Bezirk Brugg
Offene Kirchentüren ziehen Besucher an

Verschiedene Kirchen öffnen ihre Türen für Besucher und Interessierte – zu Problemen kommt es höchst selten

Karin Pfister
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Seit Anfang April sind die Kirchentüren in Bözen von 9 bis 18 Uhr geöffnet. kpf

Seit Anfang April sind die Kirchentüren in Bözen von 9 bis 18 Uhr geöffnet. kpf

Karin Pfister

Seit Anfang April ist die Türe der Kirche Bözen jeden Tag von 9 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Dass das Angebot bereits genutzt wird, zeigen verschiedene Einträge von Wanderern, die sich im neu aufgelegten Gästebuch eingeschrieben haben. Hauptgrund für die Öffnung war aber nicht der Gedanke an Touristen, sondern der Friedhof, der gleich neben der Kirche liegt. Pfarrer Peter Lüscher: «Wir möchten den Friedhof-Besuchern die Möglichkeit bieten, sich zurückzuziehen und in Ruhe einkehren zu können.»

Angst, dass die offene Kirchentüre missbraucht werden könnte, hat der Pfarrer nicht. «Wenn jemand böse Absichten hegt, findet er immer einen Weg, um diese umzusetzen. Eine geschlossene Tür wird ihn nicht daran hindern.» Ein Rest-Risiko könne er aber nicht ausschliessen. Dass dieses eher klein ist, zeigt eine Umfrage bei verschiedenen Kirchen im Bezirk Brugg. An vielen anderen Orten wird die offene Kirchentür schon länger praktiziert und die Erfahrungen sind – von Einzelfällen abgesehen – durchweg positiv.

«Unsere Kirchen sind seit Ewigkeiten tagsüber geöffnet», sagt Thorsten Bunz, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal. Werbung mache man allerdings keine dafür; das Angebot werde aber fleissig benutzt, wie er immer wieder feststelle.

Person übernachtete in Kirche

Sogar rund um die Uhr offen ist die Kirche in Umiken. Pfarrer Wolfgang Sternberg: «Vandalismus hatten wir noch nie, aber wir hatten einen Besucher, der regelmässig in der Kirche übernachtet hat. Die Kirchenpflege hat entschieden, dass dies nicht erwünscht ist, und wir haben versucht, für diese Person, die offenbar keine Wohnung hatte, eine Unterkunft zu organisieren.»

Während der Nacht geschlossen, aber tagsüber offen ist die reformierte Kirche in Brugg. «Das geht bestens», so Pfarrer Christoph Suter. «Es hat immer wieder ganz verschiedene Leute darin. Einerseits Touristen, andererseits Menschen, die Einkehr und Meditation suchen. Ein Besucher spielt jeweils Mundharmonika in der Kirche; das hallt so schön.»

Sehr geschätzt werde die offene Kirchentür auch in der reformierten Kirche Windisch, wie Laura Schnellmann von der Kirchenpflege weiss. Da die Kirche am Legionärspfad liegt, seien vor allem Touristen froh um die Gelegenheit, etwas Ruhe zu finden. Neu in Windisch ist, dass die Kirchentür nicht mehr – wie noch an vielen Orten üblich – jeden Morgen vom Sigrist geöffnet werde, sondern per Computer.

Regelmässige Kontrollen

Zu den willkommenen Besuchern der katholischen Kirche in Brugg gehören Spaziergänger des nahegelegenen Altersheims, so Gemeindeleiter Simon Meier. Er ist der Einzige, der mit der offenen Kirchentür negative Erfahrungen gemacht hat. «Es kam in den vergangenen drei Jahren zweimal vor, dass jemand versucht hat, Geld aus dem Kässeli zu fischen.» Um das Risiko von Diebstählen zu senken, mache der Sakristan regelmässig Kontrollgänge. Ausserdem sei die Kirche hin und wieder als Aufenthaltsraum benutzt worden, was ihn grundsätzlich aber nicht störe, wenn nichts zerstört oder gestohlen werde. Die positiven Erfahrungen der offenen Kirchentüre überwiegen auch in seiner Kirche die negativen, so Meier weiter.

Ganz geschlossen ist die reformierte Kirche in Thalheim. Dies allerdings nur, weil die Orgel revidiert wird. Pfarrer Stefan Huber:«Normalerweise ist unsere Kirche 24 Stunden geöffnet. Da momentan die Einzelteile der Orgel in der Kirche rumliegen, wollten wir kein Risiko eingehen und lassen die Türe zu, bis die Orgel wieder in Betrieb genommen werden kann.»