«Die Faszination für den Motorsport war schon immer in mir drin», stellt Urs Hauenstein fest. «Mein Vater war zwar sehr interessiert am Motorsport, selber aber nie aktiv. Ich hatte jedoch schon als kleiner Bub stets im Hinterkopf, Autorennen zu fahren.»

Dieses Ziel hatte Urs Hauenstein – der bis zu seiner Pensionierung während 35 Jahren an der Bezirksschule in Schinznach-Dorf Deutsch, Französisch und Englisch unterrichtete – 1967 erreicht. Im Jahr zuvor hatte er sich einen Lotus Elan zugelegt. Ein Auto, das durch die Agentin Emma Peel in der Fernsehserie «Mit Schirm, Charme und Melone» Kultstatus erlangt hat. «Wenn ich ein Auto zurückkaufen könnte», gesteht er, «wäre es dieser Lotus. Er war Alltags- und Rennauto, und mit ihm sind viele andere Erlebnisse verbunden.»

Aktiv Motorsport zu betreiben, sei damals noch einfacher gewesen als heute, erklärt Urs Hauenstein. Mit dem Lotus Elan absolvierte er in Monthléry in Frankreich einen Ausbildungskurs und nahm an der Schweizer Meisterschaft teil. «Damit war aber 1970 schon wieder fertig», sagt er. «Ich liess mich nicht gerne in ein Schema pressen.»

Internationale Erfolge

Der Motorsport verlor für ihn jedoch nicht an Faszination. Von 1977 bis 1981 nahm Urs Hauenstein auf einem Renault Alpine A110 an der Europa-Bergmeisterschaft teil. Dabei belegte er zweimal in der Jahreswertung den 4. Rang. Die Teilnahme an der Europa-Bergmeisterschaft liess sich mit seinem Beruf jedoch nur schlecht vereinbaren. «Ich konnte ja nicht gut am Sonntag, beispielsweise in Portugal, ein Rennen bestreiten und am Montagmorgen in Schinznach-Dorf im Schulzimmer stehen», meint er. «Ab 1977 bin ich wenig in der Schweiz, dafür in halb Europa Rennen gefahren. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, jedes Jahr an einer exotischen Destination ein Rennen zu fahren.»

So nahm er unter anderem 1981 in Montenegro an einem Bergrennen teil. «Seit kurzem habe ich sogar eine Rangliste dieses Rennens», sagt er und zeigt ein hektografiertes Blatt, aus dem hervorgeht, dass er «als Gast» am Bergrennen auf den Lovcen teilgenommen hat und auf der 14 Kilometer langen Strecke 30 Sekunden schneller war als der offizielle Sieger. «Die Einheimischen fuhren allerdings mit Tourenwagen», stellt er fairerweise fest.

Urs Hauenstein wagte aber auch einen Ausflug in den Formel-Rennsport – mit einem Formel-III-March-Rennwagen, der vorher Philipp Müller gehört hatte. «Das brachte mich finanziell aber schon etwas ans Limit», räumt er ein. «Ich habe den March verkauft, den Alpine nochmals hervorgeholt und abgestaubt. 1979 bin ich dann über den Griffon gestolpert – einen Rennsportwagen, der in der Schweiz gebaut worden ist.» Den habe er zusammen mit einem etwas später dazugekommenen PRS Formel Ford bis letztes Jahr eingesetzt. «Jetzt habe ich aber meine Lizenz nicht mehr erneuert.»

Damit ist aber für Urs Hauenstein das Kapitel Motorsport keineswegs abgeschlossen. In den Vordergrund gerückt ist jetzt die Arbeit an der Dokumentation des Schweizer Motorsports im Hauenstein-Archiv. «Schon als Bub habe ich die Berichte in der «Automobil-Revue» über die Autorennen, die ich zusammen mit meinem Vater besuchen durfte, abgelegt», erklärt er zu den Anfängen des Archivs, das nach mehreren Stationen jetzt in Wangenried im Kanton Bern eine Heimstatt gefunden hat. «Diese Zeitungsberichte waren der Anfang. Ich habe alles aufbewahrt: Programme, Ranglisten und sonstige Unterlagen. Daraus hat sich ein Interesse für Schweizer Rennfahrzeuge entwickelt.»

Seinen Niederschlag gefunden hat dieses Interesse auch in einer umfangreichen «Geschichte der Schweizer Renn- und Sportwagen von 1955 bis 1992», die er 1992 im Rahmen eines Bildungsurlaubs als Semesterarbeit verfasst hat.

«Nachdem die Papierberge immer grösser und der Estrich in meinem Elternhaus immer voller wurde», so Urs Hauenstein, «stellte sich, als das Haus verkauft werden sollte, die Frage: Was mache ich mit meiner Ware? Kollegen haben dann gesagt: Da machen wir ein richtiges Archiv draus.»

Datenbank soll helfen

Mittlerweile belegt das Archiv zwei Lagerräume und verfügt über drei Computerarbeitsplätze. «Wir arbeiten am Aufbau einer Datenbank, die einen einfachen Zugang zu den Dokumenten ermöglicht», sagt Urs Hauenstein. «Wir haben Anfragen, wenn beispielsweise jemand etwas über die Geschichte eines bestimmten Rennfahrzeugs wissen möchte.» Kürzlich sei eine Anfrage nach einem Foto eingegangen, das belegt, dass das betreffende Fahrzeug tatsächlich an einem bestimmten Rennen im Einsatz war.

«Es ist uns ein Anliegen, dass all diese Dinge nicht untergehen», betont Urs Hauenstein zum Engagement für das Archiv. Auf die Frage, wie weit denn auch der Faktor Nostalgie mitspielt, erklärt er: «Diese Komponente ist schon da. Sie wird aber dadurch abgeschwächt, dass ich mich schon immer für diese Sachen interessiert habe.»

Gegenwärtig wird im Hauenstein-Archiv an einer Ausstellung über die Griffon-Rennwagen gearbeitet, die am 25. und 26. März am Oldtimer- und Teilemarkt in Fribourg zu sehen sein wird. «Von den insgesamt 14 Griffon-Rennwagen, die der Genfer Konstrukteur Jean-Louis Burgnard gebaut hat, sind bis auf ein Fahrzeug – von dem nur noch die Lenkung existiert – alle noch vorhanden», erklärt Urs Hauenstein. Sechs dieser Autos werden in Fribourg ausgestellt.» Selbstverständlich wird auch sein Griffon dabei sein.