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Oldtimer Jahrgang 1966 – «Mich hat es gereizt, dieses Auto zu restaurieren»

Zwischen 800 und 1000 Arbeitsstunden hat Rolf Wächter in die Restaurierung eines Renault R4 aus dem Jahre 1966 investiert. Jetzt ist der legendäre Kleinwagen einer der Stars der Ausstellung in der Renault-Garage Wächter.

Mir hat dieses Auto schon immer gefallen», erklärt Rolf Wächter und blickt mit Wohlgefallen auf den dunkelblauen Renault R4 mit dem glänzenden Chrom-Kühlergrill. «Mir gefallen einfach die Front dieses Autos, aber auch seine aussergewöhnliche Schubladenschaltung.»

Bis allerdings der kleine Renault, der von einem Motörchen mit gerade mal 747 Kubikzentimetern Hubraum und einer Leistung von 27 PS angetrieben wird, wieder so prächtig dastand, war einiges zu tun.

«Der Arbeitsaufwand für die Restaurierung dürfte zwischen 800 und 1000 Stunden betragen haben», meint Rolf Wächter und lächelt mild. «Ich habe es aber aufgegeben, die Stunden zu zählen. Es ist schliesslich ein Hobby.»

Bis zur letzten Schraube demontiert

Auf das Auto gestossen war Rolf Wächter vor zehn Jahren in Frankreich. «Ich war damals auf der Suche nach Teilen für einen anderen alten Renault», sagt er. «Da habe ich diesen R4 gesehen, der bei einer Garage an der Strasse stand.

Ich habe das Auto gekauft und es dann mit dem Gedanken, dass ich dann schon einmal etwas daran machen würde, vorerst zu Hause eingelagert.» Für drei Jahre stand der Renault in einer Scheune, bevor die Restaurierung in Angriff genommen wurde.

«Das Auto ist bis auf die letzte Schraube komplett demontiert worden», erklärt Rolf Wächter und zeigt ein Fotobuch, in dem der Verlauf der Arbeiten minutiös dokumentiert ist. Er weist dabei auf ein Bild, das einen halbwüchsigen Burschen an der Arbeit am Plattformrahmen des Autos zeigt und stellt trocken fest: «Das ist mein Sohn. Inzwischen ist er 20 Jahre alt geworden.»

Im Zuge der Restaurierung des Autos sind Motor, Bremsanlage, Kühlsystem und Interieur komplett revidiert, oder – wo sich das nicht mehr machen liess –, ersetzt worden. Zweifellos als hilfreich hat sich die Konstruktion des Autos erwiesen.

Die Carrosserie ist mit 16 Schrauben auf einem Plattformrahmen befestigt. Der Oberbau – das «Hüsli», sagt Rolf Wächter – wurde denn auch vom Boden, der komplett erneuert wurde, getrennt. «Ein grosser Moment», so Rolf Wächter, «war die sogenannte Hochzeit, die Wiedervereinigung der beiden Teile.

Dabei wurde das Hüsli wieder auf den Rahmen montiert.» Im letzten Frühjahr konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Schöner denn je steht der R4 auf seinen schmalen Rädern. Inzwischen ist er auch als Veteranenfahrzeug von der Motorfahrzeugkontrolle abgenommen.

Star an Ausstellungen

Als nicht immer einfach hatte sich die Suche nach bestimmten Ersatzteilen erwiesen. «Wir haben viele Teile zusammengesucht und dabei etliche Oldtimermärkte abgeklappert», erinnert sich Rolf Wächter.

Eine grosse Hilfe bei der Beschaffung von Teilen war der R4-Club in Deutschland. Der Kontakt zu diesem Club verhalf dem R4 im Frühjahr sogar zu einem Auftritt an der «Retro Classic», der grossen Oldtimer-Ausstellung in Stuttgart. Und vor kurzem ist das Auto am internationalen Renault-Treffen in Winterthur mit dem ersten Preis in der Kategorie Oldtimer ausgezeichnet worden.

Eine Beziehung zum Auto

Auf die Frage, ob er sich nochmals auf eine solche Restaurierung einlassen würde, entgegnet Rolf Wächter ohne grosses Zögern: «Nein, mir fehlt die Zeit.» Aus dem Hintergrund ruft seine Frau Silvia: «Aber es war schön.»

Während seiner Ausbildung zum Automechaniker und der Tätigkeit im elterlichen Betrieb habe er an vielen R4 gearbeitet, sagt Rolf Wächter. «Ich habe eine Beziehung zu diesem Auto.

Ich habe immer gesagt, dass ich einmal ein Auto restaurieren möchte, auf dem ich gearbeitet habe. Daher hat es mich gereizt, diesen R4 zu restaurieren.»
Am Wochenende steht jetzt der R4 in der Ausstellung der Garage Wächter, umgeben von einer Nostalgielandschaft mit vielen Antiquitäten und ins richtige Licht gerückt durch einen Kronleuchter.

Zweifellos dürfte dem ebenso sympathischen wie genialen Kleinwagen aus einer früheren Zeit mindestens so viel Aufmerksamkeit zu Teil werden, wie den neuesten Fahrzeugen. Schliesslich ist er einer der wenigen «Überlebenden». Rund 8,5 Millionen R4 sind zwischen 1961 und 1992 gebaut worden. Davon sind 80 000 in der Schweiz verkauft worden. Heute sind gerade noch 187 zugelassen und damit auf der Strasse anzutreffen.

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