Ohne Rolf, Michel Gammenthaler, Soul Department, Stiller Has – die Liste der grossen Namen an der Brugger Artbar, Version 2012, ist lang. Die umfunktionierte Malerwerkstatt der Piani AG am Ortsausgang Richtung Aarau ist regelmässig ausverkauft. Warum also hingehen, wenn am Samstag die nicht gerade weltbekannten The Raveners auf der Bühne stehen?

Rock mit Funk und Sexappeal

The Raveners, eine Gute-Laune-Rockband um Sängerin Jessy Howe und Gitarrist Chris Muzik, macht Spass. Jeder Song ist tanzbar und bei den meisten schwingt viel Funk mit. Trotz eisiger Kälte draussen und viel Licht in der Halle bewegen sich die Zuschauer. Einige Songs, allen voran die Zugabe «Killerbiest», haben gehöriges Ohrwurm-Potenzial und einen grossen Publikumsaufmarsch verdient.

Es gibt aber auch Anzeichen dafür, dass die Rahmenveranstaltung Einfluss aufs Konzert nimmt. Die Lautstärke ist niedriger als an echten Rock-Konzerten, das Durchschnittsalter höher und die Band spielt ihr Set nicht durch, sondern legt in der Mitte eine Pause ein.

Ansprechbar ist Bandleaderin und Sängerin Jessy Howe währenddessen trotzdem nicht. Selbstvergessen und glücklich taumelt sie von der Bühne und der Versuch, irgendwelche Journalisten-Fragen zu stellen, ist zum Scheitern verurteilt. Aus Sicht der Zuschauer ist das ein gutes Zeichen. Die Band gibt sich auch beim Abschlusskonzert ihrer Tournee ganz der Musik hin. Etwa 30 Konzerte hätten sie jetzt gespielt, meint Howe dann doch noch, und der Gig heute Abend sei toll.

Bier trifft Kunst und Cüpli

Es scheint also, dass Veranstalter Roberto Caruso recht behält, wenn er über die Beweggründe seiner Gäste philosophiert: «Wir können auch unbekannte Namen bringen, denn den Leuten ist bewusst: Wenn es an der Artbar kommt, kann es nicht gar nicht schlecht sein.» Dazu kommt, dass sich Kunst und Konzerte gegenseitig in Szene setzen. Das eine profitiert vom anderen, verleiht den Hauch einer zusätzlichen Dimension.

Wer den Charme dieser zweiwöchigen Konzertreihe beschreiben will, sollte auf Fremdwörter wie «Dimension» oder «polyvalent» aber verzichten. Intellektuelles Gehabe ist Carusos Sache nicht. Obwohl «polyvalent» den Anlass ganz gut beschreiben würde, wie Caruso zugibt: «Hier haben schon Leute Kunstobjekte gekauft, die vorher noch nie an irgendeiner Ausstellung gewesen sind.»

Vor und nach dem Konzert ist die Atmosphäre locker. In die Halle kommt, wer gerade Lust auf ein Bier hat, Kenner, die die Holzskulpturen von Katrin Zuzakova, die Bilder von Milan Spacek oder Lichtobjekte von Lokalmatador Claudio Cassano sehen wollen, oder eben Fans der Bands, die Carusos Ruf nach Brugg gefolgt sind.

Langsam langweilig

Der Anlass wird langsam aber sicher zur Marke und zum Veranstaltungs-Fixpunkt in der Vorweihnachtszeit. Das sei der einzig mögliche Termin, sagt Roberto Caruso, ansonsten werde die Halle zum Malen gebraucht. Bar, Bilder und Bühne müssen bald wieder raus. Das Umbauen und alles andere laufe immer wie am Schnürchen.

Ironischerweise stört das ausgerechnet ihn, der die Fäden zieht. Caruso langweilt sich ein wenig, weil alles so gut läuft. Das sei gefährlich, und er sei am Hirnen: «Vielleicht stellen wir nächstes Jahr eine Open-Air-Bühne hin, schliesslich feiern wir 10 Jahre Artbar!»

Veranstaltungen: Die Notte magica vom 12.12. und die Vorstellungen von Stiler Has (13.12.) , Hendrix & Caruso (14.12.) und Michel Gammenthaler (20.12.) sind bereits ausverkauft. Für die restlichen Veranstaltungen gibt es noch Tickets.