Windisch

Noch zwei weitere Bären bewachen die Windischer Kirche

Der eingerüstete Kirchturm in Windisch wird demnächst umfassend saniert und erhält neu einen Verputz.

Dem über 2 Meter hohen Bären, der als Relikt aus der Bernerzeit auf dem Windischer Kirchturm die Zunge gegen die Grafschaft Baden ausstreckt, kommt ein besonderer «Verdienst» zu. Als Ernst Rauber den Meister Petz inspizierte, stellte er fest, dass dieser akut absturzgefährdet war. Er musste unverzüglich mit Seilen gesichert werden. Dieser Zustand gab den Anstoss, auch den Zustand des Turmes zu untersuchen. Tatsächlich zeigten sich auch dort Schäden, stellenweise drang sogar Wasser ins Innere ein.

Drohnen fertigten im August 2013 hervorragende Turmaufnahmen an. «Der Drohneneinsatz war überaus wertvoll und günstig», stellt Rauber, in der Kirchenpflege für das Ressort Bau verantwortlich, fest. Im November 2014 genehmigte die Kirchgemeindeversammlung einen Projektierungskredit (inkl. Gerüstaufbau) von 77 000 Franken für die genaue Abklärung der Schäden und der notwendigen baulichen Massnahmen, und am 15. November 2015 hiess die Versammlung den Baukredit von 477 000 Franken für die vom Architekturbüro Tschudin+Urech AG projektierte Kirchturmsanierung gut. Gemäss den bisherigen Arbeitsvergaben kann der Kostenvoranschlag eingehalten werden. Die kantonale Denkmalpflege leistet einen Beitrag von 99 700 Franken.

Baubeginn ist im April

In einem Gespräch mit der az informierten seitens der Kirchenpflege Ernst Rauber, Ernst Götti (Öffentlichkeitsarbeit) und die Präsidentin Barbara Stüssi-Lauterburg über Vorgeschichte und weiteres Vorgehen. Als Erstes werden der grosse Bär und das Uhrwerk vom Turm gehievt – per Helikopter oder mit grossem Autokran, worauf sie in speziellen Werkstätten restauriert werden. Die eigentlichen Bauarbeiten durch die auf die Renovation von Denkmalbauten spezialisierte Firma Gebr. Sekinger AG, Würenlos, beginnen Anfang April und dauern bis Juli oder August 2016.

Wie sich bei der Begehung des Gerüstaufbaues zeigt, finden sich im Kalkstein-Mauerwerk viele Abplatzungen, Löcher und Grasbewuchs, auch die angebrachten Wappen, Schriften und Reliefs haben stark gelitten. Vor der letzten Renovation war der Turm vollflächig verputzt. 1949 verzichtete man darauf, da es damals üblich war, denkmalgeschützte Objekte mit Sichtmauerwerk zu zeigen – worauf diesem die Witterung zusetzte. Deshalb soll nun wie in früheren Jahrzehnten wieder ein Verputz angebracht werden. Ein Labor wird bei Turmanalysen die richtige Zusammensetzung eruieren.

Kugelöffnung und weitere Bären

Am Sonntag, 10. April, wird im Anschluss an den Gottesdienst die im Turm untergebrachte grosse Kupfer-Kugel im Rahmen eines feierlichen Anlasses geöffnet. Sie enthält Dokumente, die bei der letzten Renovation eingefüllt worden waren. Am 10. April werden dann Dokumente aus der heutigen Zeit eingebracht.

Was nur wenige Eingeweihte wissen: Auf dem Kirchturm befindet sich noch ein zweiter, kleinerer Bär, der das Berner Wappen mit dessen Bären in den Pranken hält. Sie sind in der Vertiefung des östlichen Zifferblatt-Rondelles eingebaut und dort gut geschützt. Vom Boden aus sind diese Bären kaum sichtbar.

Für die Restaurierung des grossen Artgenossen im Kostenbetrag von über 40 000 Franken hat die Kirchenpflege bereits mehrere Sponsoren gefunden. Rund drei Viertel der Kosten können auf diesem Weg berappt werden. Einen stattlichen Beitrag leistet auf das Windischer Gesuch hin die Burgergemeinde Bern: Sie greift diesem «östlichsten Bären aus der Bernerzeit» grosszügig unter die Arme, will sagen unter die Pranken.

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