Brugg

Nicht nur Raser, sondern auch Senioren am Steuer bewegen die Gemüter

Senioren am Steuer sind seit einigen Jahren ein Politikum. Bei der Fahrtauglichkeitsprüfung kann der Hausarzt zum Vertrauensarzt werden.

Senioren am Steuer sind seit einigen Jahren ein Politikum. Bei der Fahrtauglichkeitsprüfung kann der Hausarzt zum Vertrauensarzt werden.

Senioren erfahren, warum es keine Schikane ist, wenn sie alle zwei Jahre beim Arzt eine Uhr zeichnen müssen. Für die Fahrtauglichkeitsprüfung können sie sich an den Hausarzt wenden, falls er die entsprechende Weiterbildung hat und nicht befangen ist.

«Beim Strassenverkehrsamt Aargau arbeiten keine Ärzte», sagt Martin Bruder, Leiter Administrativmassnahmen beim Strassenverkehrsamt Aargau, im Brugger Salzhaus. Auf die ausgeschriebene Teilzeitstelle für schwierige Fälle, hätte sich damals kein einziger Arzt beworben, erzählt Bruder, der am Mittwoch einer Einladung der FDP-Stadtpartei zum Seniorennachmittag gefolgt ist.

Das Thema «Fahreignungsabklärungen – rechtliche Grundlagen und Praxis» interessiert. Bereits vor dem Referat fachsimplen viele der rund 45 anwesendenden Seniorinnen und Senioren über ihre Erfahrungen im Strassenverkehr sowie mit der Fahrtauglichkeitsprüfung, die mit Erreichen des 70. Lebensjahres alle zwei Jahre durchgeführt werden muss.

Mädchen in Brugg musste sterben

Die Senioren hängen Martin Bruder von Beginn weg an den Lippen. Er kenne beide Seiten, betont er. Als zweifacher Vater sei es ihm einerseits wichtig, dass sich seine Kinder im Verkehr sicher fühlen könnten. Andererseits werde er auch in seiner Familie damit konfrontiert, wann für Senioren der richtige Zeitpunkt gekommen sei, den Führerausweis abzugeben.

Es war der tragische Verkehrsunfall, als vor knapp zehn Jahren in Brugg ein Senior ein Mädchen tödlich verletzte, der das Thema Hausarzt als Vertrauensarzt auf die politische Agenda brachte. Viele der Anwesenden können sich noch an diese schrecklichen Unfallbilder erinnern.

«Sie gehören ja nicht zum Zielpublikum, das ein Suchtproblem hat oder zur Raserei neigt», sagt Bruder. Die Senioren lachen. Dennoch sehe die Aargauische Strassenverkehrsordnung vor, dass sich Berufschauffeure und Senioren ab 70 regelmässig einer vertrauensärztlichen Kontrolluntersuchung unterziehen. Dabei kann der Hausarzt die Rolle des Vertrauensarztes übernehmen, sofern er für die Prüfung die entsprechende Weiterbildung absolviert und über zweckmässige Räumlichkeiten sowie Einrichtungen verfügt. Aus dem Patient wird ein Proband.

«Das finde ich gut», sagt eine Seniorin in der vorderen Sitzreihe. Der Arzt – manchmal ist er befangen – müsse den Auftrag übrigens nicht annehmen, so Bruder weiter. «Wenn es beim Untersuch, darum geht, eine Uhr zu zeichnen, ist das keine Schikane, sondern ein günstiges Mittel, um mit Papier und Bleistift die geistige Leistungsfähigkeit der Lenker zu testen.» Bruder erzählt, dass er schon viele Uhren gesehen habe, die diesen Namen nicht verdienten. Sollten zusätzliche Untersuchungen zur Abklärung der Leistungsfähigkeit notwendig sein, kann der Vertrauensarzt die Fahrzeuglenker beispielsweise auch an die Memory Klinik der Psychiatrischen Dienste Aargau in Königsfelden weiterleiten. Unabhängig von den periodischen Kontrolluntersuchungen kann der Arzt dem Strassenverkehrsamt auch melden, falls ein Lenker nicht mehr Auto fahren sollte. «Das kommt aber selten vor», betont Bruder.

Ausweisentzug gilt auch für Mofas

Das Lenken von Personenwagen, Traktoren, Mofas und schnellen E-Bikes fällt bei der Fahreignungsabklärung in die gleiche Gruppe. «Wer den Ausweis abgegeben hat, darf kein Gefährt mehr fahren, das schneller als mit 10 Stundenkilometern unterwegs ist. Klären Sie das beim Kauf unbedingt ab!», appelliert Bruder. Aufgrund von Polizeimeldungen oder Drittmeldungen durch Arzt, Angehörige oder IV-Stelle muss das Strassenverkehrsamt innert zweier Wochen handeln. «Wenn es ums Erben geht, gewähren wir Angehörigen Anonymität.» Wer dem Untersuchungsaufgebot nicht Folge leisten will, kann kostenlos auf den Ausweis verzichten.

Aufgrund der demografischen Entwicklung werden künftig vermehrt Senioren am Steuer sitzen. «Hoffentlich kann ich noch lange fahren», lautet das Fazit einer Besucherin.

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