Region Brugg

Ohne Stellenabbau kein Überleben: Drei Gastro-Betriebe äussern sich zur Coronakrise

Die neue Coronaverordnung fordert die Aargauer Gastronomie. Drei Betriebe in der Region Brugg erzählen, wie sie sich zurechtfinden.

Sperrstunde, Vierertische, Maskenpflicht. Seit einer Woche gelten für Restaurants verschärfte Coronamassnahmen. Für viele Lokale eine Herausforderung, wie Sandra Meyer bestätigt. Die Geschäftsführerin des Gasthofs Bären in Schinznach-Dorf erzählt: «Für uns hat sich alles geändert. Wir büssen Umsatz jenseits von Gut und Böse ein.» Die Leute hätten Angst, den ­«Bären» zu besuchen – trotz des vom Kanton Aargau geprüften Schutzkonzeptes. Wer vorbeikomme, bleibe nicht lange, sondern mache sich schnell auf den Weg. «Die Vierertische nehmen uns das Gesellige. Das ist besonders für das Weihnachtsgeschäft schlimm. Über 30 Firmen und Private haben ihre Anlässe bei uns abgesagt», sagt Meyer.

Aus der sinkenden Nach­frage musste das Team des «Bären» bereits Konsequenzen ­ziehen: Sechs Mitarbeitende wurden hier und beim Partnerbetrieb, dem Gasthof zum Roten Löwen in Oberrohrdorf, insgesamt entlassen. Zudem gab es eine Reduzierung der Öffnungszeiten. Ab Dezember ist das Restaurant montags geschlossen.

Bereits 31 Gutscheine für Dreigänger verkauft

Ähnliche Erfahrungen machte das Restaurant und Hotel zum Hirschen in Villigen. Nicht nur wurden laut Geschäftsführer Stephane Wirth alle Vereinsanlässe und Weihnachtsessen storniert, sondern auch keine Zimmer mehr gebucht. Wirth ergänzt: «Die Leute reservieren nur noch sehr spontan für ein Essen. Und leider ist die Auslastung schwach.» Die Sperrstunde einzuhalten, sei darum kein Problem. «Ohne die Vereine, die abends noch sitzen bleiben, ist ab 22 Uhr nichts mehr los.»

Um das Geschäft anzukurbeln, setzt das Restaurant auf zusätzliche Angebote. Neben Take-away gibt es seit Samstag neu Gutscheine für ein 3-Gänge-Menü für zwei Personen. Bereits 31 Stück konnten verkauft werden. Das genüge zur Deckung der Fixkosten jedoch nicht: Auch der «Hirschen» musste einen Mitarbeiter entlassen und zwei auf Teilzeit reduzieren. «Reinigen, abwaschen – mittlerweile machen ich und meine Frau alles selbst», sagt Wirth. Er fügt an: «Momentan hält unser Team den ganzen Betrieb für viel weniger Kunden am Laufen. Rentabler als zu schliessen, ist es nicht. Hoffentlich wendet sich das Blatt bald wieder und die Gäste kommen zurück.»

Take-away-Angebot in Mandach wird ausgebaut

«Aufgeben ist keine Option», sagte Monika Weber im April dieses Jahres. Erst Anfang März, also zwei Wochen vor dem Lockdown, hatte sie zusammen mit ihrer Schwester Andrea Wenk die Antrinkete im Restaurant Hirschen in Mandach durchgeführt. Nach dem ersten Schock zogen sie einen Take-away auf. Das einzige Restaurant im Dorf durfte bald wieder auf treue Gäste zählen. Hier wurden den Sommer durch Geburtstage und Hochzeiten gefeiert, bis der Bund die Coronamassnahmen wieder verschärft hat.

«Leider geht es uns nicht super», sagt Andrea Wenk am Mittwochmorgen. Durch die Einführung der Maskenpflicht sei der Umsatz um etwa 60% eingebrochen. Vor allem die älteren Gäste getrauten sich nicht mehr ins Restaurant. Und weil auch sämtliche Vereinsaktivitäten eingestellt sind und die Weihnachtsessen annul- liert wurden, fehlen dem «Hirschen» am späteren Abend die Gäste. Das hat zur Folge, dass die Pächterinnen das Lokal neu um 21 Uhr schliessen und am Wochenende zwei Service-Angestellten kündigen mussten. «Wir mussten die Notbremse ziehen, um die Ausgaben im Griff zu haben. Unter der Woche kümmert sich jetzt Monika allein um den Service und ich stehe allein in der Küche. Am Wochenende haben wir Verstärkung», hält Andrea Wenk fest.

Dankbar stellt die Pächterin fest, dass über Mittag vor allem auch Mandacher fürs Essen in den «Hirschen» kommen. Die Solidarität mit dem einzigen Restaurant im Dorf sei spürbar. Es sei gut, dass eine Genossenschaft das Lokal besitze. Wenk plant das Take-away-Angebot weiter auszubauen, etwa mit Rehpfeffer aus hiesiger Jagd. Am Sonntag seien sogar mehr Menus über den Take-away verkauft worden, als im Restaurant gegessen wurden, fasst die gelernte Köchin die herausfordernde Situation zusammen.

Aargauer Gastro-News 2020

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