Brugg/Windisch
Nichtmitglieder konnten nur gegen Aufpreis in der Landi einkaufen

Die Landi Wasserschloss wurde von 32 Männern ins Leben gerufen und feiert nun das 125-Jahr-Jubiläum. Früher profitierten nur Mitglieder der Genossenschaft vom Angebot. Ein Historiker blickt auf die bewegte Geschichte zurück.

Titus J. Meier*
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1985 wurde am Platz des Restaurants Güterhalle ein grosses Silo erbaut. Fotos: zvg

1985 wurde am Platz des Restaurants Güterhalle ein grosses Silo erbaut. Fotos: zvg

Das ausgehende 19. Jahrhundert war eine Zeit des Auf- und Umbruchs. Während an vielen Orten in der Schweiz die Industrie aufblühte und Menschen in grösseren Scharen dorthin zogen, wo es Arbeit gab, befand sich die Landwirtschaft in der Krise.

Mit verschiedenen Massnahmen versuchte man, die Situation zu verbessern: Eröffnung einer kantonalen landwirtschaftlichen Winterschule in Brugg (1887), Gründung des Schweizerischen Bauernverbandes (1897) und Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften.

Von 32 Männern ins Leben gerufen

Am 8. Januar 1888 trafen sich unter dem Vorsitz von Grossrat Hans Werder 32 Männer im Roten Haus in Brugg zur Gründungsversammlung der Landwirtschaftlichen Genossenschaft Brugg (LGB). Der Anstoss dazu war wenige Wochen zuvor durch einen Vortrag des Rektors der Landwirtschaftlichen Winterschule, Heinrich Abt, erfolgt.

Die Genossenschafter verfolgten zwei Hauptziele: Erstens wollten sie durch Vorträge das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge heben und zweitens durch den gemeinsamen Ein- und Verkauf die Produktionskosten mindern und die Erlöse erhöhen.

Das Angebot richtete sich in an die Mitglieder der Genossenschaft, doch liess man gegen Aufpreis auch Nichtmitglieder an den Vorteilen eines zentralen Einkaufs teilhaben. Bereits im ersten Jahr konnten Güter für über 4000 Franken umgesetzt werden. In den folgenden Jahren stieg sowohl der Umsatz als auch die Zahl der Mitglieder stetig an.

Streit mit den Metzgereien

1898 konnte das erste eigene Gebäude direkt am Bahnhof eingeweiht werden. Das Erdgeschoss diente als Lagerraum und als Geschäftslokal für den Konsumwarenverkauf. Während mehreren Jahrzehnten führte die «Landi Brugg» in der ganzen Region an rund 30 Standorten Volg-Geschäfte und versorgte damit vor allem die ländliche Bevölkerung mit den Gütern des täglichen Bedarfs. Verändertes Kundenverhalten und betriebswirtschaftliche Überlegungen führten 1992 zum Ausstieg aus dem Konsumwarengeschäft.

1910 stieg die Landi in die Produktverwertung ein und eröffnete dazu eine Kundenmühle und eine Mosterei. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Geschäftstätigkeit stetig zu und 1923 konnte an der Steinackerstrasse in Windisch ein stattliches Lagergebäude erbaut werden.

Um die Bauern in der Fleischverwertung zu unterstützen, richtete man die dazu nötige Infrastruktur ein und eröffnete eine Metzgerei. Dadurch konnte wohl den Bauern ein neuer Absatzmarkt erschlossen und den Konsumenten günstige Fleischpreise offeriert werden, doch führte dies auch zu einem Streit mit den bestehenden Metzgereien.

Erstes Silo in Windisch

Der stetige Ausbau der Geschäftstätigkeit liess den Jahresumsatz der Landi in den ersten 50 Jahren ihres Bestehens auf über 2 Millionen Franken anwachsen. In den Nachkriegsjahren galt es sowohl in die Erneuerung der bestehenden Anlagen zu investieren als auch mit dem einsetzenden Wirtschaftsaufschwung mitzuhalten.

In den 1960er-Jahren stieg die Genossenschaft in das Tankstellengeschäft ein und eröffnete das erste Silo in Windisch, das 1985 um ein zweites, 18 Meter tiefes, ergänzt wurde.

Nach dem Entscheid, die Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch zu konzentrieren, sah sich die Landi Brugg nach einem neuen Standort um. 2008 konnte in Gebenstorf eine neue Liegenschaft eröffnet werden. Verbunden mit der Sitzverlegung erfolgte die Umbenennung in Landi Wasserschloss.

Wenngleich sich der Name und der Standort in den vergangenen 125 Jahren verändert haben, so ist doch der Kern, Dienstleistungen für die Landwirtschaft zu erbringen, weiterhin aktuell und steht im Zentrum der Geschäftstätigkeit.

*Titus J. Meier ist Historiker und lebt in Brugg.

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