Brugg
Orchesterverein: «So etwas Verrücktes haben wir noch nie gemacht»

Der Orchesterverein Brugg fährt am Freitagabend volles Risiko: Am Serenadenkonzert spielt er mit der Brugger Band Soaring Wizard zusammen.

Elisabeth Feller
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Generalprobe in der Turnhalle Freudenstein: Der gemeinsame Auftritt von Orchesterverein Brugg und Soaring Wizard beschert schieres Vergnügen.

Generalprobe in der Turnhalle Freudenstein: Der gemeinsame Auftritt von Orchesterverein Brugg und Soaring Wizard beschert schieres Vergnügen.

Sandra Ardizzone

Da-Da-Dadadada: So fährt ein, was sich nur unzulänglich in Worte fassen lässt – der Rhythmus von «Palladio». Karl Jenkins› globaler Ohrwurm steht am Beginn des heutigen Serenadenkonzerts, mit dem der Orchesterverein Brugg und sein Dirigent Markus Joho volles Risiko fahren. Nein, nicht wegen «Palladio» und schon gar nicht wegen der tropisch angehauchten «Serenata Indaiatubana» des Brugger Komponisten Hanspeter Reimann. Sondern? Wegen des gemeinsamen Auftritts mit der Brugger Band Soaring Wizard.

«So etwas Verrücktes haben wir noch nie gemacht», sagt Markus Joho und setzt flugs hinzu: «Ich glaube, noch weiter können wir nicht gehen.» Dabei sind der Dirigent und der Orchesterverein auf ihrer Suche nach Musiknischen seit jeher weit gegangen. Weshalb «Classic goes Rock»? Für Joho ist die Sache ganz einfach: «Wir können nicht immer nur von den Jungen reden. Wir müssen etwas für sie tun.» Deshalb setzte er sich mit der Band Soaring Wizard, vielmehr mit den Brüdern Tobias, Samuel und Florian Rechsteiner sowie ihrem Kollegen Marc Stocker zusammen und brütete ein Programm aus, das sich gewaschen hat. Wie sehr, ist an der Generalprobe in der Turnhalle Freudenstein zu erleben.

Mann am Mischpult ist gefordert

Türen und Fenster sind weit geöffnet – ein laues Frühlingslüftchen hält Einzug in den Raum, dabei ist es draussen kühl. Aber die Spannung auf das heutige Konzert hält eben warm: Nicht zuletzt deshalb, weil die Orchestermitglieder mit grösster Vorsicht ihre Plätze anpeilen müssen. «Dass mir ja keine Unfälle passieren», mahnt eine Geigerin und lässt besorgte Blicke über das Podium mit seinen enormen Stufen schweifen. Zuoberst befindet sich das Reich der Soaring Wizard. Unten im Saal wiederum ist weit hinten das platziert, was dem Schlagzeuger Samuel Rechsteiner ein amüsiertes Lächeln entlockt. «O ja, der Mann am Mischpult ist ganz schön gefordert.» Das bestätigt auch Markus Joho: «Um die Balance zwischen Band und Orchester gut hinzukriegen, ist permanentes Tüfteln gefragt.»

Vorerst hat der Tontechniker jedoch nichts zu tun, weil die Stücke von Jenkins und Reimann durchgespielt werden. «Sehr schön», sagt ein zufriedener Markus Joho am Ende und lässt lediglich einige wenige Stellen wiederholen.

Der Sound ist unvergleichlich

Nach einer kurzen Pause gehts weiter. Leise Nervosität macht sich bei den Orchestermitgliedern breit, weil sie nun mit beträchtlichen Phonstärken konfrontiert werden. «Können wir anfangen?», fragt Markus Joho, der die Wizard-Stücke für Streicher arrangiert hat. O, welch satter Streichersound, in den Tobias und Florians E-Gitarren dunkle «Farbtupfer» hinzufügen. Das Zusammenspiel klappt prima, die Klangbalance ist ausgezeichnet. Was soll daran bloss so schwierig sein, denkt die Besucherin und wird aufgeschreckt.

Denn nun legen die Wizards – für ihre Begriffe wohl gemässigt – richtig los. Ohne Orchesterbegleitung. Sie brillieren mit virtuosen Läufen und wimmernden Bässen, dass es eine Lust ist. Als sich etwas später die Streicher hinzugesellen, ist der Sound unvergleichlich. Erst jetzt bekommt man eine Ahnung, wie schwierig das Miteinander derart gegensätzlicher Instrumente ist. Aber eines steht fest: Der gemeinsame Auftritt von Orchesterverein Brugg und Soaring Wizard beschert schieres Vergnügen. Es fetzt – und das so sehr, dass die Besucherin spontan eine neue Wortschöpfung kreiert: Let’s fetz.

«Classic goes Rock»: Freitag, 29. Mai, 20 Uhr, Turnhalle Freudenstein Brugg; Sonntag, 31. Mai, 11 Uhr, Matinée in Hettenschwil, Schloss zum Einhorn.

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