Der Mann ist ein Poet. «Wenn ihr atmet, denkt immer an eine schöne Blume - alles öffnet sich», sagt er - und schon wollen 50 Sängerinnen und Sänger wissen, ob das zutrifft. Sie atmen, singen und nicken Valentin Vassilev zu: Er hat wieder einmal Recht.

Das verwundert nicht bei einem Mann, der seit 1993 Chordirektor am Theater Biel Solothurn ist. Wie sehr er die dortigen Amateursänger zu Hochleistungen bringen kann, ist nicht nur in seinem angestammten Haus, sondern auch im Kurtheater Baden zu bewundern: Dort geniessen die «Bieler» einen legendären Ruf.

Jedenfalls ist Vassilev auch im Aargau ein gerngesehener Gast. 2010 wurde er für die erste Produktion der Oper Schenkenberg, «Carmen», nach Schinznach-Dorf berufen; nun wird er 80 Laiensängerinnen und -sänger stimmlich fit machen für die «Trovatore»-Premiere im August 2013 im Gartencenter Zulauf. Vassilev freut sich, an der ersten Probe bekannte Gesichter zu entdecken. In lockerem Plauderton führt er die 50 Anwesenden in die melodientrunkene Verdi-Oper ein.

Der Chordirektor gibt gerne zu, «dass inhaltlich nicht alles klar ist, was passiert. Doch das macht nichts.» Letztlich handle es sich - allen dramaturgischen Schwächen zum Trotz - um eine «sehr, sehr bewegende Story. Es geht um Eifersucht, Liebe, Mystik, Tod.» Dass er die Arbeit mit motivierten Chorsängern liebt, schwingt in jedem seiner Wort mit. «Der Chor ist für mich wie ein Kind - ein grosses Kind. Heute werde ich hören, wie es schreit.» Ringsum wird gelacht. Dann gilt es ernst: Valentin Vassilev gibt ein Zeichen - die ersten Stimmübungen beginnen. (ef)