Oberflachs
Neugierige Besucher auf Schloss Kasteln

Das Schulheim auf Schloss Kasteln öffnete seine Schul-, Wohn- und Werkräume.

Irene Hung-König
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Neugierige Besucher im Schulheim auf Schloss Kasteln
7 Bilder
Kinder und Erwachsene trommeln im Schatten der Bäume
Diese Jungs schlagen Nägel ins Holz ein
Die Kinder kühlen sich im schlosseigenen Pool ab
Die Gäste geniessen einen Kaffee unter den Bäumen
Die Gäste werden durch die Wohnräume geführt
Hoch oben thront das Schulheim Schloss Kasteln

Neugierige Besucher im Schulheim auf Schloss Kasteln

Irene Hung-König

Erhaben thront das Schulheim Schloss Kasteln über dem Tal. Gäste, Familienangehörige und Interessierte stellen ihre Autos unter den Bäumen an der Hauptstrasse ab und marschieren den steilen Weg hinauf zum Schloss. Begleitet werden sie von den Stimmen der kleinen und grossen «Schlossgeister», die hier auf Zeit wohnen und in die Schule gehen. «Ich möchte Fussballspieler werden. Ich möchte Bäcker werden», ertönt es durch die Lautsprecher.

Die Gäste bleiben stehen, hören den Stimmen zu. «Ich wünsche mir, dass mein Grosi wieder gesund wird.» Es sind die ganz alltäglichen Dinge und Wünsche, welche die Kinder hier beschäftigen. Oben angekommen, hat man die Qual der Wahl. Lehrkräfte führen durch die Schul- und Wohnräume, eine Treppe höher sitzen Kinder und Lehrkräfte im Schatten der Bäume im Kreis und trommeln. Sie lachen, witzige Sprechgesänge gehören dazu. Das heisse Wetter lockt viele Kinder ins schlosseigene Freibad, an anderer Stelle geniessen Gäste und Schüler ein leckeres Eis.

Regelmässig Tag der offenen Tür

Institutionsleiter Valentin Vonder Mühll sieht den Tag des offenen Schlosses als eine Öffnung fürs Tal an. «Es sind Interessierte da, aber auch Grosseltern, die sehen möchten, wo ihre Enkel zu Hause sind», sagt Valentin Vonder Mühll. Er möchte diesen Tag regelmässig, alle drei Jahre durchführen. Denn die Kinder freuten sich darauf. «Heute Morgen brunchten wir im Innenhof, die Kinder, die Eltern und Mitarbeiter. Wir waren um die 130 Leute, das war sehr schön.»

Im Vorfeld verteilte die Schüler Flyer in die Briefkästen und kamen so in Kontakt mit den Menschen. «Es ist für die Kinder nicht einfach, denn man kann die Eltern nicht ersetzen.» 32 Kinder von der 1. Primarschulklasse bis zum 9/10. Schuljahr, davon acht Mädchen ab Sommer, gehen hier zur Schule und wohnen von Sonntag bis Freitag auf Schloss Kasteln. Im Schnitt sind die Kinder zwei Jahre hier. «Die Kinder brauchen diese Zeit, sonst wären sie nicht hier.» Auch hätten sie ein paar Austritte, was ihn sehr freue.

Die Knoten lösen

In einem der Schulräume liegt ein Wirrwarr aus Seilen und zwei geordnete, lange Seile, ohne Knoten, auf dem Tisch. Die Seile stellen das Durcheinander, Frust, Aggression oder Ohnmacht dar; nichts geht mehr. «Es braucht Zeit, Liebe und Geduld, um die Seilknoten zu lösen», erklärt Lehrerin Seraina Manzanell. Acht Kinder lernen in einer Klasse. «Das tönt nach wenig, doch wenn zwei Kinder streiten, muss man sich um diese kümmern.» Aus diesem Grund gibt es die «UMIS». Diese Pädagogen gewährleisten unterstützende Massnahmen zur Integration in der Schule. Hinter dem sperrigen Ausdruck verbirgt sich eine grosse Unterstützung für die Lehrpersonen. Die UMIS kümmern sich um die Streitenden, damit die Lehrerin mit dem Rest der Klasse weitermachen kann.