Brugg

Neues Programm der Plissé-Damen entführt Zuschauer auf den Berg

Im Anflug: Die vier Plissé-Damen begeisterten mit ihrer «Kalberei».

Im Anflug: Die vier Plissé-Damen begeisterten mit ihrer «Kalberei».

Das Musiktheater Plissé feierte am Freitag im Brugger Odeon mit «Kalberei» Premiere – vor ausverkauftem Haus.

Gleich zu Beginn überrascht das Musiktheater die Besucher. Die Lichter werden gelöscht, Saal und Bühne im Odeon Brugg in Dunkelheit gehüllt. Das Publikum bleibt erwartungsvoll stumm. Nichts geht – für gefühlte fünf Minuten. Verlegene Lacher da, kurze Räusper dort. Doch dann kommt Leben auf die Bühne. Die Plissé-Damen erwachen aus ihrem Schlaf.

Hoch oben in den Bergen verbringen sie die Tage. Die Glaziologin Erika, um das Schmelzen, das «Kalbern», des nahen Gletschers zu studieren. Die drei anderen, um Ruhe und ihre «Mitte» zu finden. Doch angesichts der Klimaerwärmung ist es kein Leichtes, Musse und Inspiration zu finden. Nicht mal hoch oben in den Bergen.

Vier Frauen – vier Geschichten. Die eine beweint das Ableben ihres Wetterfrosches Jackson, derweil die drei anderen mit ihren Problemen beschäftigt sind, leise vor sich hin murmelnd. Dann erzählt Silvia von ihm. Wie anschmiegsam er doch sei, alles mitmache, auch bei Krisen nicht davonlaufe. Verständlich, sprach sie doch von ihrem heissgeliebten Rollkragenpulli.

Mit Kochkelle gerockt

Von einem Mann aus Fleisch und Blut träumt hingegen Chantale. Kurt heisst der Angebetete. Immer wieder telefonieren die beiden. Aber bevor sie sich in die Arme fallen können, müssen die Plissé-Damen noch einiges fürs Bödelifescht vorbereiten. Ganz im Zeichen von perfekter Integration werden englische Geranien als Deko gewählt und nebst Wurst und Brot stehen Kebab und Falafel auf der Karte. Nicht genug.

Die deutsch gehaltene Ansprache von Jolanda wird in die drei anderen Landessprachen übersetzt, in Gebärdensprache. Sehr zur Erheiterung des Publikums. Auch für die musikalische Umrahmung des Fests zeichnen die vier verantwortlich. Michael Jacksons Song «I’m the one» wird zur Szenerie passend umgeschrieben, genauso wie «Sky Fall» von Adele. Gerockt wird dazu mit Kochkelle, Bürste, Zwieback und einer Ukulele. Wie das Ganze endet, sei hier nicht verraten.

«Uns hats gefallen, die Musik, das Schauspiel, die Mimik und die Stimmen», sagen Slavica Spasic und Ljiljana Bukvic. Auch dem 12-jährigen David machte das Zuschauen Spass. «Die Songs sind witzig.» Für die 91-jährige Cécile Laubacher, die Musik und Kunst studiert hat, kam der erste Teil etwas verhalten daher. Umso überzeugender sei der zweite Teil gewesen. «Kultur ist Seelenbalsam für mich», betont sie.

Esther Keller alias Silvia ist in Bözberg aufgewachsen, wohnt heute in Windisch. «Schon als Kind wollte ich Theater machen», sagt sie. Sie besuchte die Bewegungs-Theaterschule in Zürich, zusammen mit Bühnenkollegin Annette Burkhardt. Später stiessen Maja Oezmen und Manuela Sauser zur Gruppe. Seit zehn Jahren stehen die Plissé-Damen auf der Bühne. Die Ideen zu einem neuen Stück holen sie aus dem Alltag.

Alle vier können vom Musiktheater allein nicht leben. Esther Keller ist deshalb noch in einer Sozialinstitution tätig. Beide Jobs würden sich gegenseitig befruchten. «Was kann einem Besseres passieren?»

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