Brugg Regio
Nur ein grosser Wurf löst die Verkehrsprobleme

Daniel Moser, der Präsident des Regionalplanungsverbands, sagt, was er vom Projekt «Oase» erwartet. An den grundsätzlichen Zielen, das Zentrum Brugg/Windisch vom Durchgangsverkehr, soll sicher festgehalten werden.

Michael Hunziker
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Südostumfahrung Brugg/Windisch und Entlastung Untersiggenthal Eine neue Strasse führt schon westlich von Untersiggenthal via Turgi über die Limmat und die bestehende Achse durch Gebenstorf. Vor Windisch verschwindet die Umfahrung bis zum Kreisel Baschnagel in einem Tunnel.
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Nordumfahrung Windisch mit Spange Aufeld - Alternative Nordumfahrung Sie bringt ab dem Kreisel Lauffohr eine Spange Aufeld, führt über die Aare; dann wird in Tieflage eine Nordumfahrung Windisch angefügt bis zur neuen Südwestumfahrung Brugg.
Südostumfahrung Brugg/Windisch mit neuer Reussquerung Gestartet wird westlich von Untersiggenthal; Anschluss zwischen Gebenstorf und Birmenstorf an die bestehende Kantonsstrasse, dann über die Reuss und wieder im Tunnel bis zum Kreisel Baschnagel.
Südostumfahrung Windisch mit neuer Aarequerung Beginnend westlich des Kreisels Lauffohr, über das Aufeld, dann über die Aare, Anschluss an die Zürcherstrasse östlich von Windisch, danach im Tunnel bis zum Kreisel Baschnagel.
Nordumfahrung Brugg mit Nord-Süd-Verbindung Westlich des Kreisels Lauffohr wird ein Tunnel durch den Bruggerberg bis zur Bözbergbahnlinie gebohrt. Ab dort führt die Umfahrung oberirdisch entlang der Bahnlinie weiter, über die Aare bis nach Windisch/Anfang Hausen.
Oase Brugg

Südostumfahrung Brugg/Windisch und Entlastung Untersiggenthal Eine neue Strasse führt schon westlich von Untersiggenthal via Turgi über die Limmat und die bestehende Achse durch Gebenstorf. Vor Windisch verschwindet die Umfahrung bis zum Kreisel Baschnagel in einem Tunnel.

ZVG/AZ

Unter dem Titel «Ostaargauer Strassenentwicklung» – kurz «Oase» – sucht der Kanton Lösungen, wie die Agglomerationen Brugg und Baden vom Verkehr entlastet und das Untere Aaretal besser an die Autobahn angebunden werden können. Baudirektor Stephan Attiger und seine Spezialisten haben diese Woche mögliche Lösungen erläutert (az vom 24. März). Für die Region Brugg liegen fünf Grundvarianten vor, die in den nächsten Monaten vertieft geprüft werden. Bestandteile sind neue Strassen genauso wie Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr sowie für den öffentlichen Verkehr.

Daniel Moser, Präsident des Regionalplanungsverbands Brugg Regio, spricht von einem positiven Prozess. Denn die Verkehrsprobleme seien vorhanden. Es herrsche ein gewisser Zeitdruck. Vorerst gelte es, alle Optionen offenzuhalten. Sämtliche Varianten müssten auf ihre Machbarkeit unter die Lupe genommen werden, ohne dass frühzeitig Lösungen ausgeschlossen oder favorisiert würden. Das Rennen machen müsse am Schluss derjenige Vorschlag, mit dem die Probleme tatsächlich gelöst, und nicht einfach nur verschoben werden.

Kein Gegeneinander

An den grundsätzlichen Zielen – zu denen die Befreiung des Zentrums Brugg/Windisch vom Durchgangsverkehr gehört – soll festgehalten werden, betont Moser. Ohne vorgreifen zu wollen, ist er überzeugt, dass eine grosszügige Lösung, ein grosser Wurf, gefragt ist. Wie dieser aussieht – östlich und südlich oder nördlich der Aare – werde sich bei der Auswertung zeigen. «Es braucht den Willen der ganzen Region.»

Partikularinteressen oder Fragen rund um die Finanzierung, fährt Moser fort, seien in der jetzigen Phase fehl am Platz. Selbstverständlich müsse aber sorgfältig mit dem begrenzten Raum und der wertvollen Landschaft umgegangen werden. Wichtig sei überdies der komplette Ansatz. Will heissen: Das Augenmerk gelte nicht nur dem motorisierten Individualverkehr, sondern auch dem Langsamverkehr und dem öffentlichen Verkehr auf Strasse und Schiene. Es sei kein Gegeneinander der einzelnen Verkehrsträger, vielmehr müssten sich diese ergänzen – und damit voneinander profitieren. Als Beispiel nennt der Planungsverbandspräsident die Zurzacherstrasse: Stehen die Autos heute im Stau, gibt es auch für den Bus kein Durchkommen.

Moser ist sich bewusst, dass nicht überall Freude aufkommt, wenn neue Strassen geplant werden. Trotzdem: «Es muss ein Zusammenspiel der verschiedenen Kreise und Gruppierungen sein – vom Naturschützer bis zum Autofahrer. Schliesslich wollen wir die Situation verbessern.»

Die vorliegenden Varianten des Projekts Oase bauen auf dem Zeithorizont 2040 auf. Weil die Prozesse lange dauern, sind laut Moser die Zwischenschritte von Bedeutung. Die bereits beschlossenen Massnahmen müssten konsequent umgesetzt werden. Er erwähnt das Verkehrsmanagement oder die Südwestumfahrung. «An diesen Vorhaben ändert sich nichts.»

Der Fiebermesser der Region

Als Präsident des Planungsverbands wird er die anstehenden Schritte als Vertreter in der Behördendelegation aufmerksam verfolgen. Er sei eingebunden, bezeichnet sich als Fiebermesser der Region. Einfliessen werden die Überlegungen des Projekts «Oase» übrigens auch in das Räumliche Entwicklungsleitbild (RELB) in Brugg und Windisch, führt Moser weiter aus. «Wir wollen das Zentrum aufwerten. Das RELB macht gute Aussagen darüber, welche Richtung eingeschlagen werden kann.»

Der Planungsverband Brugg Regio hat sich innerhalb seiner bestehenden Arbeitsgruppe «Raumentwicklung und Mobilität» mit den verschiedenen Vorschlagsvarianten auseinandergesetzt, mit dem Ziel, eine regionale Grundhaltung – die in das weitere Vorgehen einfliessen soll – zu erarbeiten. In der zweiten Hälfte dieses Jahres will der Kanton die Bestvariante des Projekts «Oase» vorstellen, damit anschliessend das Richtplanverfahren gestartet werden kann.