Schinznach

Oper Schenkenberg dank Goodwill von Gläubigern vor Konkurs gerettet

Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg (hier als «Trovatore» mit Mary Elizabeth Williams), hat die Gläubiger der letzten Produktion zu einer Teilverzichtserklärung auf ihre Ansprüche bewegt. ZVG

Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg (hier als «Trovatore» mit Mary Elizabeth Williams), hat die Gläubiger der letzten Produktion zu einer Teilverzichtserklärung auf ihre Ansprüche bewegt. ZVG

Weil das Publikum bei «Il Trovatore» ausblieb, müssen Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Der Konkurs konnte jedoch abgewendet werden. Für das nächste Projekt 2016 will man aus den gemachten Erfahrungen lernen.

«Es waren schöne Wochen mit tollem Wetter und fantastischen Aufführungen», schreibt Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg, rückblickend zur Produktion von Verdis «Il Trovatore» im August 2013. Und er dankt dem grossen Team von ungefähr 500 Künstlern, Technikern, Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, «die alle zu diesem wunderbaren Erfolg beigetragen haben».

Und auch die Kritiken waren gut: «In Schinznach triumphiert die Oper Schenkenberg mit Giuseppe Verdis ‹Il Trovatore›. Es wird nicht nur leidenschaftlich gespielt, es wird auch sehr gut gesungen», schrieb az-Kulturredaktor Christian Berzins nach der Premiere. Die NZZ befand, Mary Elizabeth Williams interpretiere die ihre Rolle «der von zwei Gangsterbossen Geliebten mit phänomenaler Anteilnahme und einem dramatisch orientierten Koloratursopran».

Weniger positiv ist die finanzielle Bilanz der Produktion, die mit einem Budget von 4,3 Millionen Franken rechnete. Laut dem Regionaljournal von Radio SRF warten mehrere Firmen auf Geld, dem Vernehmen nach soll es sich um sechsstellige Beträge handeln. Inzwischen haben sich die Gläubiger und die Oper Schenkenberg auf eine Teilverzichtserklärung geeinigt, wie Intendant Peter Bernhard auf Anfrage der az bestätigt.

Gläubiger erhalten zwei Drittel

«Alle an der Refinanzierung beteiligten Parteien haben Stillschweigen vereinbart, deshalb kann ich keine konkrete Zahl nennen», sagt Bernhard auf die Frage, wie hoch der ausstehende Betrag ist. Alle Gläubiger würden aber zwei Drittel ihrer Forderungen bekommen. «Ich kann versichern, dass wir bis Anfang März die grössten Ausstände beglichen haben werden», kündigt der Intendant an.

Auf die Frage, ob gar das Aus der Oper Schenkenberg gedroht habe, sagt Bernhard lediglich: «Es gab eine kritische Phase. Ich habe in den letzten zwei Monaten viele persönliche Gespräche mit Gläubigern geführt und bin dankbar, dass nun eine Teilverzichtserklärung zustande gekommen ist.» Natürlich habe es emotionale, enttäuschte Reaktionen gegeben, «aber ich stiess auch auf viel Goodwill und Verständnis», sagt er.

Insgesamt werde die Oper Schenkenberg im Mai eine ausgeglichene Rechnung zu «Il Trovatore» präsentieren, kündigt Bernhard an. Diese kommt zustande, weil Lieferanten und Kadermitarbeiter der Oper auf Forderungen verzichten und zusätzliche Mittel generiert wurden. «Zudem haben wir eigene Reserven aufgelöst und werden die Defizitgarantie des Kantons beanspruchen», erklärt der Intendant. Diese beläuft sich auf 50 000 Franken und kann laut Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur, erst nach Prüfung der Abschlussrechnung ausbezahlt werden.

Besucherzahl unter Erwartungen

Hauptgrund für das Loch in der Kasse ist die Besucherzahl, die klar unter den Erwartungen der Opernverantwortlichen blieb. «Wir hatten nach dem Grosserfolg mit ‹Carmen›, wo wir 2010 insgesamt mehr als 1000 Leute bei ausverkauften Vorstellungen abweisen mussten, eine grössere Zuschauerkapazität geschaffen», sagt Bernhard. Zahlen zur Auslastung will er am 4. März bekannt geben, klar ist aber schon heute, dass zu viele Sitze leer blieben. «Die Besucherzahl ist der grösste Unsicherheitsfaktor bei einer Produktion», sagt Bernhard.

Auf den grossen Aufwand des «Trovatore» angesprochen, sagt der Intendant: «Für eine künstlerisch hochstehende Produktion ist ein gewisses Budget nötig, eine Billigproduktion wird es bei der Oper Schenkenberg nie geben.» Er räumt aber ein: «Wir haben bei den Einnahmen sicher optimistischer budgetiert als auch schon.» Im Hinblick auf das nächste Projekt im Jahr 2016 werde die Oper Schenkenberg die Erfahrungen von 2013 berücksichtigen, genauer planen und vorsichtiger budgetieren. «Das neue Budget dürfte eher im Rahmen von ‹Carmen› liegen, also gegenüber dem Jahr 2013 etwas zurückgefahren werden», sagt Bernhard.

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