Die Zeit drängt: Nachdem klar geworden ist, dass die Lehrwerkstätte der Gartenbauschule Niederlenz definitiv geschlossen wird, kann der Unternehmerverband der Gärtner – JardinSuisse Aargau (JSA) – seine Kurse längstens noch bis Ende 2019 am bisherigen Standort durchführen. Eine Fristverlängerung sei eher unwahrscheinlich, heisst es im jüngsten Entwurf des Businessplans. Es braucht also einen neuen Standort für überbetriebliche Kurse der angehenden Landschaftsgärtner und entsprechende Weiterbildungen.

Aus diesem Grund findet morgen Donnerstag zum ersten Mal in der 124-jährigen Verbandsgeschichte von JSA eine ausserordentliche Generalversammlung statt. Die Mitglieder sind dazu ins Berufsbildungsheim Neuhof in Birr eingeladen. Denn in einer Spezialzone der Schweizerischen Pestalozzistiftung Neuhof kann JSA für rund 2,75 Millionen Franken im Baurecht ein neues Ausbildungszentrum für Landschaftsgärtner bauen. Geplant wurde das Projekt von der Walker Architekten AG in Brugg. Realisiert werden soll der längliche Bau zwischen dem neuen Spielplatz und der Kantonsstrasse.

Synergien bei der Verpflegung

«Für unsere Lernenden und Auszubildenden stellt diese Lösung einen Meilenstein dar. So können wir den Landschaftsgärtnern künftig eine moderne Infrastruktur bieten. Die Ausbildungsqualität wird gesteigert», sagt JSA-Präsident Manuel Eichenberger. Rund vier Fünftel der Fläche werden für die Arbeitshalle beansprucht, wo in kleinen Gruppen – unabhängig von der Witterung – Erd- und Steinarbeiten geübt werden können. Pro Lehrjahr werden zwischen 60 und 80 Jugendliche als Landschaftsgärtner ausgebildet. Der Neubau bietet Platz für einen Schulungsraum, Büros für die Kursleitung, eine kleine Werkstatt und Lagerräume.

Als die Verantwortlichen des Berufsbildungsheims Neuhof Anfang dieses Jahres in einer Fachzeitschrift gelesen haben, dass JSA einen neuen Ausbildungsstandort sucht, zeigten sie sich sofort gesprächsbereit. Zur Kick-off-Sitzung wurde auch die Gemeinde Birr eingeladen. «Die Themen Berufsbildung und Weiterbildung sowie die ökologische Ausrichtung passen gut zu uns. Zudem können wir in den Bereichen Verpflegung, Schulungsräumen und Umgebungsarbeiten unkompliziert Synergien nutzen», sagt Neuhof-Gesamtleiter Daniel Büchi. Mit dem geplanten Bau des neuen Ausbildungszentrums neben der Kantonsstrasse kommt der Neuhof laut Daniel Büchi seinem Ziel, sich für die Öffentlichkeit noch mehr zu öffnen, einen weiteren Schritt näher.

Inbetriebnahme Anfang 2020

Gibt es an der ausserordentlichen Generalversammlung von JSA am Donnerstagabend grünes Licht für den Neubau, so soll das Ausbildungszentrum bis Weihnachten 2019 realisiert sein und ab 2020 in Betrieb gehen. «Wir denken, dass der Kanton und die Gemeinde dieses Projekt, das aufgrund einer ausserordentlichen Situation von JardinSuisse entstanden ist, zügig behandeln werden, damit die Ausbildungsmöglichkeit für die Landschaftsgärtner nachhaltig gesichert ist», so Gesamtleiter Büchi. Aus der bisher gemachten Erfahrung spricht er von einer fruchtbaren Zusammenarbeit.

Von den rund 150 Betrieben, die bei JSA Mitglied sind, haben sich laut Präsident Manuel Eichenberger bisher zirka 70 für die ausserordentliche Generalversammlung angemeldet. Gemäss den Statuten ist der Teilnahme für alle JSA-Mitglieder obligatorisch. Damit die Ausbildung der Lernenden in eine zeitgemässe Infrastruktur überführt werden kann, ist der Berufsverband auf die Unterstützung der Mitglieder angewiesen. Diese können für die Finanzierung des neue Bildungszentrums entsprechende Aktien erwerben.

Die aktuelle Planung sieht laut Businessplan einen Eigenmittelbeitrag von 200 000 Franken durch JardinSuisse Aargauvor. Zusätzlich können 100 000 Franken aus einem Berufsbildungsfonds des Bundes generiert werden. Weitere 600 000 Franken sind durch Aktienzeichnungen der neu zu gründenden JSA, Bildungszentrum Gärtner AG einzubringen. Somit ergibt sich ein Fremdfinanzierungsbedarf von rund 1,85 Millionen Franken.