Ein solches Staraufgebot ist selten: Marc Sway, James Gruntz, Gigi Moto, William White, Brandy Butler, Ella, Frank Powers und Sharlotte Gibson. Zur Feier des 20-Jahr-Jubiläums im Salzhaus gaben die Ausnahme-Künstlerinnen und -künstler ein gemeinsames Konzert.

Den musikalischen «Direktoren» Roberto Caruso und Frank Powers kam die nicht ganz einfache Aufgabe zu, in einem Tag alle der 22 ausgewählten Songs mit der Ad-hoc-All-Star-Band zu proben. An den Instrumenten neben Caruso und Powers mit dabei Mitglieder der Bands von James Gruntz und Marc Sway, die grösstenteils noch nie zusammen gespielt hatten – und später für die auftretenden Sängerinnen und Sänger doch einen so kompakten musikalischen Teppich legten, als hätten sie vorher nie etwas anderes gemacht.

Dass jeder Künstler sowohl für sich als auch mit den anderen glänzen konnte und sich in der Show niemand in den Vordergrund drängte, ist der Bescheidenheit aller Beteiligten zuzuschreiben. Und natürlich der Stimmgewalt, die jeder an den Tag legte und sich locker mit seinen prominenten Kollegen messen konnte.

Die schönsten Bilder von der Jubiläumsfeier:

Gigi Moto kam die nicht ganz einfache Aufgabe zu, dem Publikum als Openingact einzuheizen. Aber sie tat das ohne jegliche Anlaufschwierigkeiten und röhrte mit ihrer rauchigen Soul-Stimme «Black Velvet» von Alannah Myles ins Mikrofon. Der schweiz-barbadische William White zeigte bei seinen Soloauftritten mit Gitarre einmal mehr, was für ein brillanter Singer/Songwriter er ist.

Hühnerhaut-Momente

Sharlotte Gibson, die schon mit Whitney Houston, Mariah Carey und Celine Dion zusammen sang, interpretierte im Salzhaus Chaka Kahns «Love me still» – mit einer «Engelsstimme, die nicht von dieser Welt ist», wie Powers ihren Auftritt kommentierte. Mit einer Erkältung zu kämpfen hatte Jorina Stamm, die mit Ihrer Band Ellas und melancholischem Indie-Pop schon einige Achtungserfolge erzielte.

Hühnerhaut-Momente gab es viele. Zum Beispiel als Frank Powers zusammen mit Brandy Butler eine vor Erotik sprühende Slow-Version von «Bang Bang» darbot. Oder als Powers in seiner Version von «I heard it through the grapevine» mit einem Stimmumfang überzeugte, der fern von der beinahe schüchternen Art lag, mit dem er die Gäste jeweils ankündigte.

James Gruntz liess bei eigenen Hits wie «You» und «Heart keeps dancing» seine Falsett-Stimme erklingen und lieferte ein fünfminütiges Scat-Solo, bei dem das Publikum vor Begeisterung völlig aus dem Häuschen geriet. «Huere schnäll», meinte Marc Sway dazu, «meine Frau würde sich glücklich zeigen, wenn ich manchmal nur halb so schnell wäre.» Mit seinem Charme hatte Sway das Publikum natürlich gleich in der Tasche. In «Losing» kam seine rauchige Gänsehaut-Stimme besser zur Geltung als bei seinem grossen Hit «Severina». Die Gutelaune-Popnummer hat er zur Hochzeit für seine Frau geschrieben. Gemäss NZZ singt er darin 74 Mal das Wort Love.

Zur Abrundung eines perfekten Konzertabends gab es den passenden Song: «Perfect day». Alle formierten sich nochmals auf der Bühne und bescherten dem Publikum mit der Hymne von Lou Reed ein Finale, das es bestimmt nicht so schnell vergessen wird.

Kaum vorstellbar, dass das Salzhaus vor seiner Umnutzung zum Kulturhaus ein Lagerschuppen für Gerätschaften der Stadt war. Dank einiger initiativer Menschen, die sich später zum Salzhausverein formierten, wurde das geschichtsträchtige Haus in einem dreijährigen Versuchsbetrieb zum Kulturlokal umgebaut und entrümpelt. «Es zeigte sich schnell, dass dieser atmosphärische Platz Gold wert ist», meint Salzhaus-Präsident Hanspeter Stamm.

Das sah auch die Stadt und baute eine neue Lüftung, eine zweite Bar, Garderobe und vieles mehr ein. Der Verein Salzhaus mit den Gruppen Jazz, Singer/ Songwriter und Gigs sowie der Ausstellungsgruppe hat seither das Nutzungsrecht für die Liegenschaft der Stadt und veranstaltet rund 20 bis 30 Events pro Jahr. Der ganze Betrieb wird durch Freiwilligenarbeit getragen. Aufgetreten sind hier neben dem Who-is-who der nationalen Showszene auch schon Stars wie Chi Coltrane, Jazzkantine und Dr. Feelgood.