Zugegeben, völlig überraschend kam die Nachricht vom Konkurs des Vereins Oper Schenkenberg im letzten November nicht. Intendant Peter Bernhard hatte zuvor unter anderem Stück- und Regisseurwechsel durchgesetzt. Das Budget für die dritte Produktion «Rigoletto» des Vereins Oper Schenkenberg betrug nach mehrfacher Überarbeitung 2,5 Millionen Franken. Insgesamt neun Vorstellungen gab es 2016 auf der speziell dafür aufgebauten Bühne hinter der Sporthalle Mülimatt Brugg-Windisch zwischen dem 11. und 27. August.

Schon nach der zweiten Produktion «Il Trovatore» in Schinznach-Dorf 2013 war der Verein Oper Schenkenberg in finanzielle Schieflage geraten. Zahlreiche Lieferanten und Partner mussten später auf einen Teil ihrer Geldforderung verzichten. Intendant und Vorstandsmitglied Peter Bernhard versprach damals, künftig einen kaufmännischen Direktor zu engagieren. Doch dieser trat seine Stelle nie an.

Unübersichtliche Finanzsituation

Nach der Eröffnung des Konkursverfahrens im letzten November sagte Vereinspräsident Peter Feller, das Defizit betrage «einiges mehr als eine halbe Million Franken». Tatsächlich ist die Schadenssumme viel höher als bisher angenommen. Der Aargauer Zeitung liegt neu ein Dokument vor, das aufzeigt, dass die Gläubiger im Rahmen des Konkursverfahrens vom Verein Oper Schenkenberg noch 1,023 Millionen Franken fordern.

Dies wird vom Bezirksgericht Brugg bestätigt. «Das (wenige) bewegliche Inventar des konkursiten Vereins konnte durch die Konkursverwaltung verwertet werden. Weiter konnten ein Kontoguthaben sowie ein Versicherungsguthaben zur Konkursmasse gezogen werden», heisst es im Dokument weiter.

Die Konkursmasse beläuft sich auf total rund 8000 Franken, was lediglich zur Deckung der anfallenden Konkurskosten reicht. «Für die Gläubiger der
1. bis 3. Klasse bestehen somit keinerlei Dividendenaussichten», hält das Konkursamt Brugg fest. Es beantragt, dass die Gläubiger auf das Geltendmachen von Ansprüchen aus der Konkursmasse verzichten. Derzeit läuft diesbezüglich eine zehntägige Einsprachefrist. Stillschweigen gilt als Zustimmung. Weitaus am meisten Abstriche müssen die stillen Schaffer hinter der Kulisse machen.

Einige erhielten für ihre Leistungen vom Verein Oper Schenkenberg zu Beginn noch eine Anzahlung und warteten danach vergeblich auf die Überweisung des Restbetrags. Dies etwa im Gegensatz zum Intendanten, der sich den Monatslohn regelmässig bis kurz vor Konkurseröffnung auszahlen liess. Bei den Geschädigten ist die Enttäuschung sehr gross. Ein Gläubiger sagt: «Dieses leide Thema ist für uns erledigt und wir hoffen, in Zukunft nicht mehr an solche Hochstapler zu geraten.» Es sei unglaublich, dass man in einem solchen Fall ungeschoren davon komme. «Jeder Erwachsene, der einen Kaugummi klaut, wird härter bestraft.»

Präsident verweist auf Intendant

Auf das viel grössere Finanzdebakel, als bisher angenommen, angesprochen, will sich der ehemalige Vereinspräsident Peter Feller gegenüber der Aargauer Zeitung nicht mehr äussern und verweist auf Intendant Peter Bernhard. Nur soviel räumt Feller zur dritten Produktion «Rigoletto» ein: «Man hätte intelligent genug sein sollen und nach den Schwierigkeiten bei ‹Il Trovatore› nicht nochmals eine solche Produktion auf die Beine stellen dürfen.» Intendant Peter Bernhard will zum Konkurs und zur Oper Schenkberg wie schon im letzten November nichts mehr sagen.