Remigen

Ohne freiwillige Helfer geht es im Zoo Hasel nicht

Als Geschäftsleiterin des Zoo Hasel muss Cornelia Da Silva wetterfest sein – im Gegensatz zu ihren Tieren. In den ruhigeren Wintermonaten kann sie sich Tätigkeiten widmen, die in der Sommersaison liegen geblieben sind.

Der Zoo Hasel im Winterschlaf? Fehlanzeige. Im Eingangsbereich stolziert der Hahn auf und ab, das Shetlandpony mustert neugierig die Ankömmlinge, aufgeregtes Vogelgezwitscher und freudiges Hundegebell ist zu hören. Ein Besuch in Remigen lohnt sich schon deshalb, um einen Blick auf das Lama-Baby «Ragusa» oder auf die Ende Oktober geborenen Weissbüschel-Äffchen-Zwillinge zu werfen. «Oder einfach», wie Geschäftsleiterin Cornelia Da Silva sagt, «um die spezielle Atmosphäre zu geniessen.»

«Langweilig wird es uns auch in den kälteren Monaten nicht», sagt Cornelia Da Silva und lacht. Natürlich seien es weniger Gäste, die den Weg in den Zoo finden würden. «Aber wir haben täglich geöffnet und die Pflege unserer Tiere muss gewährleistet sein.» Auch seien sie und ihr Team, bestehend aus fünf Personen samt Lehrtochter und Praktikanten, engagiert an Kindergeburtstagen, in Schulen oder an Firmenanlässen. Esel und Pony sind übrigens – ganz aktuell – mit dem Samichlaus unterwegs. Und regelmässig werden für die Mädchen und Buben Ausritte angeboten, über Weihnachten und Neujahr in stimmungsvoller Umgebung und mit wärmendem Tee im Anschluss. Apropos Weihnachten: Wer nach den Festtagen nicht weiss, wohin mit dem Weihnachtsbaum – Cornelia Da Silva ist dankbare Abnehmerin. Ponys, Esel und Geissen hätten die Bäumchen nämlich zum Fressen, respektive Knabbern gern.

Wintermonate nicht gut für die Zookasse

Nach Regen- und Schneefällen am Mittwochmorgen lässt sich am Nachmittag die Sonne blicken. Eingepackt in eine graue Jacke und ausgestattet mit Schal und robusten Schuhen schreitet Cornelia Da Silva über den aufgeweichten Boden. «Für uns ist es fast besser, wenn es schneit oder wenn es gefroren ist», stellt sie fest. Zwar sei die Kälte bei der täglichen Arbeit nicht immer angenehm, das Hantieren mit den Arbeitsgeräten oft mühsam. «Aber ohne Nässe und Pflotsch ist es einfach sauberer und wir müssen viel weniger putzen.»

Für die Kasse seien die ruhigeren Wintermonate dagegen kein Vorteil, räumt die Zooleiterin ein. «Dafür können wir uns den Tätigkeiten widmen, die in der hektischen Sommersaison liegen geblieben sind.» Als Beispiel nennt sie die Aufräumarbeiten im Keller. Auch Unterhaltsarbeiten stünden an, in den Tiergehegen würden die Böden instand gesetzt mit Kies, Holzschnitzeln oder Sand. «Ohne freiwillige Helfer geht es nicht», betont Cornelia Da Silva. Viele kämen aus dem Verwandten- und Freundeskreis. Jeweils samstags sei eine ganze Gruppe am Werk, kümmere sich gegenwärtig um die Futterküche sowie die teilweise 40 Jahre alten Dächer der Tierbehausungen. «Die Anlage muss laufend erneuert und instand gehalten werden», sagt Cornelia Da Silva.

Im Herbst wurden zig Stunden aufgewendet, um die Strom- und Wasserversorgung auf Vordermann zu bringen, samt frostsicheren Hydranten. Cornelia Da Silva hofft, dass sich die Investitionen – obwohl von aussen nicht zu sehen – auszahlen werden. Zu gut erinnert sie sich an den vergangenen Winter, als der Strom für die Heizungen ausfiel und die Wasserleitungen eingefroren waren. Sie und ihr Team mussten Wasserkanister über das ganze Gelände schleppen. «Wenn man bedenkt, dass ein Pferd bis zu 30 Liter pro Tag trinkt, kann man sich vorstellen, wie gross der Aufwand war.»

Tierpflegerberuf ist anstrenged

Ein Affe sitzt im Aussengehege, lässt sich die Sonne auf das Fell scheinen. «Die Affen haben zwar einen geheizten Innenraum, können aber selber entscheiden, wo sie sich aufhalten wollen», erklärt Cornelia Da Silva und ergänzt: «Einige der exotischen Tiere wie die Nasenbären sieht man im Winter kaum.» Die Lamas dagegen seien das ganze Jahr im Freien und immer gut zu beobachten. «Und die Alpakas können bei Schneefall sehr aufgeregt sein.» Bei der Pflege werde auf die Stimmungen und besonderen Bedürfnisse Rücksicht genommen, sagt die Zooleiterin. «Die Vögel brauchen beispielsweise sehr viel mehr Körner, um ihren Energiebedarf zu decken.» Bei der Pflege seien das Gespür und die Erfahrung entscheidend.

Was ist der Zooleiterin lieber, Sommer oder Winter? «Ich geniesse alle Jahreszeiten», sagt sie. Sowieso, ein Leben ohne Tiere kann sie sich nicht vorstellen. «Viele haben aber ein falsches, viel zu romantisches Bild vom Beruf des Tierpflegers. Es braucht Leidenschaft und die Arbeit kann körperlich sehr anstrengend sein.» Und auch wenn man mit einem Zoo nicht reiche werde: «Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen», sagt Cornelia Da Silva und lacht. «Etwas anderes möchte ich nicht machen.» Diese Worte nimmt man ihr gerne ab. Dann muss sie los. Ponyreiten steht auf dem Programm.

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