Sondierbohrungen

Nicht in Effingen, sondern in Ursprung: Nagra bohrt bald auf dem Bözberg

Diese Visualisierung zeigt, wie ein Bohrplatz für die geplanten Sondierbohrungen der Nagra aussehen kann.

Diese Visualisierung zeigt, wie ein Bohrplatz für die geplanten Sondierbohrungen der Nagra aussehen kann.

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) will ab Frühjahr 2020 zuerst in Bözberg bohren. Der Bohrplatz wird noch dieses Jahr gebaut und befindet sich «Im Grabe» bei Ursprung.

Im April dieses Jahres hatte die Nagra im Gebiet Jura Ost noch vor, zuerst in Effingen zu bohren und ab zirka Juli/August den Bohrplatz «Chrumbacher» zu erstellen. Doch nachdem das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) Mitte Mai die beiden Bohrplätze Bözberg 1 und 2 bewilligt hatte, hat sich die Nagra anders entschieden.

Der erste nun zu erstellende Bohrplatz Bözberg 1 befindet sich am südlichen Rand des Standortgebiets Jura Ost. «Diese Bohrung ergänzt den Überblick der geologischen Verhältnisse der Region am besten», begründet Nagra-Sprecher Felix Glauser den Entscheid. 

Die Nagra führt auf der Suche nach besten Standort für ein Atommüll-Tiefenlager Sondierbohrungen durch: Rot markiert die Lage des Bohrplatzes Bözberg 1 beim Ursprung, wo im Gebiet Jura Ost zuerst gebohrt wird.

Bohrplatz

Die Nagra führt auf der Suche nach besten Standort für ein Atommüll-Tiefenlager Sondierbohrungen durch: Rot markiert die Lage des Bohrplatzes Bözberg 1 beim Ursprung, wo im Gebiet Jura Ost zuerst gebohrt wird.

Da die geologischen Schichten im Gebiet Jura Ost gegen Süden hin abfallen, könnten mit der Bohrung Bözberg 1 alle relevanten geologischen Schichten sowie der Opalinuston an der tiefsten Stelle untersucht werden. Untersucht werden mit den Bohrungen unter anderem die Mächtigkeit, die Dichtigkeit und die Zusammensetzung des Wirtgesteins Opalinuston, in dem das Tiefenlager dereinst gebaut werden soll.

Der Wanderweg kommt auf einen neuen Kiesweg

Da der Bau des Bohrplatzes Bözberg 1 einen bestehenden Wanderweg tangiert, wird neu parallel zur Zufahrt ein Wanderweg mittels eines 1 Meter breiten Kieswegs – mit einem 1 Meter breiten Grünstreifen als Abtrennung – geführt. Diese Lösung hat die Nagra zusammen mit dem Kanton Aargau und dem Verein Aargauer Wanderwege ausgearbeitet.

«Vor Baubeginn werden wir uns mit dem Verein Aargauer Wanderwege betreffend der temporären Weg-Signalisation absprechen», so der Nagra-Sprecher. Nach Abschluss der Rekultivierungsarbeiten des Bohrplatzes werde dann der ursprüngliche Zustand des Wanderwegs wiederhergestellt.

Die Nagra hat für alle drei Standortregionen total 23 Gesuche für Tiefbohrungen eingereicht (8 in Jura Ost, 7 in Nördlich Lägern, 8 in Zürich Nordost). Aufgrund der Resultate der 3D-Seismik sowie abhängig von den Resultaten der ersten Tiefbohrung werde entschieden, wo es am sinnvollsten sei, als Nächstes zu bohren, fährt Felix Glauser fort. «Es werden jedoch sicherlich nicht alle 8 Tiefbohrungen im Gebiet Jura Ost durchgeführt werden.»

Rekursfrist im Fall Riniken endet Mitte September

Zurzeit wird die Bohrung Bülach (Nördlich Lägern) abgeteuft und ab zirka Mitte August folgt die Ausführung der Bohrung Trüllikon 1 (Zürich Nordost). Die dritte Tiefbohrung wird in Marthalen (Zürich Nordost) durchgeführt. Bözberg 1 ist also aus Sicht der Nagra die vierte Bohrung. Wie es danach weitergeht, ist laut Glauser zurzeit noch offen.

Die Nagra hat eine kostenlose Hotline für Fragen und Anliegen von Anwohnern und anderen Interessierten eingerichtet. Die Hotline unter der Nummer 0800 437 333 ist rund um die Uhr in Betrieb. Bei jedem Bohrplatz gibt es zudem einen Besucherpavillon und öffentliche Besuchstage.

Am 22. Juli bewilligte das Uvek den Bohrplatz Riniken 2 im Krähtal. Die Interessengemeinschaft Attraktives Riniken (Ari) hatte zuvor 731 Unterschriften für eine Petition dagegen gesammelt. Die Bewilligung wird derzeit vom Ari-Kernteam analysiert. Die Rekursfrist für einen Weiterzug ans Bundesverwaltungsgericht läuft noch bis 14. September.

Im Rahmen des Kristallin-Programms der Nagra wurde in Riniken 1983 schon einmal gebohrt. Im Fokus lagen damals Gesteinsschichten, die unter der Opalinustonschicht liegen. Die Daten dienten zur Bestimmung weiterer Bohrstandorte.

Meistgesehen

Artboard 1