Peter Bernhard sieht müde aus. Der Intendant der Oper Schenkenberg war in Hamburg, nun ist er wieder in der Schweiz.

Hier wird er in den «Fledermaus»-Vorstellungen des Theaters Biel Solothurn singen; hier finden Abklärungen und Budgetsitzungen zur nächsten Produktion 2016 der Oper Schenkenberg statt.

Die vergangenen Tage sind an Bernhard nicht spurlos vorübergegangen. Die finanzielle Schieflage der in Schinznach situierten Oper und die Anwürfe von Lieferanten, die auf einen Teil ihres Geldes verzichten müssen, haben ihn getroffen.

Bernhard will nicht mehr auf Zahlen zurückkommen, nur soviel: Die Ausstände seien Ende Februar beglichen worden – der Rechnungsabschluss werde Ende Mai feststehen.

Ist das künstlerisch exzellente, finanziell aber problematische «Trovatore»-Abenteuer somit verdaut? Nein.

Die schmerzlichen Erfahrungen werden einfliessen (müssen) in die nächste Produktion, die 2016 in Brugg stattfinden soll. «Es gibt mehrere potenziell attraktive Spielorte», gibt sich Bernhard karg.

Gehört der Schachen mit seiner Infrastruktur dazu? Bernhard sagt dazu nichts, wohl aber zum neuen Spielort Brugg. «Wer etwa an den Campus denkt, merkt, dass es sich um eine aufstrebende Region handelt.»

Um eine, die mehr Zuschauer anlocken könnte? Der Intendant wägt seine Worte sorgfältig ab.

Schliesslich muss die Quadratur des Kreises 2016 gelingen, will die Oper Schenkenberg schwarze Zahlen schreiben.

Die bisher mit «Carmen» (2010) und «Il Trovatore» (2013) an den Tag gelegte Qualität darf laut Bernhard keinerlei Abstriche erdulden, obgleich das Budget für 2016 um über 1 Million Franken gekürzt wird.

Das neue wird unter 3 Millionen Franken betragen und sich somit im Rahmen von «Carmen» bewegen.

Mit welchen Werken ist das zu schaffen? Für Bernhard «wird es weder eine ‹Aida› oder einen ‹Nabucco›, noch Nischenstücke geben.»

Deswegen auch nicht die Britten-Oper«Peter Grimes», die der Intendant «liebend gerne am Wasser spielen» würde».

Das abgespeckte Budget ist natürlich ebenfalls ein Thema für den neuen kaufmännischen Direktor (bereits im Amt), dessen Name in Kürze bekannt gegeben wird.

Könnte künftig beim Orchester gespart werden? Beispielsweise mit der Wahl eines kleineren Klangkörpers? «Nein», sagt Peter Bernhard dezidiert und verweist auf die 64-köpfige Camerata Schweiz, die 2013 Verdis «Il Trovatore» gespielt hat.

Für eine Oper wie diese sei ein Ensemble mit einer gewissen Grösse unabdingbar, denn nur so lasse sich Fülle, Wärme und Glanz erzielen.

Kurzum: Sparpotenzial, Sponsoren- und Imagepflege muss die Oper Schenkenberg intensiv ausloten, will sie 2016 wiederum mit einem, dannzumal bestimmt weniger opulenten Coup als 2013 überraschen.