Brugg
Ob Zwischenmenschliches oder Musik: Er ist ein Freund der sanften Töne

Der junge Giuseppe Raccuglia ist der neue Kirchenmusiker der katholischen Kirche. Er erzählt, woher seine Leidenschaft für die Orgel kommt und welche Momente sein Herz höher schlagen lassen.

Barbara Schlunegger
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Der neue Kirchenmusiker Giuseppe Raccuglia liebt das Orgelspiel. bab

Der neue Kirchenmusiker Giuseppe Raccuglia liebt das Orgelspiel. bab

Barbara Schlunegger

Der neue Kirchenmusiker der katholischen Kirche Brugg ist kein Schwätzer. Er wählt seine Worte aus, lässt sich Zeit – und trotzdem sitzt ihm unübersehbar der Schalk im Nacken. Giuseppe Raccuglia ist 30 Jahre alt und hat musikalisch schon viel erreicht. Seit Anfang des Jahres ist der junge Italiener, der fliessend Deutsch spricht, für die Kirchenmusik der katholischen Kirche Brugg verantwortlich. Vorher hatte Flavio Dora diesen Posten inne.

Orgel – seine Passion

Bevor ihn der Beruf nach Brugg führte, arbeitete Raccuglia unter anderem in Basel in der Allerheiligenkirche und in Süddeutschland. Dort lebt er auch. Warum denn jetzt Brugg ? Es sei die erste Stelle, an der er als Organist und Chorleiter gleichzeitig angestellt ist, erklärt der Italiener.

Das Orgelspiel ist die grosse Leidenschaft des Kirchenmusikers. Bevor er sein Lieblingsinstrument am Konservatorium in Palermo studierte, widmete sich der Italiener zuerst dem Cembalostudium. Unter der Leitung des renommierten deutschen Organisten Klemens Schnorr schloss er dann den «Master of Music», Fachrichtung Orgel, mit Auszeichnung ab.

Schattenspiel in der katholischen Kirche in Brugg
5 Bilder
Hochkonzentiert am Spielen – Raccuglia
Giuseppe Raccuglia ist Italiener und liebt das Orgelspiel
Das ist seit Januar das neue Gesicht in der katholischen Kirche
Der Kirchenmusiker spielt gerne an der Barock-Orgel

Schattenspiel in der katholischen Kirche in Brugg

Aargauer Zeitung

Eine Kindheitsliebe

Seine Faszination für das mächtige Instrument rührt von der Kindheit. Als Bub sang der Kirchenmusiker im Knabenchor. «Wir durften uns nie dem Spieltisch der Orgel nähern», erinnert er sich. Eines Tages konnte der junge Raccuglia seine Neugier nicht mehr zügeln. Er habe dieses Instrument einfach einmal von Nahem sehen wollen: «Ich war hingerissen von den vielen Knöpfchen und den drei Pedalen.»

Immer öfters geschah es, dass sich der Knabe neben der Orgel wiederfand und dem Organisten über die Schulter schaute. Von da an wusste er etwas genau: «Das ist es, was ich von jetzt an mein Leben lang tun will.» Der wissbegierige Jugendliche besorgte sich auch Lehrmaterial, um zu verstehen, wie die Orgel funktionierte. So hatte der heute Dreissigjährige sich das Orgelspielen nach und nach selber beigebracht. Für die Aufnahmeprüfung musste der begeisterte Organist dann aber doch noch Unterrichtsstunden nehmen.

Feines Gespür für Menschen

Heute ist Giuseppe Raccuglia verheiratet. Erst vor 15 Monaten wurde er stolzer Vater einer Tochter. Und was tut der Familienvater in seiner Freizeit? Raccuglia lacht – er habe für Hobbies seit seiner Anstellung fast keine Zeit mehr. «Als ich noch nicht so viele Verpflichtungen hatte, ging ich oft in den Wald, um zu fotografieren.»

Aber auch wenn er nicht in der Natur fotografiert, wird es Giuseppe Raccuglia bestimmt nicht so schnell langweilig werden: Seine Aufgaben in der Kirche sind vielfältig. Hauptsächlich ist er für die musikalische Untermalung der Gottesdienste verantwortlich. Zudem leitet er die Kirchenchöre Brugg und Schinznach und verteilt die Organistendienste für Brugg und zwei Nachbargemeinden. Auch das Erstellen von Liedplänen gehört zu seinem Kompetenzbereich.

Der Organist hat ein feines Gespür für die Menschen – auch wenn sie singen. «Wenn ich mit der Orgel begleite, bin ich oben auf der Empore. Aber selbst dann merke ich, ob die Gemeinde mit dem Singen mitkommt oder nicht.» Begeistert zeigt sich Raccuglia vom gesanglichen Niveau der Kirchgemeinde: »Die Leute haben erstaunlich sicher und kräftig mitgesungen – toll!»

Das Beste aus zwei Ländern

Die Ziele des Kirchenmusikers für die Zukunft stehen jetzt schon fest: Er will mehr Menschen für die Chormusik begeistern und in die Proben «locken». Und der Organist möchte noch besser Deutsch lernen. Mundart zu verstehen bereite ihm zwar fast keine Schwierigkeiten mehr – trotzdem habe er aber schon so manche lustige Momente wegen des Schweizerdeutschs erlebt. Stolz erzählt der Musiker, dass er schon 20 Mundartausdrücke gelernt hat.

Der Südländer möchte Brugg aufmischen: »Ich bringe italienische Freude und Schwung in die Kirche.» Ein Teil in ihm ist aber schon ziemlich helvetisch: Die Organistendienste zum Beispiel habe er schon bis zum Sommer verteilt. «Ich will alles im Voraus organisieren», sagt Raccuglia zum Schluss fast entschuldigend.