Brugg
Neuzuzüger: Deshalb wählten sie Brugg als neue Heimat

Die Bevölkerung von Brugg wächst – in den letzten zwölf Monaten ist zahlenmässig ein kleines Dorf ins Prophetenstädtchen gezogen. Entsprechend kamen zum letzten Neuzuzügerempfang am Donnerstag über 200 Personen ins Salzhaus.

Michael Hunziker und Claudia Meier
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Seit sechs Monaten lebt die indische Familie Parikh an der Baslerstrasse. Sie kam von Nussbaumen nach Brugg, weil sie ein neues Haus gefunden hat. Vater Ketan arbeitet bei ABB in Turgi. Mutter Bhavna vermisst nichts und freut sich über die Nähe zur Natur und die vielen netten Leute in der Stadt. Einzig Sohn Himesh wünscht sich insbesondere am Wochenende und am Abend bessere Postautoverbindungen zum Bahnhof. «Alle vier Busse kommen immer miteinander. Das ist nicht ideal», sagt er.
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Die bald vierköpfige Familie aus Portugal ist von Dortmund nach Brugg gezogen. «Wir haben schon in Deutschland und Portugal gelebt. Aber so gut wie hier, war es bisher noch nirgends», sagt João Pereira, der in Baden arbeitet. Seine Frau Claudia Pina schätzt, dass alles so friedlich ist. Die Nähe zur Schule in Lauffohr habe den Ausschlag für das neue Zuhause gegeben. Tochter Leonor kann dort bequem draussen spielen. Die junge Familie sehnt sich manchmal nach dem Meer und wünscht aktuell etwas wärmeres Wetter.
Im November 2013 zog Familie Tedeschi von Gebenstorf nach Brugg. Die gebürtige Spanierin Maite Leiton und der Italiener Giovanni Tedeschi wollten unbedingt in einer kleinen Stadt mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr wohnen, weil sie tagsüber in Zürich arbeiten und Tochter Elsa Tedeschi in Aarau zur Schule geht. Sie schätzen die kleinen Geschäfte in der Altstadt und würden sich über einen Manor oder Nespresso-Laden freuen. Auch die Atmosphäre mit dem Militär gefällt ihnen gut.
Neuzuzüger, warum sie nach Brugg kamen
Der Italiener Cristiano Maggioni , der bei den ortsansässigen Kabelwerken arbeitet, und die Chinesin Ying Wang kamen von Mailand nach Brugg. Zürich wäre ihnen zu hektisch und lärmig gewesen, sagt Wang. Hier sei es schön ruhig und sie hätten alles, was sie brauchten. Das Paar ist motiviert, Deutsch zu lernen. Das sei aber aufgrund der verschiedenen Dialekte gar nicht so einfach, sagt Maggioni. Im Salzhaus steht ihnen Vernetzerin Ana Moncada (rechts) bei Sprachbarrieren zur Seite.
Marion ist froh, dass ihre erste eigene Wohnung nicht weit vom Elternhaus entfernt ist. Rebekka hat sich bisher eher Richtung Baden orientiert. Da sie in Dättwil arbeite und in Schinznach ein Pferd habe, sei Brugg als Wohnort verkehrstechnisch ideal gelegen. Beide räumen aber ein, dass in der Stadt nicht viel Betrieb sei. «Ich mache gerne Strassenparty. Die Leute haben glaub Freude, wenn hier etwas läuft», erzählt Rebekka, die von Birmenstorf nach Brugg kam. Nur zwei Häuser trennen Rebekka Riniker (links) und Marion Riniker in der Brugger Altstadt voneinander: das Salzhaus und der Polizeiposten.

Seit sechs Monaten lebt die indische Familie Parikh an der Baslerstrasse. Sie kam von Nussbaumen nach Brugg, weil sie ein neues Haus gefunden hat. Vater Ketan arbeitet bei ABB in Turgi. Mutter Bhavna vermisst nichts und freut sich über die Nähe zur Natur und die vielen netten Leute in der Stadt. Einzig Sohn Himesh wünscht sich insbesondere am Wochenende und am Abend bessere Postautoverbindungen zum Bahnhof. «Alle vier Busse kommen immer miteinander. Das ist nicht ideal», sagt er.

Michael Hunziker

«Brugg ist eine verdammte Perle», lautete einmal ein Titel in der Aargauer Zeitung. Das war vor fast genau fünf Jahren während des Wahlkampfs für den Stadtrat. Die Wahlen sind längst vorbei, die Aussage scheint aber nach wie vor Gültigkeit zu haben. Jedenfalls war am Neuzuzügerempfang hüben und drüben nur Lob für die schmucke Stadt zu hören.

Die Zahlen sind eindrücklich: 706 Zuzüger aus 52 Nationen sind innerhalb eines Jahres in Brugg begrüsst worden. 209 Kinder und Erwachsene waren am Donnerstagabend beim Apéro riche im Salzhaus anwesend, 76 davon mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Für sie standen – «Dear new resident, welcome to Brugg!» – selbstverständlich die richtigen Dolmetscher zur Verfügung.

Gruppenweise ging es von der Hofstatt auf den kurzweiligen Stadtrundgang. Rolf Alder, seines Zeichens alt Stadtammann und ausgebildeter Lehrer, führte eine aufgestellte Schar zum schönsten Schulhaus, in dem die gescheitesten Knaben ausgebildet wurden.

Er erzählte von Untertanen, Germanen, Habsburgern und Eidgenossen – und fügte mit einem Augenzwinkern an: «Die Jahreszahlen müssen Sie nicht auswendig lernen. Ich mache nachher keinen Test.»

Gefängniszellen von früher

Im trutzigen schwarzen Turm konnte ein Blick in die früheren Gefängniszellen geworfen und die Aussicht genossen werden. Bis der gut gelaunte Stadtführer mit einem Blick auf die Uhr feststellte: «Ich könnte einen ganzen Abend lang erzählen, aber wir müssen weiter.»

Rechtzeitig kam die Gruppe im Salzhaus an, wo Vizeammann Andrea Metzler die Behördenvertreter vorstellte, die Musikgesellschaft Lauffohr aufspielte und zum krönenden Abschluss ein Apéro riche aufgetischt wurde.

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