Brugg
Neues Angebot: Montags knüpfen im Jugendhaus Piccadilly Flüchtlinge Kontakte

Die Asylsuchenden sind in Brugg angekommen und haben ihre Unterkunft im «Jägerstübli» bezogen. Der Treffpunkt «contacts» in Brugg soll Austausch zwischen Einheimischen und Asylsuchenden fördern.

Janine Müller
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Elisabeth Brönnimann (links) und Patrizia Bertschi initiieren einen Treffpunkt im Jugendhaus Piccadilly.

Elisabeth Brönnimann (links) und Patrizia Bertschi initiieren einen Treffpunkt im Jugendhaus Piccadilly.

Janine Müller

Die Asylsuchenden sind in Brugg angekommen und haben ihre Unterkunft im «Jägerstübli» bezogen. Die meisten von ihnen werden Deutschkurse, die vom Kanton organisiert sind, besuchen. Ansonsten ist das Angebot an Aktivitäten gering.

Darum gibt es ab dem 17. August in der Stadt Brugg einen Treffpunkt für Asylsuchende, Flüchtlinge und Einheimische. Der Verein Netzwerk Asyl Aargau will im Jugendhaus Piccadilly das Angebot «contact» einrichten. Jeweils am Montagnachmittag können sich Asylsuchende aus der Region Beratung holen, Deutsch lernen oder das Internet benutzen. Unterstützt werden sie dabei von Freiwilligen.

Brugg ist dann die sechste Gemeinde im Kanton, die einen solchen Treffpunkt hat. «contact» gibt es bereits in Aarau, Nussbaumen, Muri, Rheinfelden und Zofingen, wobei die Thut-Stadt zurzeit vakant ist. Das Projekt in Brugg wurde von einer Gruppe mit Vertretern der katholischen und reformierten Kirche und Einzelpersonen initiiert. Dabei sind auch Elisabeth Brönnimann und Patrizia Bertschi, Präsidentin Verein Netzwerk Asyl Aargau.

Dass die Eröffnung von «contact» fast in die gleiche Zeit fällt wie das Einziehen der Asylsuchenden ins «Jägerstübli, ist mehr ein Zufall. «Wir wollten schon länger in der Region Brugg einen Treffpunkt eröffnen», sagt Patrizia Bertschi. «Die Idee kam vor gut zwei Jahren auf.» Doch in den letzten Monaten hätten die Vorbereitungen Schwung erhalten, und die Suche nach Räumlichkeiten ging los. Das Jugendhaus Piccadilly und die Stadt Brugg würden dem Verein die Räume zur Verfügung stellen, heisst es in der Mitteilung des Vereins Netzwerk Asyl. Gemäss Stadtrat Brugg ist das Gesuch für die Nutzung der Räume im Jugendhaus Piccadilly aber noch nicht behandelt worden.

Die Gemeinden wurden bisher nicht für weitere Unterstützung angefragt. «Wir würden uns natürlich freuen, wenn sie einen Teil an die Verpflegung oder an die Anreisekosten zahlen würden», sagt Bertschi. Ansonsten finanziert sich der Verein über Spenden, der Kanton Aargau ist nicht daran beteiligt. «Wir fangen das auf, was der Kanton nicht mehr zu leisten vermag», ergänzt Bertschi. So besteht die Möglichkeit, in den «contacts» die Deutschkenntnisse zu vertiefen und vor allem die Sprache zu praktizieren. «Wir bieten nicht Deutschkurse an sich an. Wir haben nicht ein striktes Programm», erklärt Bertschi. «Häufig sind unsere Deutschgruppen, wie wir sie nennen, eine Ergänzung zum Angebot des Kantons.» So gibt es viele Asylsuchende, die eine geringe Schulbildung haben und darum mit dem Tempo in den regulären Deutschkursen nicht mitkommen. In den «contacts» haben diese Menschen dann die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Hausaufgaben zu machen und zu üben.

Doch nebst den Deutschgruppen, die sehr beliebt sind, gibt es ein Beratungsangebot, Spiele oder Snacks und Getränke. Jeder Treffpunkt richtet sich nach der Nachfrage der Besucher aus. «Für die Asylsuchenden ist das ‹contact› eine Möglichkeit, wenigstens einmal in der Woche aus ihrem monotonen Alltag auszubrechen», sagt Elisabeth Brönnimann.

Doch damit das «contact» in Brugg so funktioniert, wie es sich die beiden Frauen vorstellen, braucht es noch Freiwillige. Diese bereiten den Raum für die jeweiligen «contact»-Nachmittage vor, organisieren Getränke und Snacks, legen die Spiele und Informationen aus und richten die Internetstation ein. Anschliessend führen sie Gespräche mit den Besuchern, helfen bei Fragen, vermitteln weiter an Fachstellen und unterstützen bei der Kontaktaufnahme mit der einheimischen Bevölkerung.

Die Freiwilligen sollten «einen gesunden Menschenverstand mitbringen», sagt Brönnimann. Und sich auch bewusst sein, dass diese Menschen durch schwere Schicksalsschläge und Krieg zum Teil schwer traumatisiert sind. Wichtig seien auch das Interesse, die Neugier und die Offenheit gegenüber fremden Menschen und Kulturen. «Zudem sollten die Freiwilligen ein gewisses Verständnis für schwierige Situationen mitbringen», ergänzt Patrizia Bertschi. Eine pädagogische oder soziale Ausbildung brauchen die Helfer nicht. «Wichtig ist, dass sie Gespräche führen und die Menschen ernst nehmen.»

Ernst nehmen will man auch allfällige Bedenken von Anwohnern, obwohl die beiden Frauen glauben, dass der Treffpunkt kaum jemanden stören wird. «Wir sind zuversichtlich, denn wir wissen uns von vielen Brugger Mitmenschen unterstützt. Ein Vorschuss an Solidarität und Offenheit unsererseits ist ein gutes Startkapital. Das setzt Energie frei, um im Kleinen Grosses bewirken zu können», sagt Elisabeth Brönnimann.

Freiwillige Helfer melden sich bei Elisabeth Brönnimann (Tel.: 056 441 07 40 oder Mail: elibro@gmx.ch) oder Ruedi Kümin (056 441 33 52; ruedi.kuemin@ref-windisch.ch).