Dieser Einsatz an der steilen Aareböschung in Brugg hat es in sich: In schwindelerregender Höhe befestigt ein Forstwart am oberen Teil einer Fichte das Stahlseil, das an einen Kran hängt. Dann klettert der junge Mann den Stamm hinunter. Einsatzleiter Ruedi Graf steht auf dem Pausenplatz bei der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales (BFGS) und gibt ihm über Funk Anweisung. Aus der Distanz kann Graf gut beurteilen, wo der Forstangestellte mit der Motorsäge den ersten Schnitt machen soll. Dann geht es Schlag auf Schlag: Nur kurz surrt die Motorsäge. Sofort zieht der Kranführer die Fichtenspitze hoch und schwenkt sie durch die Luft elegant zum Pausenplatz. Dort wird das Holz aussortiert.

An der Aareböschung in Brugg fliegen Späne und Bäume.

An der Aareböschung in Brugg fliegen Späne und Bäume.

Am Fussweg aareaufwärts ist an diesem Dienstagmorgen noch ein zweites Team vom Forstbetrieb Brugg mit einer Seilwinde am Werk. Nur wenige Meter vom Wasser entfernt, zersägt ein Forstwart den gefällten Baum in transportierfähige Stücke. Keine leichte Arbeit. Denn nach den Regenfällen der vergangenen Tage ist der Boden nass und glitschig. Aus Sicherheitsgründen fällt der Forstbetrieb Brugg im Auftrag des Kantons rund 55 Bäume entlang der Aareböschung.

Arbeitsunterbruch wegen Sturm

«Diese nicht alltägliche Arbeit ist sehr interessant», sagt Förster Markus Ottiger. Neben Einsatzleiter Ruedi Graf stehen insgesamt vier Forstwarte – drei davon mit Kletterkenntnissen – sowie zwei Lernende vom Forstbetrieb Brugg im Einsatz. Am Montagnachmittag musste die anspruchsvolle Baumfäll-Aktion wegen des Sturms allerdings unterbrochen werden.

Wie immer, wenn Bäume nahe dem Siedlungsgebiet angezeichnet werden, gebe es Reaktionen aus der Bevölkerung, erzählt Markus Ottiger. Die Einen möchten, dass noch mehr Bäume verschwinden, damit die Sicht auf die Aare frei wird. Die Anderen trauern jedem Baum nach, obwohl er krank oder völlig abgestorben ist. Mit Blick auf die gefällte Fichte sagt Ottiger: «Früher waren die Bäume hier an der Aare gar nicht so gross, weil die Bevölkerung laufend Holz benötigte.» Heute ist das anders.

Die Nachfrage ist gering und die Preise sind am Boden. Ottiger sagt: «Eigentlich wäre es ideal, wenn wir alle gefällten Bäume als Energieholz weiterverwenden könnten. Doch das ist leider wegen der fehlenden Nachfrage nicht möglich, deshalb müssen wir das Holz mit zusätzlichem Aufwand aussortieren.» Ein Zwischenhändler aus dem Kanton Luzern wird am Freitag auf dem Pausenplatz bei der BFGS in Brugg aus dem Kleinholz Energieholz hacken. «Er ist froh, damit den Laubholz-Anteil in seinem Produkt zu vergrössern», so Ottiger. Die grossen Stämme gehen zu einem schlechteren Preis an die einzige Spanplatten-Fabrik in der Schweiz im luzernischen Menznau.

Eine unbefriedigende Situation

Die Stadt Brugg decke ihren Energiebedarf nur zu 1 Prozent mit Holz ab, obwohl der Forstbetrieb Brugg sofort und problemlos einen Drittel übernehmen könnte, erklärt der Förster die aus seiner Sicht unbefriedigende Situation. «Diese Energie wächst bei uns vor dem Haus. Eigentlich sollten wir sie auch hier nutzen.» Bereits Kunde des Forstbetriebs Brugg ist der Schweizerische Bauernverband, der rund 1000 Kubik Energieholz pro Jahr bezieht. Total könnte der Forst aber 24 000 bis 30 000 Kubik zur Verfügung stellen.

Markus Ottiger ist überzeugt, dass es zunehmend schwieriger werden wird, die Bedürfnisse des Forstbetriebs sowie der Eigentümer, Waldnutzer und Holzkunden auf einen Nenner zu bringen. In der Zwischenzeit hat der Forstwart nach dem dritten Schnitt an der Fichte wieder festen Boden unter den Füssen. Die schweisstreibende Arbeit geht – unter Beobachtung einiger Passanten – beim nächsten rot markierten Baum weiter.