verkaufsflächen, Büros sowie rund 55 Wohnungen. Das Mitwirkungsverfahren für die Gestaltungspläne fand im März und April dieses Jahres statt.

Aus der Bevölkerung formiert sich nun Widerstand gegen die geplanten Überbauungen. Lanciert wird eine «Petition für eine massvolle bauliche Entwicklung der Brugger Innenstadt». Die Initianten bezeichnen ihre Haltung als kritisch-konstruktiv: «Bauliche Verdichtung ja, aber stadtbildverträglich und nicht in dieser Grössenordnung!», lautet ihre Devise.

Keine Rücksicht auf Bestehendes

Sie weisen darauf hin, dass im Rahmen des Gestaltungsplans «Alte Post» fünfgeschossige Gebäudekomplexe vorgesehen sind. Abgesehen von der «Alten Post», die unter kantonalem Schutz stehe, werde keine Rücksicht genommen auf die bestehenden, kunst- und kulturhistorisch wertvollen Bauten. Aber das «Müller-Haus», die «Alte Schmitte» sowie das «Kupper-Haus» seien – nebst der «Alten Post» – im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt, halten die Initianten in einer Medienmitteilung fest. Die Liegenschaften seien in der höchsten Kategorie – Substanzschutz – klassifiziert und dürften nicht ohne weiteres abgebrochen werden. «Sie bilden den heute noch ablesbaren Übergang von der Altstadt zur nach 1800 entstandenen Vorstadt.»

Kurz: «Die geplante Bebauung wischt diese Ablesbarkeit komplett aus und beabsichtigt, punkto Volumetrie und Dimension einen Kontrast zur Altstadt zu setzen», führen die Initianten aus. Diese massive bauliche Verdichtung vor den Toren der Altstadt stehe im Widerspruch zu der von der Stadt offiziell kommunizierten Aufwertung des Quartiers zwischen Neumarkt und Altstadt. Aus diesem Grund hätten sich verschiedene besorgte Bruggerinnen und Brugger zur Initiativgruppe zusammengefunden.

Aus Sicht der Initianten ist das «in Bezug auf die Altstadtzeile, zum geschützten Gebäude ‹Alte Post› und zum Stadtraum Schulthess-Allee äusserst überdimensionierte Bauvorhaben das falsche Rezept». Dem Konzept fehle der verbindende Charakter und die Rücksichtnahme auf die Umgebung. Anders ausgedrückt: «Die enorm dichte und hohe Bebauung würde als Fremdkörper wirken und die Innenstadt als Ganzes abwerten.» Zudem würde, fügt die Gruppierung an, die einmalige Stadtansicht von Osten auf Altstadt und Aare grob entstellt. «Es ist offensichtlich, dass der Investor möglichst viel Volumen auf engstem Raum und damit eine hohe Rendite realisieren will. Dass dies auf Kosten der Qualität geschieht, wird offenbar in Kauf genommen.»

Bis Ende Juni wird gesammelt

Gemäss Initianten liegt es in der Verantwortung der Stadt als Grundeigentümerin, «dass das Areal im Sinne des öffentlichen Interesses qualitativ hochwertig und mit gebührender Rücksichtnahme auf den organisch gewachsenen Ortskern massvoll weiterentwickelt wird». Die Bauten der letzten Jahrzehnte in der Innenstadt wirken nach Dafürhalten der Gruppierung sehr heterogen. Eine stringente städtebauliche Vision sei nicht erkennbar. «Beispiele dieser Entwicklung sind die Bebauung Neumarkt, der Parkplatz beim Eisi, der generell gleichgültige Umgang mit historischer Bausubstanz und deren sehr zurückhaltenden Unterschutzstellung.» Es sei augenscheinlich, «dass sich die stadtplanerischen Aktivitäten der Stadtverwaltung bis anhin auf einzelne Areale beschränkt haben und dem Stadtkern und dem Ortsbild als Ganzes nicht die gebührende Beachtung zukam».

Die Unterschriftensammlung dauert bis Ende Juni. Unterschriftenbögen können heruntergeladen werden auf der Website des Quartiervereins Altstadt und Umgebung www.qva-brugg.ch unter der Rubrik «Agenda».

Städtebauliche Führung am Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr, Treffpunkt beim «Müller-Haus», Schulthess-Allee 6.