Königsfelden
Neues Angebot für Kinder psychisch kranker Eltern

Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) mit neuem Angebot für Kinder psychisch kranker Eltern. Das Angebot ist freiwillig, kostenlos und soll als Prävention dienen, damit Kinder keine Langzeitschäden oder Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Ursula Burgherr
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Für die Beratung von Kindern psychisch kranker Eltern arbeitet Anja Mackensen (li) auch mit themenspezifischen Bilderbüchern. UBU

Für die Beratung von Kindern psychisch kranker Eltern arbeitet Anja Mackensen (li) auch mit themenspezifischen Bilderbüchern. UBU

Die Fachstelle für Angehörige psychisch kranker Menschen bietet seit Frühling 2012 ein Beratungsangebot, das speziell auf Kinder und Jugendliche von psychisch kranken Eltern ausgerichtet ist. Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen ein Elternteil psychisch krank ist, haben ein erhöhtes Risiko, selber zu erkranken. Leidet der Vater oder die Mutter etwa unter einer Depression oder Psychose, kann der Nachwuchs das nicht einordnen, was oft zu grossen Ängsten und Schuldkomplexen führt. Ein kindergerechtes Beratungsangebot fehlte bisher.

Diese Lücke füllen nun die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG). Anja Mackensen, Leiterin Fachstelle für Angehörige, bietet neu Gespräche für junge Menschen an, in denen sie lernen, wie sie mit der Krankheit des erwachsenen Familienmitglieds umgehen können. «Oft trauen sich die Kinder nicht, öffentlich über die Erkrankung zu sprechen. Wir mussten feststellen, dass viele der betroffenen Jugendlichen schon jahrelang darunter litten, dass die Mutter oder der Vater emotional nicht erreichbar ist, keinerlei Interesse zeigt oder Stimmen hört. Die Jugendlichen reagieren teilweise sehr angepasst, tragen viel Verantwortung für den erkrankten Elternteil und leben mit einer permanenten Überforderung.»

Stets die richtigen Adressen parat

Das Beratungsangebot der PDAG ist freiwillig, kostenlos und soll als Prävention dienen, damit Kinder keine Langzeitschäden oder Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Die Anschubfinanzierung wurde von der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz geleistet und im Juni 2012 hat zudem der Alkoholzehntel Aargau eine namhafte finanzielle Unterstützung zugesagt. Mackensen berät die Familien und nach einer Sitzung bis vier Sitzungen wird gemeinsam entschieden, ob eine therapeutische Begleitung notwendig ist oder andere Massnahmen folgen sollen.

Die Fachfrau hat in jedem Fall die richtigen Adressen parat. Unterstützend für die Beratung der Kinder und Jugendlichen gibt es eine Reihe von Bilderbüchern und Broschüren, in denen einfühlsam und altersgerecht erklärt wird, was mit der Mama oder dem Papa los ist. So auch für Pius, 14, dessen Mutter wegen einer schweren psychotischen Erkrankung notfallmässig hospitalisiert werden musste. Der Jugendliche hatte sich zu Hause aus Angst oft eingeschlossen und fühlte sich teilweise mitschuldig an dem Zustand seiner Mama.

Mackensen: «In intensiven Gesprächen erklärte ich ihm, was die Krankheit ist, woher sie kommt, wie er damit umgehen kann; und dass niemand daran Schuld hat.» Pius wurde zeitweise bei einer befreundeten Familie untergebracht, wo er sich sehr wohl fühlte. Und der getrennt lebende Vater kümmerte sich noch mehr um ihn. Mackensen . «Ziel der Fachstelle für Angehörige psychisch kranker Menschen und des neuen Beratungsangebots für Kinder und Jugendliche ist es, die Familien wenn immer möglich zusammenzuhalten und den Eltern dabei zu helfen, dass sie ihre Erziehungskompetenzen entwickeln können – trotz Krankheit.»