Die Füsse der neuen Pfarrerin der Reformierten Kirchgemeinde Brugg stehen fest auf dem Boden. Bettina Badenhorst ist eine Pfarrerin zum Anfassen. Sie will für die Menschen da sein.

Ob im Garten oder beim Einkaufen: «Ich freue mich, wenn mich die Leute ansprechen und ich mir für sie Zeit nehmen kann – egal wo.» Sie sei nämlich nicht nur am Sonntag Pfarrerin, macht sie deutlich. Die Mutter dreier Kinder wird am Sonntag, 11. Mai in ihr neues Amt eingesetzt (siehe separaten Text). Ganz allein ist Badenhorst aber nicht: Die zweite Pfarrstelle ist wie bis anhin von Christoph Suter besetzt.

Wo sie in ihrer Arbeit als Pfarrerin Schwerpunkte setzen wird, will die Besucherin wissen. Die Deutsche winkt lachend ab. «Wenn man einen Haushalt nicht kennt, kann man ihn auch nicht ändern.» Soll heissen: Badenhorst will sich genügend Zeit lassen, um sich einzuleben, bevor eventuelle Veränderungen ins Auge gefasst werden. Sie weist darauf hin, dass es ihr nicht primär um Änderungen gehe, sondern vielmehr um Begleitung: «Vielleicht entdecken wir als Kirche gemeinsam schlummernde Talente, Ideen oder Baustellen.»

Kirche begegnet Not in DDR-Zeit

Aufgewachsen in der damaligen DDR – explizit im heutigen Vorpommern – begann die heute 44-Jährige 1988 ihr Studium der Theologie an der Universität Greifswald im Norden Deutschlands. Das ernsthafte Anliegen, sich einer theologischen Ausbildung zu widmen, keimte in ihr erstmals als junge Erwachsene auf. Damals ging sie wie viele andere Jugendliche regelmässig im Pfarrhaus ein und aus. «In der Kirche wurden wir zu DDR-Zeiten angenommen; mit allen Fragen und Nöten.» In der sozialistischen Öffentlichkeit hatte nur das Kollektiv gezählt, erzählt die Wahlbruggerin.

Im kirchlichen Umfeld hätte sie das erste Mal den «Freiraum Gottes» geschnuppert. Und deshalb predige sie auch: «Gott hat uns nämlich durch seinen Sohn aus der Knechtschaft befreit und zur Freiheit berufen.» Nach dem Studium folgten zweieinhalb Jahre Vikariat. Drei Monate davon verbrachte sie in Südafrika.

Das Predigerseminar absolvierte Badenhorst in Wittenberg – «ganz an der Quelle», sagt die Pfarrerin lachend. Ihre erste Pfarrstelle trat die lebhafte 44-Jährige in Deutschland an, bevor sie ihr Beruf in die Schweiz führte. Fast neun Jahre verbrachte sie mit ihrer Familie im Oberen Baselbiet in Wintersingen. Jetzt ist die «Pfarrerin mit Migrationshintergrund», wie sie sich mit einem Augenzwinkern nennt, in Brugg gelandet. Hier könne sie nun endlich wieder Rad fahren, weil es nicht so steil ist, sagt Badenhorst.

Sie ist eine Vollblut-Pfarrerin, die ihren Beruf lebt und liebt. Trotzdem kennt sie auch düstere und bedrückende Seiten ihrer Tätigkeit. Badenhorst erzählt, dass sie einmal mit Polizisten nachts um 22 Uhr als Seelsorgerin an eine Gartenparty mitging, um einem Gast eine Todesnachricht zu überbringen. «Prompt brach eine Frau weinend zusammen.» Nachdem die Polizisten das Areal verlassen hat- ten, blieb Badenhorst noch zwei Stunden und betreute die Frau. Es seien solche Situationen, die einem bewusst machen, dass man auch als Seelsorgerin echt gebraucht wird, sagt die Theologin. In diesen Situationen werde ihr jeweils eins wieder klar: weswegen sie Pfarrerin geworden ist.