Brugg
Neues Fahrverbot sorgt für viel Unmut im Westquartier

Urs Herzog fühlt sich von einem neuen Fahrverbot im Brugger Westquartier schickaniert. Das neue Verkehrsregime stösst auch einem Pizza-Service sauer auf. PizzArgovia-Brugg-Inhaber Pepe Misovski spricht von 30 Prozent Umsatzeinbusse.

Claudia Meier
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Seit diese Tafel an der Habsburgerstrasse vor seinem Haus steht, muss Einwohnerrat Urs Herzog oft einen Umweg über Bad- und Bodenackerstrasse fahren.

Seit diese Tafel an der Habsburgerstrasse vor seinem Haus steht, muss Einwohnerrat Urs Herzog oft einen Umweg über Bad- und Bodenackerstrasse fahren.

Claudia Meier

Seit 50 Jahren lebt Urs Herzog im Brugger Westquartier. Mit seiner Familie wohnt der Einwohnerrat seit 10 Jahren in einem Haus an der Ecke Habsburgerstrasse/Bodenackerstrasse. Mitte Dezember letzten Jahres wurde das neue Zubringer-Regime auf sechs Quartierstrassen eingeführt. Nun kann Herzog nicht mehr wie gewohnt mit dem Auto zu seinem Haus fahren.

Der Unternehmer hat am oberen Teil der Habsburgerstrasse einen Parkplatz für sein Geschäftsauto. Will er hingegen zum Abstellplatz vor dem Hauseingang um die Ecke fahren, muss er einen Umweg über die Badstrasse machen, sonst riskiert er eine Busse von 100 Franken. Dasselbe gilt fürs Wegfahren. Mit dieser Massnahme der Stadt Brugg soll das Quartier vom Durchgangsverkehr befreit werden.

Auf sechs Quartierstrassen (rot) soll ein Zubringer-Regime eingeführt werden.

Auf sechs Quartierstrassen (rot) soll ein Zubringer-Regime eingeführt werden.

Google Maps/az

«Unter dem Strich brauche ich nun einfach mehr Zeit und mehr Treibstoff», sagt Herzog am Stubentisch. Während des kurzen Gesprächs werden mehrere Automobilisten beobachtet, die das Fahrverbot missachten. Ein Problem sei die Verbotstafel mit dem Zusatz «ausgenommen Zubringerdienst» bei der Einmündung zur Habsburgerstrasse von der Aarauerstrasse kommend, so Herzog weiter. Die Fahrzeuglenker könnten nämlich nicht wissen, dass der Zubringerdienst nicht für die ganze Länge der Habsburgerstrasse gelte. Herzog hätte es begrüsst, wenn dieser Radius grösser gefasst worden wäre. Er ergänzt: «Wenn die Südwestumfahrung allenfalls einmal realisiert wird und die Unterwerkstrasse für den motorisierten Verkehr gesperrt ist, löst sich das Schleichverkehr-Problem an der Habsburgerstrasse fast von selbst.»

Kunden und Lieferanten verärgert

Nicht umstritten ist laut Herzog das neue Zubringer-Regime auf der Nelken-, Lilien-, Rosen- und Blumenstrasse sowie auf dem Holderweg. Herzog stört sich daran, dass er als Quartierbewohner nicht mehr die gleichen Durchfahrtsrechte wie seine Nachbarn hat. «Die Habsburgerstrasse ist eine öffentliche Strasse. Als Steuerzahler beteilige ich mich an deren Unterhalt und darf sie nur noch eingeschränkt nutzen», sagt er und schüttelt den Kopf. Herzog kennt einige Quartierbewohner, die seine Meinung teilen.

Auch PizzArgovia-Brugg an der Bodenackerstrasse bekommt das neue Verkehrsregime an der Habsburgerstrasse deutlich zu spüren. Verärgerte Kunden und Lieferanten sowie deftige Umsatzeinbussen, lautet die Bilanz. Inhaber Pepe Misovski spricht von 30 Prozent weniger Umsatz in den Monaten Dezember und Januar gegenüber dem Vorjahr. «Wenn die Kunden bei uns eine Pizza für 15 Franken holen, riskieren sie eine Busse für 100 Franken», sagt Misovski. Er verstehe zwar, dass sich die Nachbarn über den Schleichverkehr nerven, aber das sei nur während der Stosszeiten ein ernsthaftes Problem.

Neu müssten seine langjährigen Stammkunden immer, wenn sie von der Hauptstrasse kommen, einen Umweg fahren. Für viele Kunden sei das zu mühsam, und sie suchten sich eine andere Pizzeria, die einfacher erreichbar ist. «Vor zwei Wochen wurde auch unser Fleischlieferant von der Polizei gebüsst», fährt der Inhaber fort, der den Take-away seit 14 Jahren führt.

Misovski fühlt sich als Kleingewerbler von der Stadt Brugg bestraft und versteht nicht, warum dieser Strassenabschnitt plötzlich den ganzen Tag für den Durchgangsverkehr gesperrt sein muss. Bei Pizza-Lieferungen müssen sie nun meistens einen Umweg fahren, was rund 3 bis 4 Minuten in Anspruch nehme. Bei 20 Lieferungen pro Tag bedeute das rund eineinhalb Stunden länger zu arbeiten, fasst Pepe Misovski die Situation zusammen.

Im Januar 25 Bussen verteilt

Die Regionalpolizei (Repol) Brugg ist überzeugt, dass sich das neue Konzept bewährt. Repol-Chef Heiner Hossli sagt: «Die Zahlen bestätigen, dass sich die Durchfahrten seit der Einführung des Verkehrsregimes massiv verringert haben.» Die Signalisation sei an mehreren Orten angebracht worden und sollte verständlich sein. «Wir werden aber Erfahrungen sammeln und allenfalls noch Verbesserungen vornehmen, sofern dies nötig sein wird», ergänzt Hossli.

Im Januar seien insgesamt 25 Bussen für das Missachten des Fahrverbots ausgesprochen worden. Der Repol-Chef kennt einige Anwohner, die noch mehr Kontrollen fordern. «Mit diesen Personen sind wir im Gespräch.» Die Repol Brugg habe mehrere ähnliche Verkehrsregimes in den Gemeinden des Einzugsgebiets. Im Rahmen der personellen Möglichkeiten müssen deshalb an verschiedenen Stellen Kontrollen durchgeführt werden, so Hossli weiter. Dazu komme, dass aktuell die Präventionsarbeit gegen Einbruchdiebstähle neben all den anderen Schwerpunktaufgaben bei der Repol Brugg höchste Priorität habe.