Brugg-Windisch

Nicht Inhalte, sondern Kulturen sind das Problem

Heinz Karrer, Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse.

Heinz Karrer, Präsident des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse.

Am Jahresanlass des Wirtschaftsingenieurwesens standen interkulturelle Aspekte im Mittelpunkt. Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer war dabei und erklärte, weshalb die Beziehungen China-Schweiz «Nasenwasser» gegen die zwischen Basel und Zürich sind.

«Heinz Karrer zeigt mit seiner Anwesenheit, dass das Interesse der Wirtschaft am Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen gross ist», sagte Jürg Christener, Direktor der Hochschule für Technik, am sogenannten «WIng-Anlass». Zuvor erläuterte Studienleiter Jörg Lagemann, das Unterrichtsmodul «Global Information and Communication Technologies ICT» den zahlreichen Gästen im Lichthof der Hochschule. «Mit diesem Modul sollen die Studierenden weltoffener werden», sagte Jörg Lagemann. «Global ICT» beinhaltet Themen wie internationales Marketing, vier Module Englisch, ein Auslandsemester, Gesellschaft und Wirtschaftsmodule sowie einen «International Day».

Die Studenten Stefan Castrischer und Lukas Leuenberger nahmen im letzten Sommer im Rahmen des «Global ICT» an der zehntägigen Chinareise teil. Sie erhielten einen Einblick in die Arbeit beim Telekommunikationsausrüster «Huawei», lernten Kultur und Essen kennen. Die jungen Männer kamen auch mit der Arbeitsweise der Wirtschaftsmacht China in Kontakt. «In einer Produktionsstätte für Datenübertragungssysteme arbeiteten rund 10'000 Menschen. Wir sahen dort die Auszeichnungen für die besten, aber auch für die schlechtesten Mitarbeiter. Jeder Tag wird mit gut oder schlecht gekennzeichnet. Das ist ihr Bonussystem», erklärten die Studenten. Sie selbst erstellten Präsentationen in den Bereichen Human Resources, Wissenschaftsmanagement oder Marketing.

Im Gespräch mit Heinz Karrer wollte Dozent Thomas Schmitt wissen, welches die zentralen Elemente der interkulturellen Kompetenz seien. «Man muss neugierig auf andere Menschen sein, offen und die Diskussion mit Menschen anderer Meinungen führen können ohne vom eigenen Standpunkt wegzukommen», sagte Heinz Karrer. «Wie haben sie sich interkulturelle Kompetenzen angeeignet?», wollte Stefan Castrischer wissen. «Da sind wohl meine Eltern mitverantwortlich», sagte der Winterthurer Karrer ehe der ehemalige Handball-Nationalspieler seine Sportlerzeit als Lehrplatz beschrieb: «In der Nationalmannschaft trafen Basler und Zürcher aufeinander, die Beziehungen China – Schweiz sind ein Nasenwasser dagegen.»

Nicht die Inhalte bereiten Probleme, sondern die Kulturen?», fragte Lukas Leuenberger. «Das ist meistens so. Ich bereite mich natürlich inhaltlich auf Treffen vor, informiere mich aber auch über die Personen, die ich treffe», erklärte Karrer. «Wie können wir uns als Schweizer gegen die Übermacht China wehren?», fragte ein Gast aus dem Publikum. «Wenn wir es schaffen, morgen und übermorgen ein innovationsfreundliches Klima zu erhalten, dann mache ich mir keine Sorgen», so Karrer.

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