Windisch
Papeterie Karpf schliesst nach über 40 Jahren

Immer weniger Menschen kaufen in der Papeterie Karpf in Windisch ein. Weil der Umsatz stetig zurückgeht, muss der Laden nach über 40 Jahren schliessen. Kundenzahl, Umsatz, Margen und Gewinn schwanden, sodass die Weiterführung unwirtschaftlich wurde.

Edgar Zimmermann
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Elisabeth und Peter Karpf führen die Papeterie kompetent und mit viel Herzblut.

Elisabeth und Peter Karpf führen die Papeterie kompetent und mit viel Herzblut.

Edgar Zimmermann

Ende September steht die Türe der Papeterie Karpf an der Dohlenzelgstrasse 3 in Windisch zum letzten Mal offen. Dann enden der mit Rabatten angelaufene Totalausverkauf und die Firmengeschichte. 1968 hatten Josef und Margrit Karpf die kleine Papeterie Ehreiser an der Zürcherstrasse übernommen und zwei Jahre später dem Sohn Peter und der Schwiegertochter Elisabeth übergeben.

Letztere führte ab 1979 zudem 12 Jahre lang eine Papeterie in Turgi. 1986 wechselte die Windischer Papeterie in die Liegenschaft Weibel an der Dohlenzelgstrasse, wo grössere Räume zur Verfügung standen. Entsprechend gross und vielseitig ist auch das Sortiment, das von der Bevölkerung sehr geschätzt wurde. Besonders schätzte sie aber auch die herzliche Bedienung, die kompetente Beratung und den Kundenservice.

Über 70 Lehrtöchter ausgebildet

«Wir durften sehr viele gute Geschäftsjahre erleben», sagt das Ehepaar rückblickend. In den letzten Jahren aber änderten diese Zeiten. Immer stärker zu schaffen machte die Konkurrenz durch Grossverteiler, die PTT mit ihrem Angebot am Schalter und das Internet. Qualität, Beratung und persönliche Kontakte wurden weniger wichtig.

Für einen weitern Schlag sorgte der drastische Rückgang der Passanten nach dem Wegzug der benachbarten Migros, und zu guter Letzt wurde der gegenüberliegende Parkplatz wegen Bauarbeiten um die Hälfte reduziert, ohne dass Ersatz geschaffen wurde.

Kundenzahl, Umsatz, Margen und Gewinn schwanden, die Weiterführung der Papeterie wurde unwirtschaftlich, weshalb sich das Ehepaar schweren Herzens zur Aufgabe entschloss. «Wir hätten gerne auch im fortgeschrittenen Alter noch einige Jahre angehängt, denn wir liebten unsere Arbeit und den Umgang mit der Kundschaft sehr.»

«Wir waren wie eine Familie»

Über 70 Lehrtöchter haben die Karpfs in den 41 Jahren mit grossem Erfolg zur Papeteristin ausgebildet. Etliche wählten sie aus der von der az Aargauer Zeitung für die Jugendlichen durchgeführten jährlichen Lehrstellenbörse. Und die Karpfs machten mit jeder Wahl hervorragende Erfahrungen. «Ich werde gerade auch die Lehrtöchter sehr vermissen, wir waren wie eine Familie», schwelgt Elisabeth Karpf. Interessenten für eine Weiterführung der Papeterie liessen sich nicht finden, das «Papeteriensterben» ist ja selbst in Städten zu beobachten.

«Peter, leg den Bolzen auf!»

Peter Karpf ist gelernter Elektroniker und war vor der Windischer Zeit fürs Fernsehen in Deutschland tätig. Der Schwiegervater Bruno Blumer hatte die Fernseharmbrust entwickelt, die bei einer der populärsten Fernsehshows der Sechzigerjahre, dem «Goldenen Schuss», im Mittelpunkt stand und von anwesenden Kandidaten wie auch von Fernsehzuschauern «bedient» werden konnte. Peter Karpf entwickelte diese Armbrust weiter und löste Bruno Blumer auch als Bediener in der Show ab. Moderiert wurde diese zuerst von Lou van Burg, dann von Vico Torriani.

Die Aufforderung von Torriani, «Peter, leg den Bolzen auf!», wurde zu einem geflügelten Wort. Die 1970 eingestellte ZDF-Sendung wurde aus vielen Ländern ausgestrahlt, das Konzept auch von andern Fernsehanstalten übernommen – mit entsprechenden Einsätzen von Peter Karpf. So lernte dieser zahlreiche Länder kennen, aber auch viele der auftretenden Stars.

Stand «Der Goldene Schuss» ziemlich am Anfang des beruflichen Wirkens, so endet dieses nicht mit einem «Goldenen Schluss». Die Schliessung der Papeterie schmerzt das Ehepaar Karpf sehr.

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