Brugg
Perfekter Auftakt der Brugger Konzertsaison mit dem Aulos Quartett

Neben dem Programm stand beim ersten Konzert des Kammermusik-Zyklus 2013/14 in der Galerie Zimmermannhaus vor allem die Besetzung im Zentrum. Der Name des Quartetts – Aulos – ist dabei Programm.

Vera Frey
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Oboist Martin Gebhardt ist Mitglied des Aulos Quartetts. ZVG

Oboist Martin Gebhardt ist Mitglied des Aulos Quartetts. ZVG

zvg

Aulos, wörtlich übersetzt «Röhre», kann als eine Urform der Rohrblattinstrumente, zu denen auch die Oboe gehört, gesehen werden. So hat sich die Kammermusikformation rund um den Oboisten Martin Gebhardt auch genau diesem Instrument verschrieben. Neben seiner «klassischen» Oboe als erste Stimme ersetzt eine Oboe profonda, auch Oboe tenore genannt (Miriam Moser), die Viola.

Bei der Komposition von sechs Quartetten hat Johann Christian Bach, der jüngste der Bach-Söhne, netterweise genau diese Besetzung als Alternative zu einer klassischen Streichquartettbesetzung vorgesehen. Vor vollen Reihen interpretierte das Aulos Quartett in Brugg das 6. und letzte. Das elegante, zweisätzige Quartett führte die Zuhörer in diese ungewohnte Klangwelt ein.

Zwischen Haydn und Mozart

Die Wichtigkeit der tiefen Oboe profonda machte sich beim darauffolgenden «Frühlingsquartett» von Mozart nicht durch besonders starke Präsenz, sondern als für einen ausbalancierten Klang unerlässlichen Gegenpol zur klassischen Oboe bemerkbar.

Vor allem im letzten Satz, bei dem Martin Gebhardt sein Instrument bis in beinahe keifend hohen Töne trieb, ergänzte der kombinierte Klang von Tenoroboe, Violoncello (Daniela Hunziker) und der zweiten Violine (Myrtha Albrecht-Indermaur) das gesamte Klangbild zu einem wohlproportierten Ergebnis. Nach einer Pause erklang schliesslich ein Quartett von Juan Crisóstomo de Arriaga (1806–1826).

Das Werk des 17-jährigen Spaniers – der schon drei Jahre später durch die Tuberkulose aus dem so vielversprechenden Leben gerissen wurde – steht stilistisch zwischen Haydn und Mozart, verweist aber mit charakteristischen harmonischen Wendungen bereits auf die Zeit der Romantik.

Emotionale Tiefe

Ein Höhepunkt des Konzerts stellte sicher die Pastorale des zweiten Satzes dar. Die für einen so jungen Komponisten erstaunliche emotionale Tiefe liess das Publikum auf eine Reise durch die spanische Weidenlandschaft gleiten und dabei gleichzeitig an Beethovens berühmte Pastorale Sinfonie denken.

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