Sex mit einem Mädchen suchte er. Am vereinbarten Treffpunkt am Bahnhof Brugg erwartete ihn aber nicht die 13-jährige Lilia, sondern die Polizei. Seit diesem Tag im Sommer 2016 sitzt F. in Haft.

Wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit Kindern sowie versuchter Pornografie stand er diese Woche vor dem Bezirksgericht Brugg. Der schlaksige 35-Jährige erschien mit grauem T-Shirt, dunkler Hose und Turnschuhen. Lilia lernte er auf einer Internet-Plattform kennen, in einem Chatroom. F. schrieb ihr, dass er mit ihr Sex haben wolle, und drängte darauf, ein Treffen zu vereinbaren. Auch schickte er ihr Fotos. Auf einem hatte er seine Unterhose hochgezogen, sodass ein Teil seines Penis zu sehen war.

Der Schritt aus der virtuellen in die reale Welt wurde F. dann allerdings zum Verhängnis. Denn bei Lilia handelte es sich nicht um ein 13-jähriges Mädchen, sondern um einen verdeckten Ermittler des Bundesamts für Polizei.

Dann kamen Emotionen hoch

F. stammt aus dem Kanton Bern, hat sich vor ein paar Jahren selbstständig gemacht und ein Geschäft in der Lebensmittelbranche eröffnet. Der Betrieb sei zwar noch im Aufbau gewesen, aber er sei zufrieden gewesen. Es sei gut gelaufen, er habe sogar etwas Gewinn gemacht, schilderte er vor Bezirksgericht. Er sei Berufsmann mit Herzblut. Jetzt sei das Geschäft zu, aber er wolle es wieder eröffnen, sobald er aus der Haft entlassen werde.

Bei den Fragen zu seiner Person und seinem Beruf gab F. ruhige, klare Antworten. Warum er aber an diesem Tag im Sommer 2016 nach Brugg gefahren sei, welchen Plan er verfolgte, warum ihm das Treffen mit Lilia so wichtig war, darüber gab er keine Auskunft. Immer wieder blickte er hilfesuchend zu seinem Verteidiger, um dann kurz und knapp festzuhalten: «Dazu möchte ich nichts sagen.»

Nach mehrmaligem Nachfragen kamen bei F. dann aber plötzlich die Emotionen hoch: «Es war ein Glück, dass ich aufgehalten wurde, es war wie eine Erlösung», sagte er hörbar aufgewühlt. «Ich bin froh, dass ich gestoppt wurde.» Zum Sex mit dem Mädchen, versicherte er, wäre es nicht gekommen. «Ich hätte einen Rückzieher gemacht und wäre gegangen.»

Neben Lilia hatte F. mehrmals versucht, andere Chat-Partnerinnen und -Partner zu einem Treffen und zum Sex zu überreden. Bei allen ging er davon aus, dass sie jünger als 16 Jahre alt sind. Stets ging er nach dem gleichen Muster vor, fragte, ob sie Sackgeld verdienen wollten.

Er will sich helfen lassen

Der Beschuldigte war einschlägig vorbestraft. Ob ihm die Strafverfahren keinen Eindruck gemacht hätten, wollte Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven wissen. Doch, sehr sogar, antwortete F. Er habe jeweils versucht, seine Gefühle zu unterdrücken – bis es nicht mehr gegangen sei. Angesprochen auf sein 12-jähriges Gotte-Meitli, betonte F. mit Nachdruck, dass nie etwas vorgefallen sei, dass er ihr nie etwas antun würde. «Das käme mir nicht in den Sinn.»

Er sei sich bewusst, fuhr F. fort, dass er pädophile Neigungen habe. Mit jemandem gesprochen darüber oder Hilfe geholt habe er aber nicht. Bisher. Denn inzwischen habe er sich intensiv mit sich beschäftigt. Er wolle sein Leben wieder in den Griff bekommen und eine Therapie in Angriff nehmen.

In Kindheit war er selber Opfer

Ein Gutachten attestiert F. eine hohe Rückfallgefahr. Die Gutachterin, die als Zeugin vor Bezirksgericht vorgeladen war, hielt denn auch fest, dass die pädophilen Neigungen ein Leben lang bestehen bleiben. Es gehe darum, das Risiko zu minimieren. F. müsse lernen, mit seiner Störung umzugehen.

Die Mutter des Beschuldigten, die auf dessen Wunsch ebenfalls als Zeugin aussagte, zeigte sich bereit, zusammen mit der Familie bei der Therapie mitzuarbeiten. Die Mutter schilderte ebenfalls, dass ihr Sohn in der Kindheit selber Opfer von sexuellem Missbrauch geworden war. Passiert sei es auf einem Bauernhof, auf dem F. als Schüler in seiner Freizeit gearbeitet habe. Ihr Sohn habe zuerst nichts erzählt, weil er sich offenbar geschämt habe. Eine Verarbeitung habe nicht stattgefunden.

F. erhält 17 Monate Gefängnis

Die Staatsanwältin bezeichnete den Beschuldigten als uneinsichtig. Er sei vorbestraft, was ihn aber unberührt gelassen habe, und sei sehr planmässig vorgegangen. «Es ging ihm einzig und allein darum, möglichst schnell sexuelle Befriedigung zu finden.» Sie forderte 24 Monate Freiheitsstrafe sowie eine stationäre Massnahme, allenfalls eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme.

Zwei Jahre Gefängnis seien überrissen, hielt Verteidiger Kenad Melunovic dagegen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass es bei einem tatsächlichen Treffen mit einer 13-Jährigen nichts vorgefallen wäre. Deshalb gelte der Grundsatz in dubio pro reo. Auch sei der Begriff der versuchten Pornografie nicht erfüllt. Melunovic appellierte an die Verhältnismässigkeit, erachtete eine bedingte Geldstrafe von 200 Tagessätzen sowie eine ambulante Massnahme als angemessen.

Das Gericht verurteilte F. zu einer Freiheitsstrafe von 17 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Ebenfalls angeordnet wird eine ambulante Massnahme. F. erhält eine Bewährungshilfe und darf in seinem Betrieb künftig keine Kinder unter 16 Jahren beschäftigen.