Husky-Besitzer

Oberflachser ist mit 32 Pfoten unterwegs

Als Musher ist der Oberflachser Andy Matsch erfolgreich in die Fussstapfen seiner Frau Janine getreten. «Die Hunde sind meine Teamkollegen, die mehr leisten als ich», sagt Matsch.

Der Blick von der Halde hinüber zu den Rebhängen des Schenkenbergertals ist fantastisch. Wer an der Tür des Zwei-Familien-Hauses Nummer 17 klingelt, wird nicht von Gebell begrüsst, aber von Hundeblicken neugierig beäugt. In einem grossen Zwinger hinter dem Haus sind zwölf reinrassige Siberian Huskys daheim. «Sie bellen selten, aber sie heulen», klärt Andy Matsch unter der Tür auf. Mit seiner Frau Janine, dem bald 4-jährigen Sohn Jaro und der 11 Monate alten Tochter Irina ist der 40-Jährige glücklich, mit der Parterrewohnung eine Bleibe gefunden zu haben, die sie mit dem Hunderudel teilen können.

Als 13-Jährige hatte Janine – damals noch Eichmann – ihre Liebe zu Schlittenhunden entdeckt. Mit 25 Jahren hatte sie ihren ersten Siberian Husky gekauft: «Paluk, inzwischen elfjährig, läuft immer noch Rennen», erklärt sie stolz. Zwischen dem vergangenen 23. Januar und dem 6. Februar war Pamuk einer der acht Hunde, die mit Andy Matsch auf dem Schlitten an zwei namhaften Rennen in Tschechien und Deutschland in ihrer Kategorie Silber gewonnen haben.

Bergauf wird Trottinett gefahren

Seit ihrer zweiten Schwangerschaft fährt Janine Matsch, die sehr erfolgreich war, nur noch auf verkürzten Strecken ohne Wertung. In ihre Fussstapfen ist vor zwei Jahren Andy getreten – und, wie die Resultate zeigen, nicht mit weniger Erfolg. Obwohl: «Ich hatte zwar schon immer gerne Tiere, aber bis ich Janine kennen lernte nie einen Hund besessen.»

Bei unserem Treffen trägt er ein T-Shirt mit – klar doch – Schlittenhunden drauf und dem Wort Děstné, das eine Ortschaft im tschechischen Adlergebirge bezeichnet. «Im Januar habe ich dort an einem der längsten Rennen Europas teilgenommen. Von Dienstag bis Samstag haben wir auf Strecken zwischen 33 und 86 Kilometern insgesamt 332 Kilometer absolviert», berichtet Matsch, der mit einer Gesamtzeit von 31:51:16 Zweitbester wurde. Und fügt strahlend an: «Die Hunde sind meine Teamkollegen, die mehr leisten als ich.»

«Die Gegend dort, ein Naturschutzgebiet, ist wunderschön», schwärmt der Musher, der im flachen Gelände das Gespann auf dem Schlitten stehend hauptsächlich durch Kommandos führt. «Geht es bergauf, steige ich ab und laufe nebenher oder ich fahre, mit einem Fuss auf der Kufe, Trottinett», erklärt Matsch. «Pausen werden jeweils nur ganz kurze eingeschaltet, um den Hunden einen Happen zu füttern und zu trinken zu geben.»

Nach Tschechien war das Ehepaar mit beiden Kindern und allen zwölf Hunden gefahren. Andy Matsch, von Beruf Mechaniker, hatte ein Wohnmobil so umgebaut und eingerichtet, dass Mensch und Hund bequem transportiert werden können. «Die Hunde wohnen während der Rennen darin, wir Zweibeiner nur in Ausnahmen. Sind wir zu viert unterwegs, übernachten wir am Zielort in einer Pension.»

Im Sommer mit dem Quad

Nach den Rennen in Děstné, wo das letzte Rennen am 27. Januar stattfand, hat die Familie sich unterwegs ein paar Tage Ferien gegönnt. Eine Woche später aber ging Andy Matsch mit denselben acht Hunden im bayrischen Inzell erneut an den Start und gewann in den Rennen über 25 und zweimal 30 Kilometer wieder Silber. «Jedes Rennen hat seinen eigenen Charakter. Das in Inzell ist schneller. Da laufen die Hunde mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. In Tschechien hingegen gilt es viele Höhemeter zu überwinden, sodass wir nur mit zwischen 10 und 13 Stundenkilometer unterwegs sind.»

Nach knapp drei Tagen daheim in Oberflachs gingen Jaro und Irina zur Oma in die Ferien, während ihre Eltern am vergangenen Mittwoch mit den Hunden in westlicher Richtung wieder losgefahren sind, um an einem Rennen im waadtländischen Gryon teilzunehmen. Während Janine Matsch nur zwei halbe Tage auf ihrem angestammten Beruf als Praxisassistentin arbeitet, vor allem aber seit vier Jahren zu Hause als ausgebildete Physiotherapeutin für Tiere tätig ist, hat Andy einen Fulltime-Job bei der Bonbonfabrik Disch in Othmarsingen. Für sein Hobby, das genau betrachtet eine Leidenschaft ist, opfert er einen stattlichen Teil seiner Ferien. «Da die Firma im Sommer jeweils zwei Wochen den Betrieb einstellt, haben wir Mechaniker dann Ferienverbot. So kommen Ferien im Winter ja recht gelegen.»

Mit den Hunden wird im Übrigen auch im Sommer trainiert. «Ich habe bei einem Quad den Motor ausgebaut, dass er leichter ist. Davor spannen wir die Hunde ein, worüber sie sich jeweils sicht- und hörbar freuen. Wegen der Hitze allerdings fahren wir nur eine Stunde täglich und immer durch den Wald.»

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