Das spezielle Konzert, das sich der Orchesterverein Brugg (OVB) zum 200-Jahr-Jubiläum im Campussaal vor zwölf Tagen leistete, begeisterte das Publikum. Etwas stutzig machte einige Gäste, dass beim anschliessenden Apéro riche im Campussaal rund 20 schwarze Salontischchen aus der Ikea zum Einsatz kamen. Gleich zwei az-Leser fanden diesen Umstand irritierend, denn der OVB hatte die Tischchen extra für diesen Anlass gekauft. Jemand schrieb der az: «Wenn man den Saal für 7000 Franken mietet und die Soundanlage für 5000 Franken dazu, so sind noch keine Tische und Stühle inbegriffen. Das Fussvolk bringt also in Zukunft seine Klappstühle und seine Feldsesseli mit zum ‹campieren› im Campus.»

Es war OVB-Präsidentin Bernadette Wiederkehr persönlich, die zwei Tage vor dem Konzert in Absprache mit den Campussaal-Betriebsleitern die Tische im Möbelhaus gekauft und gleich im Campussaal deponiert hatte. «Wir haben Publikum, das gerne sitzt», sagt sie auf Nachfrage der az. Dem OVB sei es zudem wichtig gewesen, während des Apéros neben der Tanzfläche mit Salontischen ein gemütliches Ambiente zu schaffen, fährt Wiederkehr fort. Der Campussaal hatte aber nur Stehtische und Bankett-Tische im Angebot. Je 20 waren in der Miete inbegriffen. Betriebsleiter Alain Campiche habe dem OVB 30 Stehtische zur Verfügung gestellt, betont Wiederkehr. Für sie war dennoch klar, dass sich das gewünschte Ambiente mit 20 Ikea-Tischchen relativ einfach realisieren lässt. «Pro Tischchen zahlte ich Fr. 7.95», erzählt sie. Ein Schnäppchen im Vergleich zur Miete von 45 Franken pro zusätzlichen Stehtisch im Campussaal.

Campiche und dem Campussaal-Personal windet Wiederkehr ein Kränzchen: «Alle Angestellten waren sehr freundlich und hilfsbereit. Sie zeigten Verständnis für unsere Situation.» Der OVB konnte das Konzert als Patronatsanlass durchführen und musste deshalb keine Saalmiete bezahlen. Dank zusätzlicher Unterstützung durch den Förderverein Campussaal waren auch die Kosten für die Soundanlage gedeckt. Dennoch fallen beim OVB noch Auslagen für Mobiliar, Servicepersonal, Getränke etc. an. «Ohne die Zusage einer ganzen Liste von Sponsoren, hätte sich der OVB das Konzert im Campussaal nicht leisten können», fasst die Präsidentin zusammen.

Grundsätzlich verfügten Vereine über deutlich weniger finanzielle Mittel als Firmen und öffentliche Institutionen, so Bernadette Wiederkehr. Sie findet, dass es in diesem Bereich an Erfahrung fehle und hätte es begrüsst, wenn OVB-Mitglieder zur Kostenreduktion beim Getränkeausschank selber hätten Hand anlegen können: «Solche Eigenleistungen müssten doch möglich sein, um Vereine finanziell zu entlasten.» Denn es seien vor allem die Personalkosten, die bei den Auslagen zu Buche schlagen.

Die Ikea-Tischchen hat der OVB nach dem Jubiläumskonzert übrigens eingelagert und wird sie bei anderen Gelegenheiten wieder benutzen. Wiederkehr sagt dazu: «Wir vermieten sie auch gerne zu einem günstigen Tarif.»