Das typische Rattern der Zeilensetzmaschinen und das Stampfen der grossen Buchdruckpressen – die einst oft geradezu poetische Typenbezeichnungen wie etwa «Sturmvogel» oder «Windsbraut» trugen – ist auch in der Storchengasse in Brugg längst nicht mehr zu hören. In einem Teil des Gebäudes, das Gottlieb Friedrich Fisch-Hagenbuch (1817 bis 1887) in den Jahren 1864/65 anstelle des einstigen Stadtpalais der Familie von Effinger für seine Druckerei erstellen liess, und das Ende der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts erweitert wurde, haben inzwischen zwar auch «branchenfremde» Firmen Einzug gehalten. Gesetzt und gedruckt – oder wohl besser produziert – wird, mit modernsten Maschinen und Geräten, an der Storchengasse jedoch nach wie vor. Das könnte sich in absehbarer Zeit allerdings ändern.

«Wir befassen uns damit, einen neuen Standort für die Produktion zu definieren», bestätigt Cédric Kaiser, der Geschäftsführer der Effingerhof AG, auf Anfrage. «Der Standort an der Storchengasse in Brugg ist für die Produktion zu klein geworden.» Zudem bestehen offenbar Überlegungen, an einem neuen Standort auch Platz für die Druckwerkstatt des Vereins Römerpresse Vindonissa zu schaffen, der sich zum Ziele gesetzt hat, die Buchdruckerkunst – die «Schwarze Kunst» – zu pflegen und das handwerkliche Wissen weiterzugeben.

Darüber hinaus hält sich Cédric Kaiser jedoch bedeckt: «Wann ein Umzug spruchreif sein wird, ist noch völlig offen», erklärt er. Und auf die Frage nach einem möglichen neuen Standort sagt er: «Das kann in Brugg oder Laufenburg oder einem andern Ort sein.»

Auf Einkaufstour

Dass Laufenburg als möglicher Standort ins Blickfeld geraten ist, dürfte mit der Übernahme der Druckerei Binkert-Buag AG in Laufenburg durch die Effingerhof AG zusammenhängen. Im vergangenen Jahr, zwei Jahre nachdem die Effingerhof AG bereits die Druckerei Isenegger in Möhlin «geschluckt» hatte, übernahm sie auch die Binkert-Buag AG. Dabei wurde zwar noch versichert, dass «beide Unternehmen ihre Selbstständigkeit behalten» würden. Allerdings hiess es damals auch, dass «Standortoptionen geprüft» würden.

Eine erste Standortoptimierung sozusagen erfolgte jedoch bereits nach wenigen Monaten. Im Herbst 2016 wurde der Druckereibetrieb der Buag in BadenDättwil – die 2013 mit der Druckerei Binkert fusioniert worden war – aufgelöst und in den Betrieb im Effingerhof in Brugg integriert.

Andere Zeiten – andere Pläne

Mit Überlegungen für den Auszug aus der Brugger Altstadt beschäftigt man sich im Effingerhof übrigens nicht zum ersten Mal. Im Gefolge des Erwerbes der Verlagsrechte an der «Rundschau» Ende der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts, und damit der Druckerei Harder in Untersiggenthal, befasste man sich mit Ideen für den Bau eines modernen Druckzentrums im Gebiet Wildischachen in Brugg. Die Pläne wurden dann allerdings rasch begraben. Für diesen Entscheid muss, wie die seitherige Entwicklung der grafischen Branche aufzeigt, dem damaligen Verwaltungsrat zweifellos Weitsicht attestiert werden.

«Die Effingerhof AG gibt Gas», betont jedenfalls Cédric Kaiser und stellt fest: «Wir sind zufrieden mit der Entwicklung.»