Brugg
Neues Kinderschutzrecht bedeutet für Kinderheim Brugg eine Herkulesaufgabe

Die Auswirkungen des neuen Kinder- und Erwachsenenschutzrechts hat das Kinderheim Brugg zu spüren bekommen. Es gelte, wieder mehr Zeit zu haben für die eigentliche Arbeit: die Erziehung, Schulung und Betreuung, so Gesamtleiter Rolf von Moos.

Michael Hunziker
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Die Kinder der Wohngruppen Pluto und Neptun nehmen an diesem sonnigen Vormittag die Spielgeräte auf dem Balkon in Beschlag.

Die Kinder der Wohngruppen Pluto und Neptun nehmen an diesem sonnigen Vormittag die Spielgeräte auf dem Balkon in Beschlag.

Michael Hunziker

Der Betrieb im Kinderheim Brugg funktioniere gut, hat Stiftungsratspräsident Hansjörg Burger an einer Medienorientierung am Mittwoch festgehalten. «Das ist nicht selbstverständlich», fuhr er fort und wies auf die grosse Verantwortung und die eindrücklichen Zahlen hin. In der Tat: Das Kinderheim Brugg ist zu einem mittelständischen Unternehmen mit über 100 Mitarbeitenden und einem Umsatz von knapp 8 Mio. Franken herangewachsen.

Dass es an Herausforderungen nicht gemangelt hatte im vergangenen Jahr, zeigte Gesamtleiter Rolf von Moos bei der Präsentation des Jahresberichts 2013 auf. Mit der Einführung des neuen Kinder- und Erwachsenenschutzrechts (KESR) in der Schweiz hätten die Familiengerichte die Aufgaben der früheren Vormundschaftsbehörden übernommen.

Von Moos sprach von einer Herkulesaufgabe. In verschiedenen Bereichen habe Anpassungsbedarf bestanden, die Zusammenarbeiten hätten neu geregelt werden müssen. «Vieles hat sich geändert», stellte von Moos fest.

Nach seinem Dafürhalten sind die Auswirkungen der Kompetenzverschiebungen unterschätzt worden, auch wenn die involvierten Personen die neuen Aufgaben engagiert angepackt hätten.

Nach wie vor klemme es da und dort. Im Kinderheim Brugg aber gelte es wieder mehr Zeit zu haben für die eigentliche Arbeit: die Erziehung, Schulung und Betreuung – «zum Wohl der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen».

Kaum freie Plätze

Zu den wichtigsten Ereignissen im Kinderheim Brugg hat die Eröffnung der Notfallgruppe Sternschnuppe gezählt. In dieser werden bis zu elfjährige Kinder, die sich in einer akuten Notsituation befinden, unbetreut oder gefährdet sind, rund um die Uhr aufgenommen.

Der Aufenthalt ist auf maximal vier Monate begrenzt. Der Start Anfang 2013 sei gelungen, schon bald sei die volle Auslastung erreicht worden, stellte Gesamtleiter Rolf von Moos fest. «Der Betrieb funktioniert gut, wir sind sehr zufrieden.»

Er betonte gleichzeitig, dass die Tätigkeit in der Notfallgruppe anspruchsvoll sei. Aber: Die Mitarbeitenden seien motiviert und gut ausgebildet. Ein Ausbau der Plätze – heute stehen acht zur Verfügung – wäre laut von Moos grundsätzlich problemlos möglich. Allerdings: Ob dereinst eine Erweiterung realisiert werde, hange vom Kanton ab, der seine Zustimmung geben müsste.

Altersdurchschnitt sinkt

Eine Entwicklung, deren Ursache niemand so genau kenne, sei im Kinderheim Brugg ebenfalls zu beobachten, fuhr von Moos fort: Der Altersdurchschnitt der betreuten Kinder sei in der letzten Zeit gesunken. Es gebe Hinweise für mögliche Gründe, aber die Tendenz könne sich durch politische Entscheidungen rasch wieder ändern.

Ereignisse, die 2013 für Gesprächsstoff sorgten, waren der Wechsel im Präsidium des Stiftungsrats von Arthur Patrik an Hansjörg Burger sowie die neue Gestaltung des öffentlich zugänglichen Spielplatzes. Dieser sei – sowohl bei den internen als auch den externen Kindern – ein Renner geworden, mit dem Segelschiff, dem Sandkasten im Ruderboot sowie dem Kunstrasen, so von Moos. Vieles sei nur dank grosszügigen Spenden möglich gewesen, betonte der Gesamtleiter und erwähnte in diesem Zusammenhang auch das Winterlager in Engelberg.

Als weitere Höhepunkte bezeichnete er die Fasnacht, die Hasenmetzgete – bei der die Osterhasen aus Schokolade dran glauben mussten, die Lager der Wohn- und Schulgruppen, den Kinderkochkurs, das Jugendfest, den Ausflug in den Europapark, den Adventsmarkt, den Besuch des Samichlaus oder die Aktion «Zweimal Weihnachten».

2016 wird gefeiert

Ein Kränzlein windete von Moos seiner «konstanten und bestausgebildeten Crew». Per Ende 2013 abgeschlossen wurde das Projekt «Qualitätsmanagementsystem». Es seien optimale Bedingungen geschaffen worden, die Qualität sicherzustellen, so der Gesamtleiter.

Auch in den kommenden Jahren will das Kinderheim Brugg nicht stillstehen. Ideen seien vorhanden, Überlegungen würden angestellt und Diskussionen geführt, sagte von Moos. Als Stichworte nannte er eine mögliche Erweiterung der Tagessonderschule, eine zusätzliche Wohngruppe, den Ausbau der Notfallabteilung oder den Aufbau einer Aussenwohngruppe. Allerdings: Was vom Kanton bewilligt werde und konkret umgesetzt werden könne, stehe auf einem anderen Blatt.

Fest steht indes: 2016 feiert das Kinderheim Brugg sein 150-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum werde mit verschiedenen Aktivitäten mit Kindern, Eltern, Ehemaligen und Behörden begangen, versicherten Gesamtleiter von Moos und Stiftungsratspräsident Burger.