Bezirksgericht Brugg
«Parfüm-Fahrer» muss für sechs Monate hinter Gitter

Wegen Diebstahl, rechtswidriger Einreise und rechtswidrigem Aufenthalt ist ein mongolischer Staatsangehöriger zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Er war mit gestohlenen Kosmetika im Auto erwischt worden.

Louis Probst
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Die Mitfahrer hatten das Diebsesgut im Auto versteckt. Der Fahrer will von nichts gewusst haben. (Symbolbild)

Die Mitfahrer hatten das Diebsesgut im Auto versteckt. Der Fahrer will von nichts gewusst haben. (Symbolbild)

Keystone

«Meine Mitfahrer haben diese Sachen in mein Auto getan», erklärte der Beschuldigte via Dolmetscherin bei der Befragung durch Bezirksgerichtspräsident Hans-Rudolf Rohr. «Ich wusste nicht, dass diese Sachen gestohlen waren.» Diese Sachen – Körperpflegemittel und Kosmetika im Wert von insgesamt 938 Franken – waren in zwei Fachgeschäften am Brugger Neumarktplatz geklaut worden. Kurz darauf war der Beschuldigte am Steuer eines Autos mit französischen Kontrollschildern in Unterbözberg durch die Polizei angehalten worden. Bei der Kontrolle des Fahrzeugs kam das Diebesgut in einem Versteck zwischen den Rücksitzen und der Wand des Kofferraums zum Vorschein. Die Mitfahrer wurden nach der Einvernahme laufen gelassen.

Schwammige Geschichten

Der Fahrer, ein 30 Jahre alter mongolischer Staatsangehöriger, der als Asylbewerber in Nordfrankreich lebt – und der ein halbes Jahr vor seiner Festnahme wegen eines gleich gelagerten Vorfalles von einem Zürcher Gericht zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden war – kam in Untersuchungs- und später in Sicherheitshaft.

Vor Gericht hatte der Beschuldigte auf alles eine Antwort. Er sei gebeten worden, in Brugg zwei Personen abzuholen, liess er ausrichten. Dafür habe man ihm 300 Euro versprochen. Aufs Nachhaken des Gerichtspräsidenten, weshalb denn die Passagiere die Sachen versteckt hätten, meinte der Beschuldigte: «Das weiss ich nicht. Das haben doch die Mitfahrer gemacht.» Auch von einem Vorfall, bei dem sein Wagen in einer Zollkontrolle «hängen» geblieben war, wollte der Beschuldigte nichts wissen. «Ein Kollege hat damals das Auto benutzt», meinte er. Zu seiner persönlichen Situation erklärte er, dass er als Asylant in Nordfrankreich lebe. Sein Asylantrag sei zwar abgewiesen worden. Er habe jedoch Beschwerde erhoben. Der Entscheid sei noch hängig. Papiere habe er – abgesehen von einem Dokument, das von einer französischen Kirche ausgestellt worden sei – keine.

Während der Staatsanwalt wegen Diebstahl, eventuell Hehlerei, rechtswidriger Einreise und rechtswidrigem Aufenthalt eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten forderte, beantragte der Pflichtverteidiger Freispruch vom Vorwurf des Diebstahls. Sein Mandant sei lediglich wegen Verstössen gegen das Ausländergesetz mit einer Busse von maximal 300 Franken zu bestrafen. Zudem sei dem Beschuldigten für die Untersuchungshaft eine angemessene Entschädigung auszurichten.

«Es gibt keine Hinweise auf eine Beteiligung meines Mandanten an einem Diebstahl», machte der Verteidiger geltend. Bei der Untersuchung des Falls seien zudem massive Fehler begangen worden, die nicht dem Beschuldigten angelastet werden könnten. «Auch der Eventualantrag der Staatsanwaltschaft auf Hehlerei zielt ins Leere», betonte der Verteidiger. «Mein Mandant hatte keine Verfügungsgewalt über das Deliktsgut. Er hat nur die Taschen gesehen, ohne zu wissen, was drin ist.»

Anzeichen für Kriminaltourismus

Bezirksgerichtspräsident Rohr folgte jedoch den Antrag der Staatsanwaltschaft und sprach den Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig. «Es gibt zu viele Zufälligkeiten, als dass Zweifel an der Straffälligkeit angebracht wären», stellte er fest. «Es besteht kein Zweifel, dass es sich hier um eine organisierte kriminelle Tätigkeit handelt. Es geht zwar nicht um schwere Delikte. Aber es gibt Anzeichen für Kriminaltourismus.»

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