Brugg-Windisch
Ohne die Stiftung Visionmitte gäbe es das neue Hochschulquartier nicht

Bevor sich die Stiftung Visionmitte zurückzieht, legt sie Rechenschaft ab: Am Dienstagabend hat unter dem Titel «Visionmitte packt die Koffer» die Schlussveranstaltung im Brugger «Odeon» stattgefunden – samt Podiumsgespräch und Buchvernissage.

Michael Hunziker
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Podiumsgespräch mit (von links) Daniel Kündig, Ursula Renold, Hans-Peter Widmer, Alex Hürzeler und Hans Vogel
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Walter Tschudin will die druckfrischen Bücher schnell unter die Leute bringen
Ursula Renold hofft, dass die Fachhochschule zu einem Magnet für alle Wissensdurstigen wird
Daniel Kündig gilt als Urvater des Visionmitte-Prozesses
Hans Vogel ist Hauptautor des Buches Visionmitte 2001-2013
Alex Hürzeler ist überzeugt, dass die Konzentration auf einen Standort zum Erfolg geführt hat
Ohne die Stiftung Visionmitte gäbe es das neue Hochschulquartier nicht

Podiumsgespräch mit (von links) Daniel Kündig, Ursula Renold, Hans-Peter Widmer, Alex Hürzeler und Hans Vogel

Michael Hunziker

Der Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) an der Grenze von Brugg und Windisch steht, der Betrieb läuft. Ohne die Stiftung Visionmitte aber gäbe es das Hochschulquartier nicht, wären die Fachhochschulen Technik, Wirtschaft und Pädagogik nicht an einem einzigen Standort zusammengeführt worden, wäre nicht der bedeutendste Bildungsplatz zwischen Zürich, Basel und Bern entstanden.

Bevor sich die Stiftung auflöst, ist an der Schlussveranstaltung unter dem Titel «Visionmitte packt die Koffer» am Dienstagabend im «Odeon» in Brugg im Beisein von zahlreichen Gästen Bilanz gezogen worden. Präsentiert wurde bei dieser Gelegenheit das Buch «Visionmitte 2001–2013». Im 150-seitigen Werk ist die Entstehung des ambitiösen und komplexen Unterfangens dokumentiert, das ein Investitionsvolumen von rund 500 Mio. Franken ausgelöst hat. Zu Wort kommen wichtige Zeugen und Akteure.

Obwohl beim Grossprojekt einige Hürden zu nehmen waren, sei die Entwicklung erstaunlich linear verlaufen, stellte Hauptautor Hans Vogel fest. Nach 2001 sei das Vorhaben nie ernsthaft infrage gestellt worden. Einzig in der Phase, als es um den Campussaal ging, seien sich einzelne Vertreter in Haare geraten.

Auch wenn immer wieder Zweifel zur demokratischen Entscheidungsfindung geäussert würden: Die Visionmitte zeige exemplarisch auf, wie strittige politische Prozesse beschleunigt werden könnten, fuhr Vogel fort. Als Grund nannte er den für die Schweiz typischen, breit abgestützten Prozess. Konflikte könnten elegant und kostengünstig gelöst werden. Anders gesagt: Die direkte Demokratie sei erfolgreich, weil sie die Opposition ernst nehmen müsse.

Zwar könne der volkswirtschaftliche Nutzen des Campus nicht beziffert werden: Aber welches auch immer die Impulse seien, Grund zum Feiern gibt es laut Vogel sowieso. Mit dem Buch werde Rechenschaft abgelegt – ohne etwas auszulassen, ohne etwas hinzuzufügen, so der Hauptautor weiter. Es soll Freude bereiten als Erinnerung, Erfahrungsbericht oder Weiterbildung. Es gelte, ergänzte Walter Tschudin, der ehemalige Gesamtprojektleiter Visionmitte, die 1000 druckfrischen Exemplare schnell unter die Leute zu bringen.

Ursprünglich war Hotel geplant

Vor der Buchvernissage und dem Apéro führte Journalist Hans-Peter Widmer durch ein Podiumsgespräch. Als Gäste Red und Antwort standen Daniel Kündig, Architekt und Initiant des Visionmitte-Prozesses; Ursula Renold, Präsidentin Fachhochschulrat FHNW; Alex Hürzeler, Regierungsrat.

Kündig wurde als Urvater der Visionmitte bezeichnet. Er erinnerte daran, dass für das Areal ursprünglich ein fertiges Hotelprojekt vorlag. Der Architekt aber hatte plötzlich seine Bedenken und stellte sich die Frage, was an den Rändern der Gemeinde entstehen könnte. Die Visionmitte sei gelungen, fasste Kündig zusammen. Leise Kritik äusserte er indes an der Haltung einzelner Beteiligter, daran, dass mit der Zeit Einzelinteressen immer stärker durchgedrungen seien. «Ich glaube fest daran, dass wir über unsere Haltungen nachdenken müssen.» Er nehme von der Visionmitte sehr viel mit, begrüsse trotzdem, dass die Stiftung aufgelöst werde, dass Raum geschaffen werde für neue Visionen, sagte Kündig.

Magnet für Wissensdurstige

Ursula Renold zeigte sich überzeugt, dass die Frage, ob eine Region über eine Hochschule verfüge, in Zukunft immer wichtiger werde. Die Anwesenden hätten viel Gutes getan, um vielen Menschen eine inspirierende Zukunft zu ermöglichen. Sie hoffe, dass die Fachhochschule zu einem Magnet für alle Wissensdurstigen werde.

Die Konzentration auf einen Standort habe zum Erfolg der Fachhochschule beigetragen, sagte Alex Hürzeler. Anders ausgedrückt: Die Grundüberlegungen, die schon 2001 angestellt wurden, seien richtig gewesen. Denn ein grosser Campus sei eine echte Chance und habe eine grosse, nationale Ausstrahlung. Die bauliche Entwicklung sei abgeschlossen, die inhaltliche Entwicklung aber habe eben erst eingesetzt, so der Regierungsrat.

Diesen Ausführungen schloss sich Stiftungsratspräsident Hanspeter Scheiwiler in seinem Schlusswort an. Die Visionmitte habe einen grossen Teil ihrer Aufgaben erfüllt. In einem nächsten Schritt müsse die Vermarktung angepackt werden.