Porträt
Pensionierter Landi-Abteilungschef: «Entzugserscheinungen habe ich keine»

Über 44 Jahre arbeitete Hansrudolf Müller aus Villnachern für die Landi. Seit August ist er pensioniert. Um die Pensionierung beneideten ihn die Lehrlinge – für Hansrudolf Müller ist es aber auch ein Verlust einiger Kontakte.

Erina Allmendinger
Merken
Drucken
Teilen
Hansrudolf Müller geniesst die Pension

Hansrudolf Müller geniesst die Pension

Christoph Völlmy

Hansrudolf Müller wuchs in einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb auf. Schon früh war für ihn klar, dass er auch beruflich in Richtung Landwirtschaft gehen möchte. In der Rekrutenschule erhielt er den Lastwagenführerschein und trat so als gelernter Landwirt seine Stelle bei der Landi an. Müller transportierte geschlachtete Schweine vom Schlachthaus in die Metzgerei, verteilte Mehl in die Haushalte von Bauernfamilien und schaufelte Kohle in die Keller von Einfamilienhäuser. Zwei Jahre später wechselte er ins Landi-Büro an den Kundenschalter. «Damals haben wir noch mit Schreibmaschinen geschrieben», erzählt er. Als zehn Jahre später der Leiter des Agrarhandels unerwartet starb, übernahm er dessen Stelle. «Das war eine Herausforderung für mich, denn dieser Job war wirklich hektisch», sagt Müller.

«Heute ist vieles einfacher»

Nicht nur seine Aufgaben veränderten sich im Laufe der letzten 44 Jahre, sondern auch die Landi und die Landwirtschaft selbst. «Immer wieder ging ich Bauernfamilien besuchen. In jedem Dorf gingen bis zu zwei Bauernhöfe ein. Dafür wurden die anderen immer grösser», erzählt Müller. Viel Handarbeit wurde in dieser Zeit durch Maschinen ersetzt. Dies hatte auch Auswirkungen auf seine Dienste als Berater. «Man spricht immer von den guten alten Zeiten - dabei ist heute vieles einfacher. Die Arbeit ist aber nicht weniger geworden», sagt Müller.

Die Landi erlebte ihre grösste Veränderung, als sie vor vier Jahren von Brugg nach Gebenstorf zog. Obwohl der Umzug für Brugg ein Verlust ist, war es für die Landi ein Erfolg: «In Gebenstorf ist die Ladenfläche viel grösser und moderner und es gibt einen grossen Parkplatz. Am Umsatz haben wir gemerkt, dass die neue Landi sehr gut ankommt», sagt Müller.

Die Zeit geht schnell vorbei

Seit drei Monaten ist er nun pensioniert. «Die Lehrlinge in meinem Betrieb kamen zu mir und sagten: ‹Du hast es schön, jetzt hast du es bald hinter dir›», erzählt er. Tatsächlich ist die Pensionierung auch eine Erleichterung für ihn. Gleichzeitig bedauert er aber die Verluste einiger Kontakte. Rückblickend würde er wieder sein ganzes Leben lang für die Landi arbeiten. «Ich habe nie daran gedacht, etwas anderes zu machen, weil sich die Aufgaben immer wieder verändert haben und wenn man Familie hat, überlegt man es sich zwei Mal, den Beruf zu wechseln», sagt er.

Die dazugewonnene Freizeit verbringt er unter anderem mit Wandern, Gartenarbeit, Fotografieren und Fahrradfahren. «Die Zeit geht schnell vorbei, wenn man pensioniert ist», sagt er. Den strukturierten Tagesrhythmus versucht er beizubehalten, obwohl er auch das Ausschlafen geniesst. «Ich habe auf jeden Fall keine Entzugserscheinungen vom Arbeiten», sagt Hansrudolf Müller lachend.